Wer verstehen will, wie chinesischer Autohandel heute funktioniert, muss sich nicht nur mit Marken und Modellen beschäftigen, sondern mit Standorten, Kosten und vor allem mit Herstellerlogik. Genau das wurde beim Besuch der AUTOHAUS-Branchendelegation 2026 bei der Tonglihua Gruppe deutlich. Gastgeberin war Xianzhen Chen, Vice President Tonglihua und Geschäftsführerin der Edel-Marke Hongqi vor Ort. 

Tonglihua zählt mit einem Jahresumsatz von rund vier Milliarden RMB zu den Top-50-Autohausgruppen Chinas und betreibt neben Neuwagen- und Gebrauchtwagengeschäft auch Mobilitäts-, Taxi- und Flottenservices. Der besuchte Hongqi-Standort liegt in Shenzhen – in einer der wirtschaftsstärksten Lagen des Landes, vergleichbar mit dem Silicon Valley. Die Kehrseite: Die Mietkosten sind extrem. Rund 500.000 RMB pro Monat, umgerechnet etwa 50.000 bis 60.000 Euro, werden hier aufgerufen. 

Um diese Fixkosten zu beherrschen, ist Flächeneffizienz entscheidend. Anders als bei vielen westlichen Herstellern befindet sich der Servicebereich hier bewusst im Erdgeschoss. Die Kunden sollen den Service "sehen", nicht suchen. Während in China traditionell der Verkauf im Fokus steht und Werkstätten oft in oberen Etagen liegen, setzt Tonglihua auf maximale Kundenfrequenz im Service. 


AUTOHAUS goes China 2026 – Besuch bei der Tonglihua Gruppe


Neuwagenverkauf allein trägt nicht mehr

Hongqi (dt. "Rote Fahne") versteht sich mehr als nur ein weiteres Premium-Fabrikat. Als nationale Marke genießt sie politische wie wirtschaftliche Sonderstellung. Chen machte allerdings deutlich, dass der Fahrzeugverkauf allein kaum Geld einbringe. Entscheidend sei der Bonus bei der Zielerreichung sowie Zusatzgeschäfte wie Finanzierung, Mobilitätsservices und Flottenverkäufe. 

Nach ihren Angaben werden rund 85 Prozent der Neuwagen finanziert oder geleast. Die Zinssätze liegen bei sogenannten New Energy Vehicles (NEV) im Bereich von 2,5 bis drei Prozent, bei Verbrennern eher zwischen vier und fünf Prozent. Der Markt selbst ist stark von saisonalen Effekten geprägt. Vor dem chinesischen Neujahr herrscht in der Regel Hochbetrieb – und danach folgt eine spürbare Nachfragedelle. 

Shenzhen in der Provinz Guangdong hatte 2020 über 17 Millionen Einwohner und lag damit hinter Shanghai und Peking auf Rang drei. Die Metropole hat auch die drittstärkste Wirtschaftskraft. Die Planstadt ist aufgrund ihres Status als Sonderwirtschaftszone für ausländische Investitionen bedeutend und eine der am schnellsten wachsenden Städte der Welt. Shenzhen hat außerdem das dritthöchste Pro-Kopf-Einkommen. Von rund 17 Millionen Einwohnern besitzen nur etwa drei Millionen einen lokalen Wohnstatus.

Mehr zum Thema entdecken Autohandel BYD beschleunigt Expansion in Deutschland: Mehr als 200 Standorte bis Ende Mai Autohandel Chinas Automarkt im Umbruch: Tempo schlägt Tradition Autohersteller Premiumhersteller weltweit: Wie BMW, Audi und Mercedes unter Druck geraten

Hongqi EHS5


Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke