Die Spritpreise sind nur der Anfang. Die Inflation steigt in Folge des Irankriegs, auch viele andere Dinge dürften teurer werden. Ein Überblick.

Der Irankrieg verteuert das Leben in Deutschland. Was Autofahrer an der Tankstelle seit Wochen live erleben, schlägt sich nun auch in der offiziellen Inflationsrate nieder. Im März stiegen die Verbraucherpreise laut Statistischem Bundesamt insgesamt um 2,7 Prozent im Vergleich mit dem Vorjahresmonat. 

Das hört sich zunächst mal nicht so dramatisch an, ist aber der größte Preissprung seit mehr als zwei Jahren. Und es ist wohl erst der Anfang. Zwar sind Inflationsraten von zehn Prozent wie im Jahr 2022 noch weit entfernt. Viele Experten befürchten aber, dass die Preise in den kommenden Monaten auf breiter Front steigen werden – selbst wenn sich die Lage am Golf zeitnah wieder etwas entspannen sollte. 

Klar ist: Bislang treibt der Energieschock die Inflation, während andere Preise sogar noch dämpfend wirken. Das dürfte sich in den kommenden Monaten ändern, wenn auch Produkte teurer werden, die gerade erst hergestellt werden – und deren Kosten direkt oder indirekt von den Energiepreisen abhängen. So sieht die Preisentwicklung in den für Verbraucher wichtigsten Bereichen aus:

Tanken, Strom, Heizen

Wie ist die Lage?

Der Ende Februar begonnene Irankrieg hat die Energiepreise schockartig nach oben schnellen lassen. Insgesamt waren Energieprodukte diesen März um 7,2 Prozent teurer als im März 2025. Die Preise für Kraftstoffe lagen um satte 20 Prozent höher, Heizöl war sogar 44 Prozent teurer. Strom (minus 4,5 Prozent), Erdgas (minus 2,9 Prozent) und Fernwärme (minus 1,2 Prozent) waren hingegen sogar günstiger als ein Jahr zuvor. Das hängt unter anderem mit der Abschaffung der Gasspeicherumlage und niedrigeren Netzentgelten zusammen.

Wie geht es weiter?

Das hängt von der Entwicklung in der Golfregion ab. Kommt es zeitnah zu einer dauerhaften Waffenruhe? Können die Öltanker wieder sicher die Straße von Hormus durchqueren? Selbst wenn das der Fall ist, werden die Spritpreise nicht schlagartig wieder auf das Vorkriegsniveau fallen, zumal auch einiges an Energieinfrastruktur zerstört wurde. Sollte der Konflikt andauern, hängt viel davon ab, welche Maßnahmen die Bundesregierung ergreift, um die Preise zu stabilisieren.

Bei Strom und Gas dauert es aufgrund bestehender Verträge ohnehin immer etwas, bis höhere Großhandelspreise bei den Verbrauchern ankommen. Bei neuen Verträgen kann man die Preissteigerungen aber schon sehen: Das Vergleichsportal Verivox meldete am Donnerstag, dass die Gaspreise für Neukunden ein Drei-Jahres-Hoch erreicht haben. Auch neue Stromverträge sind seit Beginn des Irankriegs deutlich teurer geworden.

Nahrungsmittel

Wie ist die Lage?

Neben den Energiepreisen stehen auch Lebensmittel im Fokus der Verbraucher. Hier sieht es bislang entspannt aus. Im März lagen die Preise für Nahrungsmittel insgesamt nur um 0,9 Prozent höher als im Vorjahresmonat – das ist deutlich unter dem langjährigen Schnitt. Am meisten draufzahlen mussten Verbraucher bei Eiern (plus 15 Prozent) und Schokolade (plus 9,6 Prozent gegenüber März 2025). Auch die Preise für Obst (plus 4,7 Prozent) und Gemüse (plus 3,8 Prozent) sowie Fleisch (plus 3,6 Prozent) waren spürbar höher als vor einem Jahr. Dafür waren andere Produkte deutlich günstiger – zum Beispiel Butter (minus 29 Prozent) und Olivenöl (minus 12 Prozent).

Wie geht es weiter?

Die große Preiswelle bei Nahrungsmitteln dürfte uns noch bevorstehen. Denn höhere Energiepreise wirken verzögert auch massiv auf Nahrungsmittelpreise. Viele Verbraucher dürften noch den Beginn des Ukrainekriegs 2022 in Erinnerung haben, der die Lebensmittelpreise binnen weniger Monate auf ein komplett neues Niveau hob. Zeitweise lag die Inflation bei den Lebensmittelpreisen damals bei mehr als 20 Prozent.

Ähnliche Effekte drohen jetzt auch: Teurere Energie sorgt dafür, dass die Kosten für Produktion, Transport und Kühlung von Nahrungsmitteln auf breiter Front steigen. Zudem sind Düngemittel aufgrund des Irankriegs knapp und teuer geworden, sodass auch die kommende Ernte betroffen ist. Das ist auch der Grund, warum die Politik über eine Senkung der Mehrwertsteuer für Lebensmittel nachdenkt.

Reisen und Sonstiges

Wie ist die Lage?

Abgesehen von Energie und Nahrungsmitteln waren Waren und Dienstleistungen im März 2,5 Prozent teurer als im März 2025. Bei dieser Inflationsrate liegt die sogenannte Kerninflation bereits seit Jahresbeginn. Einzelnen Waren, die deutlich teurer wurden (zum Beispiel Tabakwaren, plus 6,1 Prozent), stehen andere gegenüber, die günstiger wurden (Unterhaltungselektronik, minus 5,6 Prozent). Überdurchschnittlich stark verteuerten sich einige Dienstleistungen wie Personenbeförderung (plus 6,2 Prozent) oder Fahrzeug-Reparaturen (plus 4,8 Prozent).

Wie geht es weiter?

Sollte die Lage am Golf länger angespannt und die Energiepreise hoch bleiben, könnten die Preissteigerungen auf weitere Produkte durchschlagen. Vor allem auf solche, für deren Produktion oder Transport viel Energie benötigt wird. Öl steckt zum Beispiel auch direkt in Kunststoffen und Plastikverpackungen.

Nervenaufreibend könnte auch die Urlaubsbuchung werden. Hohe Kerosinpreise verteuern derzeit grundsätzlich Flugreisen. Zudem drohen beliebte Urlaubsziele und wichtige Drehkreuze wie Dubai aufgrund der Sicherheitslage noch länger auszufallen. Solange der Iran weiträumig umflogen werden muss, bleiben Fernreisen Richtung Asien teuer. Die genaue Prognose ist unsicher: Manche Luftfahrtexperten vermuten, dass die Ticketpreise noch über Monate hoch bleiben. Dann aber könnten die Airlines versuchen, mit Sonderangeboten das eingebrochene Geschäft wieder anzukurbeln. 

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