Dieser Saugroboter ist fleißig, flach und manchmal auch ratlos
Saugroboter mit Wischfunktion haben ein Imageproblem. Je teurer sie werden, desto mehr werden sie als smarte Alleskönner vermarktet, die das Leben revolutionieren sollen – bis hin zum Wegräumen von Socken mit einem Greifarm. Der Roborock Saros 20 Sonic macht hier eine Ausnahme, die ihn – zumindest äußerlich – wenig auffallen lässt. Trotzdem fanden wir ihn im Test beeindruckend.
Während die Konkurrenz und sogar das Schwestermodell Saros 20 fast komplett auf rotierende Wischmopps oder sogar Walzen setzen, hält Roborock beim Saros 20 Sonic an der vibrierenden Wischplatte fest. Das ist eine Designentscheidung, die polarisiert – und die Roborock zumindest technisch entschlossen verteidigt. Die Vibrationsfläche wurde zwar vergrößert, der Anpressdruck erhöht und die Vibrationsbewegungen auf 4000 pro Minute gesteigert. Aber reicht das auch, um mit modernen Rotationssystemen mitzuhalten?
Fangen wir mit dem Offensichtlichen an: Die Bauhöhe von knapp acht Zentimetern ist kein Marketingtrick, sondern im Alltag tatsächlich nützlich. Der Roboter verschwindet unter Möbeln, an die man selbst mit dem Wischmopp nur ungern herangeht – und kommt auch wieder heraus, was nicht selbstverständlich ist.
Die Wischleistung ist, gemessen an dem, was Vibrationsplatten bisher konnten, wirklich gut. Eingetrocknete Küchenflecken wurden im Test ordentlich beseitigt. Der ausfahrbare Moppkopf erreicht Kanten zuverlässig. Noch beeindruckender aber ist das Fahrwerk. Der Roboter hat in unserer Testwohnung eine Türschwelle von mehr als vier Zentimetern zuverlässig überqueren können – und ist damit auch in Altbauwohnungen einsetzbar. Viele andere Modelle scheitern daran. Nach Angaben des Herstellers soll er sogar Doppelschwellen bis zu 4,5 plus 4,3 Zentimeter überwinden.
Die Ladestation des Roborock Saros 20 Sonic füllt sauberes Wasser nach und nimmt schmutziges Wasser aufÜberhaupt funktionierte die Kartenerstellung und Hinderniserkennung schnell und präzise. Kabel, Stuhlbeine, ein liegen gebliebener Hausschuh – der Roboter weicht zuverlässig aus, statt dagegenzufahren. Im gesamten Testzeitraum hat das Gerät sich nicht einmal festgefahren. Andere Modelle mussten wir in der Vergangenheit immer mal wieder befreien.
Dann ist da aber noch die Sache mit der Ladestation. Nach längeren Reinigungstouren durch mehrere Zimmer verlor der Roboter auf dem Rückweg zur Station doch schon mal die Orientierung. Dann fuhr er ein wenig orientierungslos durch die Gegend und bat den Nutzer, ihn zur Ladestation zurückzubringen. Für ein Gerät dieser Preisklasse ist das ein echtes Ärgernis, zumal die Kartenerstellung selbst tadellos funktioniert. Ein Widerspruch, der sich nicht auflösen ließ.
Weniger dramatisch, aber ebenfalls erwähnenswert: Das schwarze Modell, das wir im Test hatten, zeigt Staub auf der Oberfläche mit einer Begeisterung, die man von einem Reinigungsgerät eigentlich nicht erwartet. Der Roboter selbst verlangt also ein wenig Oberflächenpflege, wenn man ihn nicht eingestaubt in der Wohnung dulden möchte. Oder man wählt besser das Modell in Weiß.
Die Saugleistung gibt der Hersteller mit 36.000 Pascal an. Wir konnten den Wert nicht messen, aber feststellen, dass der Sauger die Teppiche zuverlässig reinigte. Inzwischen gibt es mehrere Konkurrenten auf dem Markt, die Werte von jenseits der 30.000 Pascal leisten. Schon bald dürfte man bei 40.000 Pascal landen. Die Dockingstation wäscht den Mopp mit bis zu 100 Grad Celsius, trocknet ihn anschließend und leert den Staubbeutel automatisch. Praktisch, solange man die Station nicht als ewiges Wartungsfreiheitsversprechen missversteht: Frischwasser nachfüllen, Schmutzwasser entleeren, Filter kontrollieren – das alles bleibt natürlich manuelle Arbeit.
Der Roborock Saros 20 Sonic ist also ein sehr solider Saugroboter, der als Arbeitstier ohne zu viel Schnickschnack gelten kann. Einige Extras sind noch in der Smartphone-App versteckt. So kann der Nutzer aus der Ferne den Saugroboter fernsteuern und das Kamerabild sehen. Sogar ein Videotelefonat ist möglich. Will man keine Mitbewohner erschrecken, sollte man mit solchen Funktionen sparsam umgehen.
Natürlich sind benutzerdefinierte Reinigungspläne genauso möglich wie die Steuerung mithilfe eines eigenen Sprachassistenten, der mit „Hello Rocky“ aktiviert wird. Im Test funktionierten aber nicht alle Befehle zuverlässig. Statt nur die Küche zu reinigen, fuhr der Roboter erst einmal in den Flur und legte dort los. Der Saros 20 Sonic lässt sich aber auch mit einem Matter-Netzwerk verbinden und so in eine Smarthome-Umgebung einbinden, um beispielsweise automatisch die Reinigung zu beginnen, wenn alle Bewohner die Wohnung verlassen haben. Der Roborock Saros 20 Sonic kostet 1349 Euro. Ersatzzubehör wird nicht mitgeliefert.
Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.
Thomas Heuzeroth ist Wirtschaftsredakteur in Berlin. Er berichtet über Verbraucher- und Technologiethemen, Unterhaltungselektronik und Telekommunikation.
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