Speiseöl statt Sprit – und so Geld sparen? Besser nicht!
Man kann es nur zu gut verstehen: Im Angesicht der schmerzhaft hohen Kraftstoffpreise suchen Autofahrerinnen und Autofahrer nach Wegen, die Kosten fürs Tanken zu senken. Eine Idee, die dabei manchen in den Sinn kommt, klingt verlockend einfach: einfach Speiseöl aus dem Supermarkt statt teuren Diesel in den Tank füllen.
Ein Liter Raps- oder Sonnenblumenöl kostet im Discounter oft weniger als ein Liter Diesel an der Tankstelle – kein Wunder also, dass mancher Autofahrer da ins Grübeln gerät. Die Idee ist nicht völlig aus der Luft gegriffen: Rudolf Diesel entwickelte seinen Motor Ende des 19. Jahrhunderts ursprünglich für den Betrieb mit pflanzlichen Ölen. Dieselmotoren arbeiten nach dem Prinzip der Selbstzündung, bei der der Kraftstoff durch hohen Druck und die damit entstehende Hitze entzündet wird – ein Prinzip, das grundsätzlich auch mit Pflanzenöl funktionieren kann.
Speiseöl statt Sprit tanken scheint verlockend
Tatsächlich gibt es Fahrzeuge, in denen der Betrieb mit Pflanzenöl recht gut funktioniert: ältere Dieselmodelle mit sogenannten Vorkammer- oder Wirbelkammermotoren, die bis etwa in die 1990er-Jahre gebaut wurden. Die damalige Mercedes-W-Reihe, alte Diesel-Versionen des VW Golf, Polo und Passat, der Peugeot 504 oder der Citroën CX beispielsweise nahmen Rapsöl im Tank nicht krumm. Solche Modelle sieht man aber inzwischen nur noch selten auf den Straßen.
Bei modernen Fahrzeugen wäre Speiseöl im Tank eine äußerst schlechte Idee: Die hochpräzisen Common-Rail-Einspritzsysteme heutiger Dieselmotoren sind auf die exakten physikalischen Eigenschaften von Dieselkraftstoff ausgelegt – insbesondere auf dessen Viskosität, also seine Fließfähigkeit. Speiseöl ist deutlich zähflüssiger als Diesel, besonders bei niedrigen Temperaturen.
Kein Speiseöl in moderne Pkw-Tanks
Das führt dazu, dass Einspritzdüsen verkleben und verstopfen, Kraftstoffleitungen beschädigt werden und im schlimmsten Fall der Motor ernsthaften Schaden nimmt. Ein solcher Motorschaden kann schnell mehrere Tausend Euro kosten – und käme somit deutlich teurer als eine reguläre Betankung an der Zapfsäule.
Für Benzinmotoren gilt ohnehin: Speiseöl ist völlig ungeeignet und würde den Motor mit hoher Wahrscheinlichkeit irreparabel beschädigen.
Speiseöl tanken ist sogar strafbar
Neben dem technischen Risiko gibt es auch rechtliche Hindernisse. In Deutschland unterliegt Kraftstoff der Energiesteuer. Wer Speiseöl als Kraftstoff einsetzt, umgeht diese Steuer – und das ist eine Straftat. Das Hauptzollamt kann Fahrzeuge kontrollieren und Kraftstoffproben entnehmen. Wer erwischt wird, muss mit Nachzahlungen der hinterzogenen Energiesteuer sowie mit empfindlichen Bußgeldern oder sogar strafrechtlichen Konsequenzen rechnen.
Der Griff zum Speiseöl mag also zwar verlockend erscheinen, ist aber in der Realität meist eine schlechte und zudem strafbare Idee – besser im Regal lassen. Oder Pommes darin frittieren.
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