Ökostrom-Vergleich: So finden Sie einfach echten grünen Strom
Der deutsche Strommix wird immer grüner. Während der Anteil erneuerbarer Energien vor 20 Jahren noch bei 10,2 Prozent lag, waren es 2024 bereits fast 63 Prozent, wie das Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme ISE analysierte. Auch das Angebot an Ökostromtarifen steigt stetig und begeistert nicht nur Klimaschützer. Denn preislich können sie problemlos mit fossilem Strom konkurrieren und sind somit für jeden Haushalt relevant.
Allerdings gibt es dabei ein Problem: die mangelnde Transparenz. Energieunternehmen bieten oft mehrere Tarife an und betreiben einen Mix aus Kraftwerken. So produzieren sie nicht nur Strom aus Wind und Sonne, sondern verbrennen auch Kohle und Gas oder sind in die Kernkraft investiert. Wer sichergehen möchte, dass er echten Ökostrom bezieht, muss sich also genau informieren. Das fängt schon bei dem Begriff "Ökostrom" an. Er ist nicht geschützt, sodass jeder Versorger seinen Strom so bezeichnen kann. Dieses "Greenwashing", also das Phänomen, dass Unternehmen ihr Produkt umweltfreundlicher darstellen, als es in Wahrheit ist, erschwert es Verbrauchern, die richtige Wahl zu treffen. Es gibt jedoch ein paar Grundsätze und Herangehensweisen, um keine Mogelpackung zu erwischen.
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Was ist Ökostrom?
Wie bereits erwähnt, ist "Ökostrom" kein geschützter Begriff. In der allgemeinen Wahrnehmung steht er jedoch für elektrische Energie aus erneuerbaren Quellen. Dazu zählen nach der in Deutschland verbreiteten Definition Windkraft, Wasserkraft, Sonnenenergie und Biomasse. Im Gegensatz zu Strom aus Kohle, Gas oder Kernkraft entstehen bei seiner Produktion keine direkten CO₂-Emissionen und es fällt kein radioaktiver Abfall an. Kohlestrom kann also nicht durch den Kauf von CO₂-Zertifikaten zu Ökostrom werden, da dennoch unmittelbar CO₂ ausgestoßen wird.
Ökostrom aus der Steckdose unterscheidet sich jedoch nicht von fossil hergestelltem Strom. Beide sind physikalisch gleich, auch wenn ihre Entstehungsarten unterschiedlich sind. Das hat den Vorteil, dass das eigene Wohnhaus nicht am Entstehungsort stehen muss. Ihr Ökostromanbieter wird die an Sie verkaufte Menge Strom stattdessen dort ins Netz einspeisen, wo sich seine Windräder und Solaranlagen befinden. Das Gleiche machen die Produzenten von fossilem Strom.
Es kann also sein, dass der Strom aus Ihrer Steckdose von einem Kohlekraftwerk hergestellt wurde, da es sich näher an Ihrem Wohnort befindet. Gleichzeitig landet der für Sie hergestellte Strom vielleicht in einem Haushalt mit Kohlestromvertrag. Das ist jedoch nicht schlimm, da es bei dem Stromnetz auf die Bilanz ankommt. Je mehr Windräder und Solaranlagen aufgrund höherer Nachfrage einspeisen, desto grüner wird der gesamte Strommix. Dabei helfen Sie mit einem Ökostromtarif. Entscheiden Sie sich hingegen für konventionellen Strom, stärken Sie fossile Strukturen.
Doch hier beginnt das Problem. Nicht jeder grüne Tarif hat dieselbe Wirkung. Manche Anbieter kaufen lediglich Herkunftsnachweise aus alten Wasserkraftwerken im Ausland, ohne ihr fossiles Geschäftsmodell zu ändern. Andere wie Green Planet Energy und LichtBlick investieren aktiv in neue Wind- und Solarparks. Es reicht also nicht, einen Tarif zu buchen, auf dem Ökostrom draufsteht. Er muss auch wirklich grünen Strom liefern.
Wie erkenne ich echten Ökostrom und vermeide Greenwashing?
Greenwashing ist in der Energiebranche weitverbreitet. Konzerne, die gleichzeitig Kohlekraftwerke betreiben, bieten Ökostromtarife an und schmücken sich mit grünen Werbebildern. Das Geld aus diesen Tarifen fließt jedoch in denselben Konzern, der an anderer Stelle fossile Infrastruktur ausbaut.
Um echten Ökostrom zu erkennen, helfen drei zentrale Fragen:
- Wer steckt hinter dem Anbieter? Unabhängige Ökostromanbieter wie Green Planet Energy, LichtBlick oder ENTEGA haben keine Verflechtungen mit fossilen Konzernen. Töchter großer Energiekonzerne wie E.ON können zwar ebenfalls zertifizierten Ökostrom liefern, das Geld fließt aber letztlich in einen Mischkonzern.
- Investiert der Anbieter in neue Anlagen? Alter Wasserkraftstrom aus Norwegen mag erneuerbar sein, er bringt die Energiewende in Deutschland aber nicht voran. Entscheidend sind Investitionen in neue Wind-, Solar- und Wasserkraftprojekte. Seriöse Anbieter kommunizieren transparent, wohin Ihre Zahlungen fließen.
- Welche Siegel trägt der Tarif? Um Verbrauchern mehr Transparenz zu bieten, gibt es unabhängige und vertrauenswürdige Siegel. Tarife ohne eine solche Kennzeichnung sollten Sie generell skeptisch betrachten. Vertrauenswürdige Siegel listen wir im nächsten Abschnitt auf. Alle anderen Siegel sollten Sie meiden, denn sie könnten vom Energieversorger selbst erstellt worden sein.
Zusätzlich lohnt sich ein Blick in die Geschäftsberichte und auf die Unternehmenswebsite. Wie hoch ist der Anteil erneuerbarer Energien im gesamten Portfolio? Gibt es konkrete Ausbaupläne? Werden parallel dazu fossile Projekte vorangetrieben? Diese Informationen helfen dabei, glaubwürdige Anbieter von grünen Marketingkampagnen zu unterscheiden.
Welche Ökostrom-Siegel gibt es?
Siegel sollen im Tarifdschungel für Orientierung sorgen. Doch auch hier gibt es massive Qualitätsunterschiede, denn grundsätzlich kann sich jeder eine solche Kennzeichnung ausdenken. Zu den vertrauenswürdigsten zählen folgende Label:
- Grüner Strom-Label: Das Grüner Strom-Label gilt als das strengste Siegel in Deutschland. Es wird beispielsweise von Green Planet Energy getragen. Anbieter müssen garantieren, dass sie für jede verkaufte Kilowattstunde einen festen Betrag in neue Ökostromanlagen oder Energiewendeprojekte investieren. Das Label stellt sicher, dass Ihr Geld tatsächlich die Energiewende vorantreibt.
- ok-power-Siegel: Das ok-power-Siegel stammt vom Verein EnergieVision und wird beispielsweise von Octopus Energy getragen. Es zertifiziert Tarife, die entweder aus neuen Anlagen stammen oder einen Fonds für den Ausbau erneuerbarer Energien speisen. Die Kriterien sind streng, aber etwas flexibler als beim Grüner Strom-Label.
- TÜV-Siegel: Der TÜV vergibt verschiedene Zertifikate für Ökostrom. Das TÜV Nord-Siegel stellt sicher, dass der Strom zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen stammt. Zudem dürfen die Anlagen nicht älter als sechs Jahre sein. Die TÜV Süd-Siegel "EE01" und "EE02" sind strenger und verlangen einen Nachweis über den Umweltnutzen.
Wenn Sie sich für einen Ökostromtarif interessieren, schauen Sie auf der Website Ihres Wunschanbieters vorbei. Wenn er ein Siegel besitzt, führt er es dort sicher auf.
Auch die Vergleichsportale Verivox oder Check24 weisen vorhandene Siegel aus.
Warum Ökostrom aus neuen Anlagen stammen sollte
Nur Anbieter, die mit neueren Anlagen arbeiten, erhalten ein Ökostrom-Siegel. Das fördert den Ausbau weiterer Anlagen und erhöht die Glaubwürdigkeit eines Ökostromtarifs. Ein seit 1960 in den Alpen stehendes Wasserkraftwerk produziert zwar erneuerbare Energien, aber das würde es auch ohne Ihren Vertrag tun.
Neue Anlagen entstehen hingegen oft erst durch die Nachfrage nach grünem Strom. Wenn Verbraucher bewusst Tarife wählen, die den Neubau finanzieren, beschleunigt das den Ausstieg aus fossilen Energien. Jeder neue Windpark, jede neue Solaranlage, jede neue Biogasanlage und jedes neue Wasserkraftwerk erhöhen den Anteil erneuerbarer Energien im Netz und verdrängen Kohle- und Gaskraftwerke.
Ist Ökostrom teurer oder günstiger als herkömmlicher Strom?
Die Zeiten, in denen Ökostrom deutlich teurer war als konventionelle Tarife, sind vorbei. Heute kostet grüner Strom oft genauso viel oder sogar weniger als Strom aus fossilen Quellen. Grund dafür sind die stark gesunkenen Produktionskosten für erneuerbare Energien und der steigende CO₂-Preis. Das zeigt eine aktuelle Studie des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE.
Während die Gestehungskosten, die die Kosten mit dem Nutzen über die gesamte Lebensdauer hinweg in Relation setzen, bei Windkraft und Solar zwischen 4,1 und 14,4 Cent/kWh liegen, zahlen Besitzer von Kohlekraftwerken zwischen 15,1 und 29,3 Cent/kWh. Auch Gaskraftwerke mit 15,4 bis 32,6 Cent/kWh liegen darüber und die Gestehungskosten von neu zu bauenden Kernkraftwerken übertreffen die erneuerbaren deutlich: Zwischen 13,6 und 49,0 Cent kostet die Kilowattstunde.
Allerdings kommen die Gestehungskosten nicht so beim Endverbraucher an. Es kommen noch Netzentgelte, die Marge des Anbieters und Steuern hinzu. Zudem produzieren die Anlagen abhängig vom Wetter und der Tageszeit mehr oder weniger Strom. Das hat Einfluss auf den Börsenstrompreis (Merit-Order-Prinzip). Daher liegen Ökostrompreise für Endkunden zumeist gleichauf mit den Fossilstrompreisen und nicht deutlich darunter.
Aktuell kostet Strom für Bestandskunden etwa 33 Cent/kWh (Quelle: Verivox, Dezember 2025), das gilt auch für Ökostrom. Dabei handelt es sich aber nur um einen Durchschnitt. Neukunden werden bereits Tarife für 25 bis 27 Cent/kWh angeboten. Wer also noch einen älteren Stromtarif hat, der kann mit dem Wechsel in einen Ökostromtarif nicht nur etwas für die Umwelt tun, sondern auch Geld sparen.
Ökostromanbieter im Vergleich: Diese bieten wirklich grünen Strom
Ökostrom ist also nicht teurer als herkömmlicher Strom und durch Siegel klar erkennbar. Wer wechseln möchte, steht dennoch vor einer großen Auswahl an Unternehmen, die grünen Strom anbieten. Doch nur unabhängige Ökostromanbieter haben keine Verbindungen zu fossilen Energiekonzernen, setzen ausschließlich auf erneuerbare Energien und investieren aktiv in die Energiewende. Sie sollten daher die erste Anlaufstelle für einen Wechsel sein. Empfehlenswert sind unter anderem:
- Green Planet Energy: Die Genossenschaft entstand aus der Anti-Atomkraft-Bewegung und gehört mehrheitlich ihren Mitgliedern. Sie betreibt eigene Wind- und Solarparks und setzt sich politisch für den Kohleausstieg ein. Ihr Strom trägt das Grüner Strom-Label. Green Planet Energy gilt als einer der glaubwürdigsten Anbieter in Deutschland.
- LichtBlick: Als einer der größten unabhängigen Anbieter versorgt LichtBlick rund 1,7 Millionen Kunden mit Ökostrom und Ökogas. Das Unternehmen investiert in Projekte zur dezentralen Energieversorgung und fördert innovative Speichertechnologien. LichtBlick bietet ausschließlich zertifizierten Ökostrom an.
- ENTEGA: Der Anbieter aus Hessen gehört mehrheitlich kommunalen Stadtwerken und setzt konsequent auf Ökostrom. ENTEGA baut eigene Wind- und Solarparks und trägt verschiedene Gütesiegel. Das Unternehmen bietet günstige Tarife bei gleichzeitig hoher ökologischer Glaubwürdigkeit.
- rabot.energy: Dieser vergleichsweise junge Anbieter kombiniert dynamische Stromtarife mit Ökostrom. Kunden zahlen stündlich wechselnde Preise, die an der Strombörse orientiert sind. Das schafft Anreize, Strom dann zu verbrauchen, wenn Wind und Sonne viel produzieren. rabot.energy arbeitet mit intelligenten Messgeräten und fördert gezielt die Flexibilisierung des Stromverbrauchs.
