Vorerst keine teureren Bus- und Bahntickets trotz steigender Ölpreise
- Verkehrsunternehmen stehen durch steigende Kraftstoffpreise unter Druck.
- Die meisten Busse fahren noch mit Diesel, wodurch für Verkehrsunternehmen schnell Mehrkosten in Millionenhöhe entstehen können.
- Dank langfristiger Lieferverträge für Diesel wirken sich die Ölpreise bisher kaum auf die Ticketpreise der Verkehrsunternehmen aus.
Beim Regionalverkehr Westsachsen (RVW) blickt man in diesen Tagen relativ entspannt auf die steigenden Dieselpreise. Das Verkehrsunternehmen hat erst vor wenigen Wochen 56 neue E-Busse gekauft – also genau zur richtigen Zeit, erklärt Mario Müller, Beigeordneter des Landkreises Zwickau: "Im Moment sind von den 56 Bussen ungefähr die Hälfte im Betrieb und ab Sommer im August sind dann alle 56 in Betrieb."
Auch eine neue Photovoltaikanlage für die neuen Busse hat der RVW in Betrieb genommen. 75 Prozent der gefahrenen Kilometer sollen in Zukunft elektrisch gefahren werden, sagt Müller. Und trotzdem – auch der Regionalverkehr Westsachsen hat noch Dieselbusse im Fuhrpark und spürt den Kostendruck: "Steigende Kraftstoffpreise schlagen auf die Kosten. Jedes Verkehrsunternehmen steht unter Druck", sagt Müller.
Hohe Mehrkosten für die Verkehrsbetriebe
Rund 50.000 Busse gibt es in den Fuhrparks der deutschen Verkehrsunternehmen. 10 bis 15 Prozent würden elektrisch betrieben, schätzt der Verband der Verkehrsunternehmen. Hinzu kommen Hybridbusse.
Doch insgesamt sei der weit überwiegende Teil der Busse nach wie vor mit Verbrennungsmotor unterwegs, erklärt Maximilian Rohs von der Beratungsgesellschaft PwC. Und das werde zurzeit in vielen Unternehmen, die noch mit älteren Bussen unterwegs sind, durchaus zu einem Problem: "Bei einem mittelgroßen Unternehmen, machen zehn Cent höhere Dieselkosten faktisch Mehrkosten von 35.000 Euro pro Monat aus."
Rechne man die Mehrkosten über ein Jahr hoch – nicht nur mit 10 Cent, sondern mit 40 Cent oder mehr – summierten sich die Ausgaben schnell auf Millionenbeträge, was insbesondere in Zeiten knapper öffentlicher Haushalte spürbar sei, sagt Rohs.
Dennoch nimmt Maximilian Rohs die Branche in Schutz. Sie habe die Entwicklung zur E-Mobilität nicht verschlafen: "Ein E-Bus kostet — Stand heute – leider noch ungefähr doppelt so viel wie ein vergleichbarer Dieselbus. Dazu kommt noch die Infrastruktur. Letztlich ist bei dieser Preissituation die öffentliche Hand nur mithilfe von passender Förderung in der Lage, die Transformation anzugehen."
Keine teureren Tickets geplant
Nun steigen die Ölpreise. Doch dass die Verkehrsunternehmen deshalb kurzfristig mehr für die Tickets verlangen müssen, schließt Lars Wagner vom Verband der Verkehrsunternehmen aus. Er betont, noch machten sich die höheren Kosten im Alltag der meisten Betriebe eher wenig bemerkbar.
Das liege auch daran, dass die Verkehrsunternehmen vorsorgen, sagt Wagner: "Sie haben auf ihren Betriebshöfen große Tanks und diese Tanks werden regelmäßig mit Dieselkraftstoff aus meistens lang laufenden Lieferverträgen befüllt." Verkehrsunternehmen schlössen oft längerfristige Lieferverträge ab, bei denen ein fester Preis über beispielsweise zwei Jahre vereinbart wird. Dadurch seien sie weniger stark von den aktuellen Schwankungen des Ölpreises betroffen.
Anders werde es, wenn der Iran-Krieg noch Monate oder Jahre andauere und sich der Ölpreis auf dem jetzigen oder auf noch höherem Niveau einpendele. Dann gebe es irgendwann keine andere Möglichkeit: Entweder müssten die Verkehrsunternehmen dann den Ticketpreis anheben oder die Kommunen mehr Geld zuschießen.
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