Im Osten Tschechiens endet die Steinkohle-Ära. Was die Schließung für die Region Mährisch-Schlesien bedeutet - und warum eine Hochzeit unvergessen bleibt.

Tschechien hat nach fast 250 Jahren Abschied vom Steinkohlebergbau genommen. Im Bergwerk CSM in Stonava im Osten des Landes wurde am Mittwoch die symbolische letzte Lore mit Kohle aus einer Tiefe von 1300 Metern an die Oberfläche gebracht. An der offiziellen Abschiedszeremonie nahmen zahlreiche geladene Gäste teil.

Historischer Augenblick für Region

Das staatliche Förderunternehmen OKD begründete die Entscheidung damit, dass das letzte verbliebene Steinkohlebergwerk aufgrund der hohen Förderkosten nicht mehr wirtschaftlich zu betreiben sei. "Wir wollen diesen historischen Augenblick nutzen, um allen Bergleuten Respekt zu zollen - innerhalb von fast 250 Jahren waren es rund zehn Generationen", sagte OKD-Generaldirektor Roman Sikora.

Das Bergwerk CSM hat im Laufe seiner Geschichte viel erlebt. Die Stollen und Gänge haben eine Länge von mehr als einer Million Metern. Im Jahr 1992 fand in einer Tiefe von rund 900 Metern eine Hochzeit statt: Ein Grubenelektriker und eine Verkäuferin gaben sich das Ja-Wort. Ein Jahr zuvor machte der Dramatiker, Bürgerrechtler und damalige Präsident Vaclav Havel eine Fahrt unter Tage.

Staat bietet Umschulungen an

In der vom Bergbau stark geprägten Industrieregion Mährisch-Schlesien endet mit der Schließung eine Ära. Rund 700 Mitarbeiter werden noch mit den Stillegungsarbeiten beschäftigt sein. Den übrigen werden Umschulungen angeboten. Deutschland hatte sein letztes Steinkohlebergwerk in Bottrop im Ruhrgebiet bereits 2018 geschlossen. Mit dem Braunkohleabbau in Tagebauen soll im EU-Mitgliedstaat Tschechien indes erst 2033 Schluss sein.

dpa
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