„Erster Meilenstein erreicht“ – TKMS entwickelt autonomes U-Boot für die Zukunft
Die Kieler Marinewerft TKMS hat ein wichtiges Zertifikat für die Entwicklung unbemannter, autonomer U-Boote erhalten. TKMS treibt dieses Projekt mit dem sogenannten MUM Demonstrator voran (Modifiable Underwater Mothership). Der norwegische Prüfkonzern DNV erteilte dem MUM-Projekt ein „Approval in Principle“ (AiP). „TKMS ist es damit als erstem deutschen Unternehmen gelungen, Design und Entwicklung für ein autonomes unbemanntes Wasserfahrzeug auf Basis der Klassenvorschriften durch ein AiP bestätigen zu lassen“, teilte TKMS mit. „Der skalierbare Demonstrator von 25 Metern Länge und sieben Metern Breite soll 2026 erstmals in See stechen und in speziell entwickelten Szenarien erprobt werden.“
Drohnen auf und unter dem Wasser werden künftig eine wesentliche Ergänzung für die Bewaffnung der Deutschen Marine und vieler anderer Marinen sein. In ihrem Zielbild für die Entwicklung bis 2035 listet die Deutsche Marine auch unbemannte U-Boote explizit auf, neben autonomen Überwasserfahrzeugen und Flugdrohnen. Unbemannte Wasserfahrzeuge werden eine wichtige Rolle bei der Überwachung und Sicherung der kritischen Infrastruktur auf See spielen, aber auch bei der Aufspürung gegnerischer U-Boote.
Das Unternehmen Rheinmetall treibt bei seiner Division Naval Systems derzeit die Entwicklung und den Bau unbemannter Überwasserfahrzeuge voran. Auf der Werft Blohm+Voss in Hamburg hat kürzlich die Serienproduktion des ferngesteuerten Schnellbootes Kraken K3 Scout begonnen, das 8,50 Meter lang und bis zu 55 Knoten (rund 102 Stundenkilometer) schnell ist.
TKMS wiederum nutzt seine Expertise aus dem U-Boot-Bau zur Entwicklung und Produktion unbemannter Unterwasserfahrzeuge. Das Unternehmen, das im vergangenen Oktober an die Börse ging, gehört mehrheitlich dem Industriekonzern ThyssenKrupp. Insgesamt beschäftigt TKMS mehr als 9100 Menschen, in Kiel betreibt TKMS mit mehr als 3300 Mitarbeitenden Deutschlands größte Werft, die vor allem U-Boote baut.
TKMS ist Weltmarktführer beim Bau nicht-nuklear angetriebener U-Boote, baut aber auch Überwasser-Marineschiffe. Der Auftragsbestand von TKMS ist jüngst auf mehr als 20 Milliarden Euro gestiegen. Mit zahlreichen Marinen treibt das Unternehmen Kooperationen voran, vor allem auch bei seinem derzeit größten Bauprogramm für U-Boote gemeinsam mit der Königlich Norwegischen Marine.
Das Forschungs- und Entwicklungsvorhaben MUM2 für unbemannte, autonome U-Boote wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE) gefördert. TKMS ist für die Koordination des Projektverbunds rund um MUM2 zuständig, zu dem auch die EvoLogics GmbH, die Universität Rostock, die TU Berlin, das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und das Fraunhofer-Institut für Kommunikation, Informationsverarbeitung und Ergonomie (FKIE) gehören.
„In der Fachwelt gilt die Einhaltung der Klassenvorschriften als eine der anspruchsvollsten Hürden in der Entwicklung autonomer maritimer Systeme“, sagt Christian Rogge, Head of Operating Unit Submarines bei TKMS. „Das AiP markiert einen wichtigen Meilenstein, der die Kompetenz unserer Teams über Engineering, Produktion sowie Projektmanagement hinweg bestätigt und die Grundlage für eine ganze Generation autonomer unbemannter Wasserfahrzeuge von TKMS bildet.“
Der Demonstrator des MUM2-Projekts soll Ende 2026 in die Erprobung gehen: „TKMS verfolgt das Ziel, die gewonnenen Erkenntnisse konsequent in konkrete Kundenprogramme zu überführen und damit die Serienreife autonomer unbemannter Wasserfahrzeuge der nächsten Generation voranzutreiben“, teilt das Unternehmen mit.
Unbemannte, autonome U-Boote sicher in den Einsatz zu bringen, ist eine noch deutlich komplexere Aufgabe als die Entwicklung autonomer Überwasserschiffe. Der Demonstrator des MUM2 verfügt über eine ausfahrbare Kommunikationsboje für die Verbindung während der Tauchfahrten.
Die Deutsche Marine setzt seit langer Zeit zur Minensuche Unterwasserdrohnen ein, die per Kabel zum Beispiel von Bord der deutschen Minenjagdboote aus ferngesteuert werden. Solche Systeme sind in ihren Fähigkeiten allerdings rudimentär im Vergleich zum erhofften Leistungsspektrum unbemannter, autonomer U-Boote.
Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als 30 Jahren über die maritime Wirtschaft, über Schifffahrt, Häfen und Werften. Zu seinen Themen zählt auch die Marinerüstung.
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