• Beim Leipziger Unternehmen Black Knight Security kommen die meisten Bewerber aus dem Ausland.
  • Dem Arbeitsmarkt stehen immer weniger deutsche Arbeitskräfte zur Verfügung.
  • Die Arbeitsagenturen versuchen gezielt Arbeitskräfte im Ausland anzuwerben.

Hinter einer Baustellenabsperrung bahnt sich Ramin Al Khakani zwischen Baustellenabfällen, Gerüst und Pfützen den Weg zu seinen Kollegen. Die schrauben gerade das Gehäuse einer Überwachungskamera auf.

Al Khakani leitet das Unternehmen "Black Knight Security". Die Sicherheitsfirma überwacht die Baustelle hier in der Leipziger Südvorstadt, ein Mehrfamilienhaus mit Gewerbeflächen. Auf Baustellen könne sehr viel passieren, sagt er. "Diebstahl ist ein großes Thema, Metall wird gestohlen, Kabel werden gestohlen. Vandalismus ist auch ein ständiges Ärgernis."

Mitarbeiter der Firma "Black Knight Security" arbeiten auf einer Baustelle.Bildrechte: MDR

Unternehmensgründung nach Arbeit in Asylunterkunft

Die "Black Knight Security" gibt es seit rund zehn Jahren. Schon vor der Gründung haben sein heutiger Geschäftspartner und er in der Sicherheitsbranche gearbeitet.

Für sie gab das den Anstoß zur Gründung: "In einer Unterkunft für Asylsuchende waren sehr viele Kollegen rechtsextrem. Und das haben die auch die Geflüchteten spüren lassen. Das hat uns dermaßen auf die Palme gebracht, dass wir gesagt haben: Wir müssen das anders machen."

Ramin Al Khakani gründete vor zehn Jahren mit Hussein Abdulla die Securityfirma "Black Knight".Bildrechte: MDR

Neue Bewerber überwiegend Menschen mit Migrationsgeschichte

Angefangen haben sie mit einer Handvoll Minijobbern. Die Black Knights – die schwarzen Ritter – arbeiten überall dort, wo Sicherheitspersonal gebraucht wird, um Gebäude, Gegenstände oder Menschen zu schützen: bei Fußballspielen, im Zoo, bei Verkehrsbetrieben, in Asylunterkünften.

Inzwischen hat das Unternehmen etwa 250 Mitarbeitende aus rund 20 Ländern. Al Khakani selbst ist in Süddeutschland geboren, seine Eltern stammen aus dem Irak.

Neue Bewerber seien überwiegend Menschen mit Migrationsgeschichte, erzählt der 38-Jährige. Wahrscheinlich habe sich rumgesprochen, dass Black Knight eine besonders vielfältige Belegschaft habe.

Ramin Al Khakani zeigt ein Kamerasystem, das seine Firma nutzt.Bildrechte: MDR

Black Knight Security mit Unternehmerpreis ausgezeichnet

Vor zwei Jahren gewannen sein Partner und er den sächsischen Unternehmerpreis in der Kategorie "Integration und Inklusion". Der Job im Sicherheitsdienst sei aber auch "sehr quereinstiegsfreundlich", erzählt Al Khakani. Man brauche nicht zwingend eine Ausbildung.

Viele ihrer Mitarbeitenden seien in einer schwierigen Lage nach Deutschland gekommen: ohne Geld, oft ohne anerkannte Abschlüsse, während die Familien in den Herkunftsländern weiter in Unsicherheit lebten.

"Die Menschen bauen sich ihre Existenz von null auf, und oft müssen sie noch ihre Familien unterstützen", sagt Al Khakani. "Das bedeutet, sie sind hochmotiviert, extrem fleißig und schultern einfach auch sehr, sehr viel."

Fehlende Arbeitskräfte: Ein Berufsanfänger kommt auf zwei Rentner

Ein weiterer Grund für die überwiegend ausländische Bewerberschaft: Deutsche Arbeitskräfte gebe es schlichtweg immer weniger, erklärt Markus Behrens, Geschäftsführer der Arbeitsagentur Sachsen-Anhalt/Thüringen: "Wir haben in Sachsen-Anhalt und Thüringen seit September 2017 einen Rückgang der sozialversicherungspflichtig beschäftigten Deutschen", sagt Behrens. Dieser sei glücklicherweise in den vergangenen Jahren "durch einen Beschäftigungsaufbau von Ausländern kompensiert worden".

Mitteldeutsche Betriebe setzten verstärkt auf ausländische Arbeitskräfte

Ohne sie würde es in Bereichen wie dem Gesundheitswesen oder der Logistik schlecht aussehen. In Mitteldeutschland beschäftigt inzwischen jeder vierte Betrieb ausländische Mitarbeitende.

Die demografische Entwicklung verschärft die Lage: "Wir haben zwei altersbedingte Aussteiger aus der Beschäftigung und nur einen Einsteiger, einen Berufsanfänger", erklärt Behrens.

Arbeitsagenturen werben Arbeitskräfte aus dem Ausland an

Die Lücke, die daraus entstehe, lasse sich allein mit Schulabgängern und Arbeitslosen nicht schließen, erklärt Behrens. Ohne Zuwanderung ließen sich Rente, die gesetzliche Krankenversicherung, die Pflegeversicherung, die Arbeitslosenversicherung, die Sozialhilfe nicht mehr absichern.

Deswegen versucht die Arbeitsagentur gezielt Arbeitskräfte anzuwerben – in Mittelamerika, in Asien. Gerade denkt Behrens über Usbekistan als neues Fokusland nach, weil dort die Alterspyramide "komplett anders ist als bei uns", viele junge Menschen, die eine Perspektive suchen. Die größte Hürde dabei sei die Sprache.

Migration ist wichtiger Wirtschaftsfaktor

Aus Sicht von Ramin Al Khakani übersehen viele Deutsche, dass der Wohlstand in Deutschland künftig nur mit Menschen mit Migrationsgeschichte gesichert werden kann.

"Das bedeutet: Wir müssen Vielfalt wirklich als knallharten Wirtschaftsfaktor begreifen. Aber selbst ist in der Politik diese Erkenntnis nicht vollständig durchgedrungen, wenn der Innenminister Deutschkurse abschafft oder wenn jemand, der seit zehn Jahren in einer Bäckerei arbeitet, trotzdem abgeschoben wird." Für ihn sind das fatale Signale.

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke