Die ARD-Doku "Being Jérôme Boateng" über den Skandal-Fußballer wird heftig kritisiert. Ein Anwalt wirft dem Sender vor, seine Aussagen in der Doku stark gekürzt zu haben.

Seit rund einer Woche sorgt die ARD-Doku "Being Jérôme Boateng" für Aufsehen. Hauptaufreger der Zuschauer? Dass dem ehemaligen Fußballer, der bereits wegen des Vorwurfs vor Gericht stand, seine Ex-Freundin Shirin S., die Mutter seiner Kinder, geschlagen zu haben, überhaupt eine Plattform geboten wird. Laut der Anklage im Jahr 2021 soll er sie unter anderem geschlagen, gebissen und auf den Boden geworfen haben, zudem soll er Gegenstände wie eine Lampe und eine Kühltasche nach ihr geworfen haben.

Doch nicht nur, dass der Fußballer durch seinen Umgang mit Frauen in der Vergangenheit negativ auffiel, auch der Eindruck, dass er mit der neuen Dokumentation reingewaschen werden soll, stört die Zuschauer insbesondere auf Social Media. Ein Anwalt, der an der Produktion mitwirkte, Dr. Alexander Stevens, erhebt im Netz nun schwere Anschuldigungen gegen den Sender und die Produktion. Er möchte sich von der Doku sogar "distanzieren", weil seine Aussagen angeblich stark gekürzt und aus dem Kontext gerissen wurden. 

Zum Hintergrund, warum der einst so gefeierte Fußball-Star heutzutage die Deutschen eher aufregt, als entertaint: Der oben beschriebene Vorfall mit seiner Ex-Freundin Shirin S., um den es im Strafverfahren ging, ereignete sich 2018 während eines Urlaubs, bei dem Boateng seine damalige Partnerin körperlich angegriffen haben soll. 2021 wurde er erstmals wegen vorsätzlicher Körperverletzung verurteilt, 2022 bestätigte das Landgericht die Schuld, allerdings mit veränderter Geldstrafe. 2023 hob das Bayerische Oberste Landesgericht das Urteil wegen Verfahrensfehlern auf, sodass der Fall neu verhandelt wurde. 2024 endete das Verfahren mit einer Verwarnung mit Strafvorbehalt: Boateng gilt zwar als schuldig, ist aber nicht vorbestraft, solange er nicht erneut straffällig wird.

Zudem stand der Ex-Fußballer im Fokus, als seine Ex-Freundin Kasia Lenhardt im Februar 2021 Suizid beging. Es heißt, dass es auch in dieser Beziehung zu Gewalt und psychischem Missbrauch gekommen sein soll. Die Staatsanwaltschaft Berlin ermittelte wegen des Verdachts der Körperverletzung, stellte das Verfahren jedoch 2025 mangels belastbarer Beweise ein, da Lenhardt als zentrale Zeugin nicht mehr zur Verfügung stand. Trotz der Einstellung blieb der Fall medial präsent.

Kasia Lenhardt Sie war erfolgreich, berühmt und wurde nur 25 Jahre alt – über den viel zu frühen Tod von Kasia

In der Dokumentation sollte nun auch der bekannte Anwalt für Strafrecht, Dr. Alexander Stevens zu Wort kommen. Doch ein Instagram-Posting des Rechtsanwaltes suggeriert, dass seine Aussagen offenbar mit Absicht extrem verkürzt und aus dem Kontext gerissen wurden. Vorwiegend seine kritischen Ansichten zum Fall Boateng sollen fehlen. Zufall oder Absicht? Stevens vermutet Letzteres.

In "Being Jérôme Boateng" fehlen kritische juristische Aussagen

Der Anwalt schreibt in seiner Stellungnahme bei Social Media: "Ich bin 'Teil' der ARD Doku 'Being Jérôme Boateng'. Zumindest wurde ich so angekündigt. Ich bin seit Jahren mit dem verurteilenden Richter der zweiten Instanz eng befreundet, hatte ihn zu genau diesem Verfahren in meinem damaligen Podcast zu Gast, habe den Fall Boateng von Beginn an juristisch begleitet und als Strafrechtsexperte öffentlich eingeordnet. Nach 'Genuss' der Doku musste ich feststellen: Geschätzt 95 Prozent meines Interviews sind schlicht rausgeschnitten worden. Übrig geblieben sind drei kurze Statements, die völlig aus dem Kontext gerissen und zum Teil in neue Zusammenhänge hineinkopiert wurden."

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte von Instagram integriert. Aufgrund Ihrer Datenschutz-Einstellungen wurden diese Inhalte nicht geladen, um Ihre Privatsphäre zu schützen.

Das Weglassen dieser "geschätzt 95 Prozent" von Dr. Stevens Aussagen führten demnach jedoch dazu, dass die rechtliche Botschaft über den Fall Boateng eine andere ist. Weiter schreibt er: "Die zentrale Botschaft meiner Einordnung – nämlich eine kritische, differenzierte und rechtlich fundierte Auseinandersetzung mit den Urteilen und der bisherigen Bewertung des Falls Boateng – taucht in dieser Doku praktisch nicht auf. Sie wird im Gegenteil durch das Fragmentieren und Montieren meiner Aussagen verzerrt."

Der Rechtsanwalt vermutet hinter dem Zusammenschnitt ein Komplott, weil kurz vorher die Zusammenarbeit des Juristen mit dem BR, ebenfalls Teil der Öffentlich-Rechtlichen, beendet wurde: "Es drängt sich für mich der Verdacht auf, dass diese 'Bearbeitung' meines Beitrags nicht zufällig erfolgte. Der BR hatte sich zuvor von mir 'getrennt'. Unser Podcast 'Bayern 3 True Crime', bei dem ich auch seinerzeit Boatengs Richter zu Gast hatte, war der erfolgreichste der gesamten ARD Mediathek."

Doch warum das Ganze? Auch dafür hat Dr. Stevens eine Erklärung, offenbar wollte der öffentlich-rechtliche Rundfunk den Fall Boateng kleinreden und kleinhalten: "Als dann ein anderer True Crime Fall mediale Kontroversen auslöste, versuchte der BR meiner Meinung nach seine eigene redaktionelle Verantwortung für diesen Fall kleinzureden. In diesem Kontext muss man auch meine Rolle in 'Being Boateng' sehen: Wer eine kritische, juristisch präzise Stimme loswerden will, kappt ihr schlicht die Sendezeit. Dass genau jene Passagen herausgeschnitten wurden, in denen ich mich sehr kritisch mit den bisherigen Entscheidungen und der öffentlichen Bewertung des Falls Jérôme Boateng auseinandersetze, ist schwer anders zu deuten, als dass bestimmte Narrative geschützt werden sollten – und zwar auf Kosten einer fairen juristischen Einordnung."

Der stern hat die ARD um eine Stellungnahme zu den Vorwürfen gebeten.

Rat und Hilfe

Sie haben suizidale Gedanken? Befinden Sie sich in einer psychischen Krise? Hilfe bietet die Telefonseelsorge. Sie ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr unter (0800) 1110111 und (0800) 1110222 erreichbar. Auch eine Beratung über E-Mail oder Chat ist möglich. Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention. Bei unmittelbarer Suizidgefahr: Wählen Sie den Notruf 112, wenn Sie selbst akut gefährdet sind oder es jemand in Ihrem Umfeld ist. In akuten Krisen steht auch der medizinische Notdienst unter 116 117 zur Verfügung.

  • Jerome Boateng
  • ARD
  • Alexander Stevens
  • Freundin
  • Körperverletzung
  • Beziehung

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke