Leon Thomas wurde bekannt durch die Nickelodeon-Serie „Victorious“. Mehr als zehn Jahre später kann er einen zweiten Durchbruch feiern: als erfolgreicher Musiker. 

Viele dürften Leon Thomas aus der Nickelodeon-Serie „Victorious“ kennen, in der er Seite an Seite mit Ariana Grande spielte. Nach dem Ende der Teen-Sitcom wurde es scheinbar still um den 32-Jährigen. Im Hintergrund arbeitete er jedoch unermüdlich an seiner musikalischen Karriere. Langsam, aber stetig entwickelte er sich zu einem gefragten Songwriter in der R&B-Szene. Nach mehr als einem Jahrzehnt steht der Künstler selbst wieder im Rampenlicht: Sein zweites Album „Mutt“ und der gleichnamige Titel-Track eroberten nicht nur die Charts, sondern bescherten ihm jüngst auch zwei Grammys. Wie ist Leon Thomas der Wandel vom liebenswürdigen Kinderstar zum ernstzunehmenden Musiker gelungen? 

Als Kind schon am Broadway

Gewissermaßen wurde dem in New York aufgewachsenen Star die Musik in die Wiege gelegt. Sein inzwischen verstorbener Großvater John Anthony war Opernsänger und wirkte bei der Uraufführung des Broadway-Stücks „Porgy & Bess“ mit, das als Meilenstein des amerikanischen Musiktheaters gilt. Von seinem Großvater habe er viel gelernt, betonte Leon Thomas immer wieder. „Die Lektionen, die er mir beigebracht hat, bleiben mir im Herzen und im Kopf“, sagte er beispielsweise in einem Gespräch mit dem „Billboard“-Magazin. Auch die Eltern von Leon Thomas hatten musikalisches Talent. Seine Mutter war Sängerin, sein Stiefvater spielte Gitarre. Beide gehörten zur Black Rock Coalition, einem gemeinnützigen Künstlerkollektiv. 

Am Set von „Victorious“ lernte Leon Thomas (links) Ariana Grande (rechts) kennen. Die beiden sind bis heute gut befreundet © Larry Busacca/KCA2010 / Getty Images

Seine ersten musikalischen Schritte machte Leon Thomas im Alter von drei Jahren. Damals fand er Gefallen am Schlagzeug. Im Alter von neun Jahren verschlug es den Künstler an den Broadway: Er ergattere die Rolle des „Simba“ im Erfolgsmusical „König der Löwen“. Es folgten weitere Broadway-Produktionen wie „Die Farbe Lila“ und „Caroline, or Change“. Abseits der Bühne schrieb der junge Darsteller bereits erste eigene Songs, die er damals seinen Musical-Kollegen vorspielte. 

Durch seine Broadway-Auftritte wurde Nickelodeon auf ihn aufmerksam. Mit 13 Jahren unterschrieb Leon Thomas einen Fördervertrag mit dem TV-Sender, der auch einen Plattenvertrag beinhaltete. Zunächst lieh der Musiker einer Figur in der Animationsserie „Die Backyardigans“ seine Stimme, dann stand er in „Victorious“ selbst vor der Kamera. In der TV-Show verkörperte er André Harris, einen High-School-Musikproduzenten und guten Freund der Hauptfigur. Am Set lernte er nicht nur Ariana Grande kennen, sondern steuerte auch eigene Songs für die Serie bei. 

Leon Thomas wurde zum Vorbild für etliche Kinder

„Victorious“ wurde ein großer Erfolg. Die Serie lief von 2010 bis 2013 in über 80 Ländern. Leon Thomas avancierte nicht nur zum TV-Liebling für Millionen Fans, sondern auch zur Identifikationsfigur für junge schwarze Nickelodeon-Zuschauer. Dieser Verantwortung sei er sich sehr bewusst gewesen, wie er im Gespräch mit „Billboard“ offenbarte. „Ich wusste, dass Kinder mir nacheifern“, erklärt er. „Ich habe mich deshalb entschieden, mich aus dem Rampenlicht zurückzuziehen.“ 

Dem Musiker war es wichtig, nach Ende der TV-Serie sein Image zu bewahren: „Ich habe darauf geachtet, dem Vorbild, das ich einmal war, gerecht zu werden“, sagte er dem „Billboard“-Magazin © Michael Hickey / Getty Images

Seinem Wechsel in die Musikbranche sei die TV-Bekanntheit nicht unbedingt dienlich gewesen. „Der Übergang vom bekannten Fernsehschauspieler zur Musik ist kein leichter Weg. Ich hatte schon viele Gespräche, in denen ich extrem entmutigt war“, erinnerte er sich im „People Magazine“. Das nächste, lange Kapitel auf dem Weg zum Musik-Star schrieb Leon Thomas im Hintergrund. Nach dem Ende von „Victorious“ konzentrierte er sich zunächst aufs Songwriting. 

