Hoher „Cash Burn“: Galeria taumelt in die nächste Krise
Die Lage bei der Warenhauskette Galeria verschärft sich. Nach Informationen von Capital hakt die Bestellung neuer Ware für den Winter, weil Warenkreditversicherer an der Finanzkraft des Unternehmens zweifeln. Es gebe Streit um die von den Versicherern geforderte Deckung, heißt es in Branchenkreisen. Modehersteller berichteten zugleich, Galeria habe für den kommenden Winter deutlich weniger Ware bestellt als früher.
Die Probleme bei den Bestellungen illustrieren die heikle Lage, in der sich die Warenhauskette wieder befindet. Nach drei Insolvenzen seit 2020 hatte Galeria für das zum Oktober endende Geschäftsjahr erstmals wieder einen Betriebsgewinn erzielt. Seit Dezember brachen Umsätze und Ergebnis jedoch ein. In den vergangenen Monaten hätten die Zahlen deutlich unter Plan und Vorjahr gelegen, sagte ein Insider. Galeria leide unter einem erheblichen „Cash Burn“. Mit den Warenkreditversicherern, die Lieferanten gegen mögliche Ausfälle absichern, war bisher vereinbart, dass die Liquidität nicht unter eine Schwelle von 60 Millionen Euro sinken darf.
Galeria: weitere Filialschließungen möglich
Wegen der angespannten Lage sind auch neue Filialschließungen nicht ausgeschlossen. In dieser Woche hatte Galeria angekündigt, an acht Standorten auslaufende Mietverträge neu verhandeln zu wollen – mit dem Ziel, die Mieten zu drücken. Betroffen sind jeweils zwei Warenhäuser in Berlin und Köln sowie jeweils eines in München, Mannheim, Braunschweig und Aschaffenburg. „Sollte es nicht gelingen, eine für beide Seiten tragfähige Lösung zu erreichen, die allen Parteien eine langfristige Zukunft eröffnet, besteht auch die Möglichkeit von Schließungen“, teilte Galeria mit.
Seit dem letzten Neustart aus einer Insolvenz im Jahr 2024 betreibt Galeria noch 83 Kaufhäuser mit rund 12.000 Mitarbeitern. Damals hatten nach der Pleite der Signa-Gruppe von René Benko Ex-Coty-Chef Bernd Beetz und die Investmentgesellschaft NRDC des früheren Kaufhof-Eigentümers Richard Baker die Warenhauskette übernommen und Investitionen versprochen.
Im Zuge des damaligen Insolvenzverfahrens unter der Führung von Insolvenzverwalter Stefan Denkhaus waren viele Mieten deutlich reduziert worden, insbesondere an Standorten, an denen Galeria zuvor überhöhte Mieten für Immobilien aus der Signa-Gruppe bezahlt hatte. Am Ende wurden lediglich neun Filialen geschlossen. Noch Mitte Dezember hatte die Galeria-Spitze erklärt, sämtliche 83 Filialen seien „im Moment profitabel“.
Hohe Fluktuation im Management
Neben der angespannten Finanzlage belasten auch häufige Wechsel im Management das Unternehmen. Nach dem Abgang von Ex-Chef Olivier van den Bossche im Frühjahr 2025 führte eine Doppelspitze mit Tilo Hellenbock und Christian Sailer das Unternehmen. Anfang dieses Jahres verließ Finanzchef Sailer Galeria abrupt. Auch auf der Führungsebene darunter gibt es eine hohe Fluktuation, etwa bei den Verantwortlichen für Einkauf, Controlling und Personal. Er habe bei Galeria „permanent wechselnde Ansprechpartner“, sagte der Chef eines Galeria-Untermieters.
Das Unternehmen wollte sich zu Fragen nach der aktuellen Finanzlage, den Problemen mit den Warenkreditversicherern und möglichen Filialschließungen nicht äußern. Man setze „alles daran, unsere Standorte zu erhalten und auch künftig ein zentraler Anker und das Herz der Innenstädte zu bleiben“, erklärte eine Galeria-Sprecherin.
Falls sich die Finanzlage nicht schnell stabilisiert, halten Branchenexperten auch eine weitere Pleite für denkbar. Bei den aktuellen Umsatzverlusten könne Galeria nur noch wenige Monate durchhalten, heißt es in der Branche – außer Beetz und Baker seien bereit, Geld nachzuschießen. Wie es aus dem Unternehmen heißt, haben die neuen Eigentümer seit der Übernahme nur einen einstelligen Millionenbetrag an eigenem Kapital bereitgestellt. Darüber hinaus organisierten sie einen Kredit von Bain Capital – allerdings zu üppigen Zinsen.
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