Tag zwei im Prozess von Prinz Harry gegen die "Daily Mail"-Herausgeber: Die Verteidigung weist alle Vorwürfe entschieden zurück.

Prinz Harry (41) verfolgte auch am Dienstag im Londoner High Court den zweiten Tag seines aufsehenerregenden Prozesses gegen die Verlagsgruppe Associated Newspapers Ltd., zu der unter anderem die "Daily Mail" und "Mail on Sunday" gehören. Der Royal klagt gemeinsam mit prominenten Mitstreitern - darunter auch Sir Elton John (78) und Schauspielerin Elizabeth Hurley (60) - gegen den Verlag. Der Vorwurf lautet systematische Verletzung der Privatsphäre über einen Zeitraum von rund zwei Jahrzehnten.

Harrys Anwalt legt Beweislage dar

Am Dienstag standen die Eröffnungsplädoyers beider Seiten im Mittelpunkt. Harrys Anwalt David Sherborne legte laut BBC dem Gericht dar, wie 14 konkrete Artikel zwischen 2001 und 2013 auf Informationen basiert haben sollen, die niemals auf legalem Wege hätten beschafft werden können. Details zu Flugplänen, intimen Beziehungsangelegenheiten und familiären Gesprächen seien laut Sherborne nur durch illegales Abhören oder das Ausspähen von Nachrichten zu erklären.

Der Anwalt sprach von einer "klar systematischen und nachhaltigen" Praxis der unerlaubten Informationsbeschaffung. Harry sei besonders ins Visier geraten, weil seine privaten Geschichten enorme Klick- und Auflagenzahlen generierten. Die Berichterstattung habe den Prinzen emotional schwer belastet, zu Misstrauen in seinem Umfeld geführt und eine Angst ausgelöst, die sein persönliches Leben nachhaltig beeinträchtigte.

Am Nachmittag schlug die Gegenseite nach der Mittagspause zurück. Antony White KC, Anwalt der "Daily Mail"-Verlagsgruppe, bezeichnete die Vorwürfe als "haltlos" und als reine Spekulation ohne konkrete Belege. Die Klägerseite habe keine stichhaltigen Beweise für illegale Praktiken vorgelegt, so White. Ein zentrales Argument der Verteidigung: Ein privater Ermittler, dessen früherer Bericht zu angeblichen Abhörpraktiken als Beweis dienen sollte, habe seine Aussagen inzwischen als "nicht verlässlich" zurückgezogen. Zudem verwies er darauf, dass viele der mutmaßlichen Verstöße 15 bis 25 Jahre zurücklägen - was erschwere, heute noch konkrete Quellen darzulegen.

Prinz Harry spricht am Donnerstag

Kurz nach 15 Uhr Ortszeit beendete Richter Nicklin die Sitzung überraschend früher als geplant, da die Verteidigung schneller als erwartet durch ihre Argumentation gegangen war. Laut "Sky News" wird am Mittwoch ab 10:30 Uhr weiterverhandelt. Am Donnerstag soll Prinz Harry selbst in den Zeugenstand treten. Der auf insgesamt neun Wochen angesetzte Prozess gilt als bedeutender Test für die britische Presserechtslandschaft und könnte weitreichende Konsequenzen für den Umgang von Boulevardmedien mit prominenten Persönlichkeiten haben.

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