„Erst kaufen, dann killen“ – Boris Palmer greift Biontech nach Standort-Aus scharf an
Der Impfstoffhersteller Biontech will mehrere Standorte schließen – darunter auch Standorte des übernommenen Konkurrenten Curevac. Von den Plänen sind dem Mainzer Unternehmen zufolge ungefähr 820 frühere Curevac-Beschäftigte betroffen. Der Standort in Tübingen und früherer Hauptsitz von Curevac soll bis Ende 2027 geschlossen werden.
Das Management des Biopharma-Unternehmens begründet die Einschnitte mit einer zu geringen Auslastung, Überkapazitäten und Kostensenkungen. Von den Plänen sind neben den früheren Curevac-Standorten auch die Biontech-Produktion in Idar-Oberstein, Marburg und Singapur betroffen. Insgesamt sollen bis zu 1860 Stellen gestrichen werden.
Biontech beschäftigte Ende 2025 nach eigenen Angaben 7807 Vollzeitkräfte. Das waren rund 1000 mehr als ein Jahr zuvor. Der Anstieg ging vor allem auf die Übernahmen von Biotheus und CureVac zurück.
Einsparungen von bis zu 500 Millionen Euro
Biontech hatte 2025 angesichts hoher Entwicklungskosten einen Verlust in Milliardenhöhe gemacht.
Auch im ersten Quartal verbuchte Biontech einen zurückgehenden Umsatz. Die Erlöse lagen bei 118,1 Millionen nach 182,8 Millionen Euro in den ersten drei Monaten des Vorjahres. Der Rückgang war vor allem auf niedrigere Umsätze mit den Covid‑19-Impfstoffen zurückzuführen.
Der Nettoverlust stieg an und betrug den Angaben zufolge 531,9 Millionen Euro. Im ersten Quartal des Vorjahres lag der Wert bei 415,8 Millionen Euro. Als Grund für die Entwicklung nannten die Mainzer höhere Kosten für die Entwicklung von Programmen für die Immunonkologie. Das Management rechnet nach vollständiger Umsetzung der Maßnahmen im Jahr 2029 mit wiederkehrenden jährlichen Einsparungen von bis zu rund 500 Millionen Euro.
Palmer kritisiert BioNTech – „Erst kaufen, dann killen – das geht so nicht“
In einem Facebook-Post hat der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer die Entscheidung von Biontech scharf kritisiert. „Erst kaufen, dann killen?“, begann er seinen Beitrag. „Biontech will alle Standorte von Curevac schließen – und trifft damit vor allem unsere Stadt ins Mark.“
Das von Biontech übernommene Unternehmen Curevac stammt aus Tübingen. Palmer betonte: „Hier wurden Grundlagen gelegt, die die Medizin weltweit verändert haben. Stadt, Land und Universität haben das über Jahrzehnte gefördert. Dieses Erbe darf nicht einfach abgewickelt werden.“ Es sei im Zuge der Übernahme durch Biontech der Eindruck vermittelt worden, der Standort von Curevac könne im Konzern eine wichtige Rolle spielen. „Nur wenige Monate später steht nun die vollständige Schließung im Raum. Das beschädigt Vertrauen.“
Palmer warf die Frage auf, warum das Unternehmen für eine Milliarde Euro übernommen wurde – „wenn kurz darauf alles aufgegeben werden soll, was den Wert ausmacht? Sollte einfach nur der Patentstreit erledigt werden, indem man den lästigen Wettbewerber eliminiert?“
Der Oberbürgermeister warf Biontech vor, die Schließungspläne nicht offen kommuniziert zu haben. Es gehe nicht nur um wirtschaftliche Entscheidungen, sondern auch um Verantwortung für Menschen und für einen „einen einzigartigen Forschungsstandort“. Palmer fordert Biontech auf, Alternativen zur Schließung zu prüfen.
Biontech, das in der Corona-Pandemie Milliarden mit seinem Corona-Impfstoff verdient hatte, entwickelt Medikamente auf mRNA-Basis gegen Krebs und andere Krankheiten. Jüngst wurde das Biotechnologieunternehmen Curevac aus Tübingen übernommen. Bis 2030 wollen die Mainzer mehrere Zulassungsanträge für Onkologie-Kandidaten gestellt haben.
Für 2026 erwartet das Unternehmen, dessen Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci spätestens Ende dieses Jahres ausscheiden werden, Erlöse zwischen 2,0 Milliarden und 2,3 Milliarden Euro.
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