Trotz des Iran-Kriegs ist die deutsche Wirtschaft Anfang des Jahres etwas stärker gewachsen als erwartet. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) stieg von Januar bis März um 0,3 Prozent zum Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt in einer ersten Schätzung mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur ein leichtes Wachstum von 0,2 Prozent erwartet.

Sowohl die privaten als auch die staatlichen Konsumausgaben waren höher als Ende 2025. „Auch die Exporte nahmen den vorläufigen Erkenntnissen nach zu“, erklärte das Amt. Im Schlussquartal 2025 war die Wirtschaft um 0,2 Prozent gewachsen und damit etwas schwächer als bisher mit 0,3 Prozent gemeldet.

Die Angriffe der USA und Israels auf den Iran sowie dessen Gegenschläge bremsen seit Ende Februar die Wirtschaft weltweit und hier vor allem die Energieversorgung. Wegen des Nahost-Konflikts haben Wirtschaftsforscher und Analysten ihre Konjunkturprognosen für Deutschland 2026 massiv gesenkt.

„Bleibt die Hoffnung auf eine baldige Öffnung der Straße von Hormus“

„Das war ein überraschend guter Jahresauftakt, zumal auch schon das erste Quartal von Grönland-Wirren und Iran-Krieg belastet war“, sagte Sebastian Wanke, Konjunkturexperte bei der Förderbank KfW. „Die Daten zeigen, dass es für die deutsche Konjunktur ein starkes Jahr hätte werden können. Bleibt die Hoffnung auf eine baldige Öffnung der Straße von Hormus, sodass die Wachstumskräfte wieder atmen können.“

Der Chefvolkswirt der Commerzbank, Jörg Krämer, dämpfte die Erwartungen: „Leider kam es Ende Februar zu einem Ölpreisschock. Das Bruttoinlandsprodukt könnte im zweiten Quartal sinken. Für das gesamte Jahr erwarten wir nur ein mageres Plus von 0,6 Prozent, sofern die Schließung der Straße nach insgesamt drei Monaten Ende Mai endet. Mit jedem weiteren Monat der Sperrung steigt das Rezessionsrisiko. Die heutigen Zahlen könnten die Ruhe vor dem Sturm sein.“

Volkswirte gehen davon aus, dass das von Energieimporten abhängige Deutschland länger mit den Folgen des Konflikts im Nahen Osten zu schaffen haben wird. Höhere Energiepreise, gerade an Tankstellen, belasten Verbraucher und Unternehmen, das bremst Konsum und Investitionen.

Die Kauflaune der Menschen war zuletzt so niedrig wie vor zwei Jahren. Und das Ifo-Geschäftsklima bei Unternehmen sank im April deutlich. „Die Hoffnungen auf einen Aufschwung sind vorerst dahin“, kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest.

Beflügelt das Milliarden-Paket die Konjunktur?

Reihenweise senkten Ökonomen ihre Konjunkturprognosen für das laufende Jahr. Führende Wirtschaftsforschungsinstitute rechnen damit, dass die deutsche Wirtschaftsleistung 2026 nur um 0,6 Prozent zulegen wird. Die Bundesregierung ist mit 0,5 Prozent Plus noch pessimistischer. 2027 sollte mit 0,9 Prozent etwas besser werden. Vor dem Iran-Krieg hatten viele Experten ein Wachstum von rund einem Prozent in diesem Jahr erwartet, einige auch mehr.

Nun versprechen vor allem die schuldenfinanzierte Infrastrukturoffensive und mehr Arbeitstage 2026, weil Feiertage auf ein Wochenende fallen, noch Wachstum im laufenden Jahr.

Die Hoffnung ist groß, dass 2027 das noch vom alten Bundestag beschlossene gewaltige 500-Milliarden-Euro-Schuldenpaket für Infrastruktur und Klimaschutz sowie Mehrausgaben für Verteidigung die Konjunktur deutlicher anschieben werden.

Industrie wandert ab

Im vergangenen Jahr war Deutschland mit 0,2 Prozent Plus knapp am dritten Jahr ohne Wirtschaftswachstum in Folge vorbeigeschrammt. Doch die Zuversicht zu Jahresbeginn ist Ernüchterung gewichen. In einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) aus dem März berichteten 43 Prozent der befragten 964 Firmen aus Industrie, Dienstleistung und Bau von schlechteren Geschäften als vor einem Jahr. Vier von zehn Firmen wollen weniger investieren, mehr als ein Drittel (37 Prozent) der Industrieunternehmen plant mit weniger Personal.

Immer häufiger investiert die deutsche Industrie im Ausland, wie eine Umfrage der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) ergab: 43 Prozent der 1.700 befragten Unternehmen planen demnach im laufenden Jahr Investitionen außerhalb von Deutschland – oft, um Kosten zu sparen. „Die Betriebe verlieren das Vertrauen in die Standortbedingungen hierzulande“, warnte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.

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