Es gibt Personen des öffentlichen Lebens in den USA, die Donald Trump ein besonders großer Dorn im Auge sind. Wann immer der amerikanische Präsident jemanden öffentlich beleidigt, dessen Legitimation infrage stellt oder in einem „Truth-Social“-Post behauptet, derjenige sei ihm vollkommen gleichgültig, weiß man: Das genaue Gegenteil ist der Fall.

Und so dürfte auch der Post, den Trump an Montagnachmittag (Ortszeit) absetzte, von starken Emotionen geleitet gewesen sein. Darin zielt Trump auf den Late-Night-Talker Jimmy Kimmel und dessen jüngste Sendung vom vergangenen Donnerstag ab. Darin hat sich der 58-Jährige einen morbiden Gag geleistet, der mit Blick auf den mutmaßlichen Attentatsversuch von vergangenem Samstag in neuem Licht erscheint. Trump wiederum fordert nun – abermals – Kimmels Entlassung. Wörtlich schrieb Trump:

„Wow, Jimmy Kimmel, der – wie seine miserablen Einschaltquoten beweisen – überhaupt nicht witzig ist, hat in seiner Show eine wirklich schockierende Äußerung gemacht. Er zeigte ein gefälschtes Video der First Lady Melania und unseres Sohnes Barron, als säßen sie tatsächlich in seinem Studio und hörten ihm zu, was aber nicht der Fall war und niemals sein würde. Dann sagte er: „Unsere First Lady Melania ist hier. Seht euch Melania an, so wunderschön. Mrs. Trump, Sie strahlen wie eine werdende Witwe.“ Einen Tag später versuchte ein Wahnsinniger, den Festsaal des ‚White House Correspondents Dinner‘ zu betreten – bewaffnet mit einer Schrotflinte, einer Pistole und zahlreichen Messern. Er war aus einem überaus offensichtlichen und finsteren Grund dort.“

Kimmels Sendung, die auf YouTube fast vier Millionen Abrufe erzielte, und Trumps Reaktion darauf heizen die ohnehin aufgeladene Stimmung in den USA nach dem mutmaßlichen Attentatsversuch weiter an. Dem Hauptverdächtigen wird inzwischen versuchter Mord an Trump vorgeworfen. Der 31-jährige Cole Tomas Allen hatte laut FBI eine Art Manifest verfasst, in dem er Donald Trump zwar nicht namentlich erwähnte, sich mit seinen Tötungsphantasien aller Wahrscheinlichkeit jedoch auf ihn bezog.

Zahlreiche Kommentatoren in den sozialen Medien, aber beispielsweise auch die rechtskonservative Boulevardzeitung „New York Post“, schreiben, dass die Rhetorik „der Linken“ und auch die einiger demokratischer Abgeordneter zur Gewalt aufwiegeln und potentielle Attentäter anstacheln würden. Führende Demokraten haben diese Anschuldigungen zwar zurückgewiesen. Doch auch Präsident Trump argumentiert genauso. Und begründet damit seine erneute Forderung, den Moderator rauszuwerfen.

In seinem Post heißt es:

„Ich weiß es zu schätzen, dass so viele Menschen über Kimmels abscheulichen Aufruf zur Gewalt empört sind; normalerweise würde ich auf nichts reagieren, was er von sich gibt – doch dies geht weit über das erträgliche Maß hinaus. Jimmy Kimmel sollte von Disney und ABC unverzüglich entlassen werden.“

Auch Melania Trump äußerte sich mit scharfen Worten zu Kimmel. „Sein Monolog über meine Familie ist keine Comedy – seine Worte sind ätzend und verschärfen die politische Krankheit in Amerika“, schreibt sie in einer Stellungnahme auf X.

„Menschen wie Kimmel sollten nicht die Möglichkeit haben, jeden Abend in unsere Wohnzimmer zu gelangen, um Hass zu verbreiten. Als Feigling versteckt sich Kimmel hinter ABC, weil er weiß, dass der Sender weiterhin schützend seine Hand über ihn halten wird. Jetzt ist Schluss. Es ist an der Zeit, dass ABC Stellung bezieht. Wie oft noch wird die Führung von ABC Kimmels abscheuliches Verhalten auf Kosten unserer Gemeinschaft dulden?“

Allerdings: Wie bereits erwähnt, wurde die Spendung am Donnerstag aufgenommen, also zwei Tage vor den Schüssen in Washington am Samstag. In seinem Sketch machte Kimmel wiederholt Witze über das Alter des Präsidenten – im Juni wird Trump 80 – und die Bedenken über dessen Gesundheitszustand. Darauf bezog sich wohl auch die Bemerkung über das Strahlen einer „werdenden Witwe“. Die in Slowenien geborene Melania ist 21 Jahre jünger als ihr Ehemann.

(Hier die volle Sendung von Jimmy Kimmel. Der Sketch über das Korrespondenten-Dinner beginnt ab Minute Sechs.)

Auch die Pressesprecherin des Weißen Hauses, Karoline Leavitt, stellte am Montag einen direkten Bezug zwischen Kimmel und den Schüssen von Samstag her. Dessen Rhetorik habe „verrückte Menschen dazu gebracht, verrückte Dinge zu glauben; sie fühlen sich durch diese Worte zu Gewalttaten angestiftet. Das muss aufhören.“ Weder Kimmel selbst noch sein Sender ABC haben sich bislang zu den Vorwürfen geäußert.

Die Debatte erinnert stark an die Kontroverse um den TV-Mann im vergangenen Herbst. Damals hatte ABC das Aus von Kimmels Sendung verkündet, der Mutterkonzern Disney revidierte diese Entscheidung wenige Tage später. Hintergrund war ebenfalls eine Entlassungsforderung des US-Präsidenten.

Kimmel hatte der US-Regierung kurz nach dem Attentat auf den Trump-Vertrauten Charlie Kirk vorgeworfen, dessen Ermordung politisch zu nutzen. Das Trump-Lager wiederum sah in der Show einen pietätlosen Angriff und eine Verdrehung der Tatsachen: Kimmel habe den mutmaßlichen Attentäter in die Nähe der MAGA-Bewegung rücken wollen.

„Es war nie meine Absicht, den Mord eines jungen Mannes zu verharmlosen“, sagt Kimmel unter Tränen, als seine Sendung wieder ausgestrahlt wurde. „Nichts daran ist witzig.“ Er wolle keine spezifische Gruppe verantwortlich für das Attentat machen. „Der Mörder repräsentiert niemanden. Das war die Tat eines kranken Einzeltäters.“

Trump kritisierte damals das Comeback des Moderators und drohte mit einem juristischen Vorgehen gegen den Sender. Er könne nicht glauben, dass ABC Kimmel seinen Job zurückgegeben habe. Der Moderator sei ein Handlanger der Demokraten, seine Inhalte ein „illegaler Wahlkampfbeitrag“. „Ich denke, wir werden ABC diesbezüglich auf die Probe stellen“, schrieb Trump.

Brisant war die Debatte auch deshalb, weil der ABC-Mutterkonzern Nexstar damals für mehrere Milliarden den Rundfunkbetreiber Tegna kaufen wollte. Für den Deal benötigte Nexstar allerdings die Genehmigung der Medienaufsichtsbehörde FCC. Und die wiederum wird von einem Trump-Vertrauten kontrolliert: Brendan Carr, den der Präsident bereits in seiner ersten Amtszeit als Chef installierte. Die vorläufige Einstellung von „Kimmel Live“ wurde von Beobachtern als Gefälligkeit gegenüber Trump wahrgenommen.

Donald Trump sprach damals davon, dass kritische Berichterstattung über ihn „illegal“ sei. Viele Journalisten hätten sich „schuldig“ gemacht und müssten mit einer Strafverfolgung rechnen. In den Folgemonaten überzog der Präsident etliche Medien, wie das „Wall Street Journal“, „CNN“ oder die „New York Times“ mit Klagen. Gewonnen hat er bis dato keines der Verfahren.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Jan Klauth ist US-Korrespondent mit Sitz in New York.

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