- Octopus Energy: Das britische Unternehmen expandiert seit einigen Jahren nach Deutschland und bietet faire Ökostromtarife mit transparenten Konditionen. Octopus Energy investiert weltweit in erneuerbare Energien und entwickelt innovative Tarifmodelle für E-Auto-Fahrer und Wärmepumpenbesitzer.
- Polarstern: Der Anbieter gehört zu den unabhängigen Ökostromanbietern in Deutschland und setzt vollständig auf erneuerbare Energiequellen. Polarstern betreibt eigene Wind- und Solarprojekte und investiert darüber hinaus in den Ausbau neuer Ökostromanlagen. Das Unternehmen legt großen Wert auf Transparenz und Nachhaltigkeit und ist Mitglied im Bündnis der Energiegenossenschaften.
- Naturstrom: Als einer der ältesten unabhängigen Ökostromanbieter in Deutschland setzt Naturstrom seit seiner Gründung 1998 ausschließlich auf erneuerbare Energien. Das Unternehmen fördert den Bau neuer Ökostrom- und Biogasanlagen, indem es pro verbrauchte Kilowattstunde einen festen Betrag in den Ausbau erneuerbarer Energien investiert. Naturstrom ist genossenschaftlich geprägt, engagiert sich politisch für die Energiewende und trägt das Grüner Strom-Label.
Auch große Versorger wie EnBW, E.ON, Mainova, MVV Energie und Yello Strom haben Ökostromtarife im Angebot. Diese Unternehmen sind jedoch nicht ausschließlich auf erneuerbare Energien spezialisiert, sondern betreiben parallel dazu auch fossile Infrastruktur. Ihre Ökostromtarife können durchaus seriös sein und entsprechende Siegel tragen. Wer jedoch sichergehen will, dass kein Cent in fossile Projekte fließt, sollte einen unabhängigen Anbieter wählen.
Ökostrom-Vergleich: Wann lohnt sich ein Wechsel?
Echter Ökostrom fördert nicht nur den Ausbau von erneuerbarer Energie, er liegt auch preislich mit herkömmlichem Strom gleich auf. Zudem lässt er sich genauso einfach abschließen. Entweder gehen Sie direkt auf die Website eines Anbieters oder besuchen ein Vergleichsportal wie Verivox oder Check24. In beiden Fällen gibt es einen Umzugsservice. Sie müssen sich also nicht um die Kündigung Ihres alten Stromvertrags kümmern und haben einen fließenden Übergang.
Da Ökostromanbieter in der Regel junge Unternehmen sind, bieten sie ein innovatives Produktportfolio. Dynamische Stromtarife, Ladekarten für E-Autos und günstigere Stromverträge extra für Wärmepumpen sind nur einige Beispiele.
Es gibt daher keinen Grund mehr, auf grünen Strom zu verzichten. Wessen Vertrag demnächst abläuft oder wer noch in der Grundversorgung steckt, sollte sofort den Stromanbieter wechseln.
Wichtig ist jedoch, sich über den Anbieter zu informieren und die Angebote untereinander zu vergleichen. Denn nicht immer steckt echter Ökostrom hinter den Werbeversprechen und die Tarife kosten auch nicht alle gleich viel. Einige Versorger verlangen einen niedrigeren Arbeitspreis (Preis für eine Kilowattstunde) und dafür einen höheren Grundpreis (monatliche Grundgebühr), bei den übrigen ist es andersherum. Dabei ist das eine Modell nicht pauschal besser oder schlechter als das andere. Es kommt letztendlich auf den Verbrauch an. Haushalte, die wenig Strom benötigen, fahren oft mit einem höheren Arbeitspreis besser, weil die monatlichen Fixkosten dadurch geringer sind.
Redaktionelles Fazit
Echter Ökostrom ist längst keine teure Ideologie mehr, sondern wirtschaftlich konkurrenzfähig. Zudem bieten Siegel Verbrauchern eine Orientierung, welche Angebote tatsächlich grün sind.
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Den Wechsel erledigen Sie in zehn Minuten über Vergleichsportale oder direkt beim Anbieter. Es gibt daher keinen Grund mehr, nicht zu einem Ökostromtarif zu wechseln.
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