Der US-amerikanische R&B-Sänger Babyface wurde dabei zu seinem Mentor. Gleichzeitig gründete Leon Thomas das Produzentenduo „The Rascals“. Mit seinem Kollegen schrieb er unter anderem für Toni Braxton, Zendaya, Ariana Grande und Drake. Für all diese Chancen zeigte sich der Musiker stets dankbar: „Ich war von einigen absoluten Größen umgeben“, betonte er gegenüber der Nachrichtenagentur Associated Press. „Ich habe viel gelernt, indem ich hinter den Kulissen gearbeitet habe.“

Auf der Suche nach dem eigenen Sound

Sein Fleiß zahlte sich aus: 2024 konnte Leon Thomas einen Grammy abräumen. Ausgezeichnet wurde er für seine Arbeit am Song „Snooze“, der als bester R&B-Song prämiert wurde. Der Track erschien 2022 auf dem Album der Sängerin SZA und stürmte bis auf Platz zwei der US-Single-Charts. Leon Thomas freute sich über die Trophäe, gleichwohl sagte er dem „People Magazine“ aber auch: „Eines Tages würde ich sehr gerne selbst als Künstler dort oben stehen.“

Doch seinen Solo-Projekten mangelte es zunächst an Aufmerksamkeit. 2012 veröffentlichte der Musiker sein Debüt-Mixtape „Metro Hearts“. Es folgten zwei weitere Mixtapes, bevor er sich 2018 mit der EP „Genesis“ einer anderen Klangrichtung zuwandte: Einem modernen, vom Neo-Soul inspirierten R&B-Sound. Der Sänger selbst sagte gegenüber „Rated R&B“, dass die EP der Beginn seiner kreativen Entwicklung sei und all seine verschiedenen Produktionsstile vereine.

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2023 erschien das erste Solo-Album von Leon Thomas bei Motown Records. Auf der Platte vertiefte er seinen musikalischen Stil zwischen R&B, Funk und Alternative Soul. Doch das Album lief unter dem Radar, was unter anderem einem Umbruch beim Plattenlabel geschuldet war. „Uns fehlten die nötigen Ressourcen, um aus ‚Electric Dusk‘ das zu machen, was es hätte werden können“, gab ein Label-Manager im Gespräch mit „Billboard“ zu. Leon Thomas sah den ausbleibenden Erfolg jedoch nicht als Rückschlag, sondern eher als Lehrzeit. „Mit meinem Debütalbum anzufangen und von Grund auf etwas aufzubauen, war eine unglaublich demütigende Erfahrung“, sagte er der „Associated Press“.

Endlich landete er einen Hit

Der Durchbruch ließ nicht mehr lange auf sich warten: Im August 2024 veröffentlichte Leon Thomas sein zweites Album „Mutt“ mit dem gleichnamigen Titel-Track, der als erste Single-Auskopplung erschien und ihn an die Spitze mehrerer R&B-Charts katapultierte. Bis es der Song in die Mainstream-Charts schaffte, verging noch ein halbes Jahr. „Mutt“ stieg erst im Februar 2025 in die US-Single-Charts ein, erreichte dann aber die Top Ten. Insgesamt hielt sich der Track ein ganzes Jahr lang in den Top 100. Anfang 2025 wurde Leon Thomas schließlich zum „Billboard Chartbreaker“ gekürt.

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Nicht nur das Label, sondern auch der Sänger selbst arbeiteten beharrlich an der Promotion des Songs. Immer wieder wurde Leon Thomas persönlich bei Radiosendern vorstellig. Er knüpfte Kontakte in einer Branche, in der ihn viele noch als Kinderstar kannten. Im Februar 2025 gab der Sänger seinen Hit bei der „Late Show with Stephen Colbert“ zum Besten. Wenig später spielte er ein „NPR Tiny Desk Concert“, das auf YouTube viral ging. 

Dem düsteren Funk und dem rockigen R&B, die sein Durchbruch-Album prägen, liegen unterschiedliche musikalische Einflüsse zugrunde. Thomas ließ sich inspirieren von Rappern wie The Alchemist und Freddie, von Jazz-Funk-Musiker Roy Ayers und der Hard-Rock-Band Black Sabbath. Neben diesen Künstlern, die er im Gespräch mit dem „People Magazine“ aufzählte, habe er auch psychedelisch klingendene Platten aus den 60er- und 70er-Jahren gehört.  

