Inhalt des Artikels:

  • Blockade an der Straße von Hormus: Dünger kann nicht verschifft werden
  • Weltweit knapper Dünger, aber Überangebot an Milch und Getreide
  • Stickstoffwerk Piesteritz geht nicht von Düngemittel-Engpass hierzulande aus

Blockade an der Straße von Hormus: Dünger kann nicht verschifft werden

Anfang Februar beginnt in der Regel die Dünge-Saison und geht bis Ende April. Doch dieses Jahr werden die Düngemittel immer knapper, weil der Iran die Straße von Hormus nahezu blockiert und damit eine wichtige Transportroute zum Verschiffen von Handelswaren lahmgelegt hat. Denn die Golf-Region ist das Zentrum der weltweiten Düngemittel-Produktion. Für den Iran war Dünger — direkt nach Öl und Gas — das drittwichtigste Exportgut. Auch die Golfstaaten haben große Mengen davon produziert. Ein Drittel des Stickstoffdüngers weltweit kam von dort und fehlt nun seit Kriegsbeginn.

Der Iran hat zudem Verbündete der USA in der Region angegriffen. "Da ist die Zerstörung in den anderen Golfstaaten, also in den Vereinigten Arabischen Emiraten, in Kuwait, in Saudi-Arabien. Die sind ja auch angegriffen worden. Und hier soll es auch erheblichen Schaden gegeben haben. Jetzt muss man die Frage stellen, wie schnell kann das repariert werden?", sagte Martin Banse, der Leiter vom Marktanalyse Thünen-Institut, gegenüber dem MDR-Magazin Umschau. Sind die Transportwege gestört, komme das im globalen Markt letztlich "am Ende dann in jeder Ecke der Welt an", so der Experte. Über Ostern hat Israel das Dünger-Werk Razi am Persischen Golf schwer beschädigt. Die Produktion wurde eingestellt. Das alles treibt den Weltmarktpreis hoch.

Der Iran und die USA haben sich aktuell auf eine zweiwöchige Waffenruhe geeinigt. Trump hatte hier zur Bedingung gemacht, dass die Straße von Hormus vom Iran wieder geöffnet wird. "Der Iran hält weiterhin an einer Kontrolle des Schiffsverkehrs durch die Straße von Hormus fest", erklärte die Nachrichtenagentur dpa am frühen Nachmittag des 8. April. Am Freitag, den 10. April sollen Verhandlungen stattfinden, wie es in dem Konflikt weitergeht.

Weltweit knapper Dünger, aber Überangebot an Milch und Getreide

Die Agrargenossenschaft Lüttewitz bei Döbeln ist mit 1.300 Hektar Ackerland einer der größeren Landwirtschaftsbetriebe in Sachsen. "Ich bringe jetzt den Dünger aus für die Gerste, für die erste Düngung, damit die Pflanzen eine Grundlage haben", erklärte Maschinist Jens Dietrich gegenüber dem MDR-Magazin Umschau. Wegen der hohen Kriegspreise weniger zu düngen, würde Qualität und Menge des Getreides schmälern. Das will Ralf Bergmann, Geschäftsführer der Agrargenossenschaft, auch unbedingt vermeiden. Noch seien die Dünger-Lager nicht leer, aber für dieses Jahr sei es nicht genug, was noch da ist. "Deswegen kommen wir um die hohen Düngerpreise dieses Jahr nicht drumherum", so Bergmann.

Auch der Diesel-Preis ist seit Kriegsbeginn extrem gestiegen. Wegen der hohen Kosten müsste der Betrieb eigentlich seine Preise erhöhen. Doch das geht in der Landwirtschaft nicht so einfach. "Egal ob bei Milch oder Getreideanbau, wir sind an die internationalen Börsen gekoppelt", sagt Bergmann. Der Milchpreis fällt immer weiter, seit August um 20 Prozent auf nun rund 40 Cent der Liter. "Wir befinden uns in einer dramatischen Situation, weil die Einnahmeseite nicht gestiegen ist, sondern eher noch gefallen ist. Dazu kommt die Steigerung auf der Ausgabenseite. Also, die Schere geht deutlich auseinander. Das wird Probleme bereiten, für jeden Landwirtschaftsbetrieb", schätzt er die Lage ein.

Uwe Knackstedt betreibt einen Landhandel in Wanzleben bei Magdeburg. Mehr als 100 Bauern versorgt er mit Dünger. Zehntausende Tonnen verkauft Uwe Knackstedt in der Dünge-Saison von Februar bis April. Ein Drittel der benötigten Menge hatte er vorher eingekauft und eingelagert, wie jedes Jahr. Jetzt werden die Lager immer leerer. Große Gewinne hat er selbst durch die Preisexplosion nicht gemacht, sagt er. Da die Preise schon immer schwanken, kaufe er nah am Bedarf, also kleinere Mengen. "Du hast, ich will nicht sagen schlaflose Nächte, das will ich nicht sagen. Aber das Thema beschäftigt mich schon. Wie machst du was, wann kaufst du was?", erklärte er gegenüber dem MDR-Magazin Umschau.

Anders ist die Situation beim Getreide. Knackstedts Lager sind voll. Bei Weizen und Gerste gibt es ein Überangebot — und zwar nicht nur in Deutschland. Grund seien gute Ernten auf der Nord- und Südhalbkugel gewesen. "Wenn das Angebot größer ist als die Nachfrage, da bleibt der Preis eben unten", so der Händler.

Stickstoffwerk Piesteritz geht nicht von Düngemittel-Engpass hierzulande aus

Der globale Dünger-Preis ist laut Weltbank stärker gestiegen als je zuvor. In Afrika haben Bauern bereits aufgehört, ihre Felder zu düngen. Ernteausfälle sind damit garantiert. "Wenn vor allen Dingen die Landwirtinnen und Landwirte in Indien und afrikanischen Ländern nicht in einer Lage sind, dann Dünger zu halbwegs passablen Preisen zu bekommen, dann haben wir da bald eine Ernährungskrise", erklärte Marktexperte Banse dem MDR-Magazin Umschau.

Weltmarktpreise gelten auch beim Stickstoffwerk Piesteritz bei Wittenberg. Der Betrieb müsste von den hohen Dünger-Preisen doch profitieren? "Profitieren kann man dazu überhaupt nicht sagen. Wir haben im Verhältnis zu internationalen Produzenten wesentlich höhere Rohstoffkosten, wesentlich höhere Erdgaspreise. Wir brauchen diese hohen Düngemittelpreise, um kostendeckend zu produzieren", sagte Chefverkäuferin Antje Bittner gegenüber dem MDR-Magazin Umschau.

Seit dem Höhenflug der Gaspreise 2022 war die Lage im Stickstoffwerk schwierig. Zeitweise wurde die Produktion gestoppt, weil sie sich nicht mehr rentierte. Jetzt produziert die Firma mit voller Auslastung der Anlagen wegen des Ausfalls der bisherigen Importe aus der Golfregion. "Ich gehe nicht davon aus, dass wir hier in Deutschland Engpässe haben werden. Ich gehe aber davon aus, dass wir im internationalen Maßstab Engpässe haben werden. Wir wissen, dass China momentan ein Exportverbot auf bestimmte Düngemittel ausgesprochen hat", so Bittner. In Deutschland wird genug Dünger produziert, um die eigene Landwirtschaft zu versorgen. Aber das teure Erdgas dafür muss importiert werden.

MDR (cbr)

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