Psychedelische Sounds und Liebeskummer

Genau diesen Sound wollte er in den R&B integrieren, ein Genre, das er als „ziemlich festgefahren“ bezeichnet. „Sie mögen bestimmte Farben, bestimmte Stimmungen, bestimmte Dinge, aber ich gebe mein Bestes, um anders zu sein“, stellte er im „Billboard“-Gespräch klar. Der Sänger erzählte, dass er beim Schreiben seines Albums auf dem Wohnzimmerboden saß, Psychedelika in Mikrodosen einnahm und seinem Hund beim Toben zusah. Das Haustier, ein Schäferhund-Husky-Mix namens Terry, wurde dabei ebenfalls zur Inspiration für seine Musik. Einerseits erkenne er sich selbst in dem Vierbeiner wieder, andererseits stehe der Hund, ein Geschenk seiner Ex-Freundin, symbolisch für das Liebes-Aus, berichtete Leon Thomas dem „People Magazine“. 

Dass seine Karriere so plötzlich Fahrt aufgenommen hat, fühlt sich laut Leon Thomas an „wie ein 20-jähriger Erfolg, der über Nacht kam“. So beschrieb es der Künstler der „Associated Press“ © Gary Gerard Hamilton / Picture Alliance

Die Trennung von seiner Ex-Freundin hatte einen großen Einfluss auf die Songs – Liebeskummer ist zu einem wiederkehrenden Thema seiner Musik geworden. Noch deutlicher wurde das mit der Deluxe-Version seines Albums, das den Zusatz-Titel „Heel“ trägt. Der „Washington Post“ erzählte der Künstler, dass der Name als ein Befehl zur Heilung gedacht sei. Seine Vermutung, dass seine Fans dieses Bedürfnis nach Heilung teilen, bestätigte sich spätestens auf seiner Tour. 

Immer mehr Träume gehen in Erfüllung

Leon Thomas spielte im vergangenen Jahr fast 50 Konzerte in Nordamerika, Australien und Europa, viele davon vor mehreren Tausend Menschen, viele davon ausverkauft. „Nach den Shows erlebe ich diese wunderbaren Momente des Aufatmens, wenn die Leute die Musik genießen und sich damit identifizieren“, sagte der Sänger dem „People Magazine“. Ende des Jahres war er für ein Konzert in Nashville, als er von den Grammy-Nominierungen erfuhr. Sechs Mal war der Künstler bei der diesjährigen Verleihung nominiert. Eine Anzahl, die lediglich von Kendrick Lamar (neun Nominierungen) übertroffen wurde. 

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Bei der Verleihung ging schließlich ein Traum für den Künstler in Erfüllung. Er bekam gleich zwei Grammys überreicht: Für das beste R&B-Album und für die „Best Traditional R&B Performance“. Endlich wurde Leon Thomas nicht mehr als Produzent hinter den Kulissen anerkannt, sondern auch als eigenständiger Künstler. Die Preise seien sein „greifbarer Lohn für die harte Arbeit“ und bedeuteten ihm daher sehr viel. „Mir ist wichtig, dass die Leute verstehen, dass ich ein echter Kenner bin und das Zeug dazu habe, in Erinnerung zu bleiben“, betonte der Sänger dem „People Magazine“. Er sei glücklich darüber, dass sich seine harte Arbeit nun auszahle: „Jahrelang habe ich für diesen Traum gehungert, deshalb ist es schön zu wissen, dass ich nicht verrückt bin.“

Leon Thomas will sich nicht an musikalische Regeln halten

Insbesondere freut es den Musiker, dass er sich niemals hat verbiegen lassen und stets an seine Kreativität geglaubt hat. Seine Songs leben davon, bestehende Regeln zu brechen und Genre-Grenzen einzureißen, erklärte er im Gespräch mit dem „People Magazine“. Zwar gilt Leon Thomas inzwischen als feste Größe im R&B, gleichwohl ist es sein Anspruch, das Genre stetig neu zu definieren, wobei er oft Retro-Einflüsse mit experimentellen Klängen verbindet. „Es war großartig, festgefahrene Strukturen aufzubrechen, als viele dachten, meine Karriere sei vorbei“, betonte der Künstler im Gespräch mit „Billboard“. 

Leon Thomas hat gleich mehrere Zukunftspläne: Noch mehr eigene Musik, noch mehr Zusammenarbeit mit anderen Musikern – und zurück zu seinen Wurzeln © GREG GRUDT / Picture Alliance

Das lange Warten und das Festhalten an seinen Visionen hat sich ausgezahlt. Nach über einem Jahrzehnt ist der Musiker endlich in die Sphären aufgestiegen, von denen er lange geträumt hat. Trotzdem kehrt Leon Thomas gerne zu seinen Wurzeln zurück. Vergangenes Jahr war er wieder bei Nickelodeon zu sehen. Auf der Bühne der „Kid’s Choice Awards“ überreichte er einen Preis für den „Favorite Female Artist“. Im „Billboard“-Gespräch verriet er, dass er in den nächsten Jahren wieder mit dem Sender zusammenarbeiten und parallel zu seiner Musik-Karriere auch wieder schauspielern wolle. 

Quellen: Associated Press, „Billboard“, „People“ (I), „People“ (II), „Rated R&B“, „Washington Post“

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