Warum müssen Solaranlagen-Besitzer so lange auf ihre Einspeisevergütung warten?
- Wegen IT-Problemen und Solar-Boom müssen viele Mitnetz-Strom-Kunden lange auf ihre Einspeisevergütung warten.
- Laut Verbraucherzentrale Sachsen ist das Problem bundesweit verbreitet – Betroffene können sich an Beratungsstellen, die Bundesnetzagentur oder die Clearingstelle EEG wenden.
- Laut Mitnetz Strom werden alle Kunden ihr Geld bekommen – allerdings könnte es noch etwas dauern.
In der Tat, es gebe da ein Problem bei Mitnetz Strom, räumt René Seidel ein. Der Leiter Netzkundenservice des Unternehmens redet gar nicht erst lange drumherum. Mitnetz komme mit der Bearbeitung der Abrechnungen nicht hinterher: "Ich verstehe die Kunden vollends, dass sie Frust verspüren."
Seidel nennt zwei Gründe für die Verzögerungen: Schwierigkeiten bei der Umstellung auf ein neues IT-System und der massive Solar-Boom der letzten Jahre. Es gebe heute viereinhalbmal so viele grüne Stromanlagen wie noch vor zehn Jahren. "Wir haben Personal aufgebaut. Wir haben Expertenteams gebildet. Wir haben maschinelle Lösungen eingebaut und wir tracken wöchentlich, wie sich diese Zahlen entwickeln."
Seit August habe Mitnetz 12.000 Altfälle abgearbeitet, sagt Seidel. Jedoch, der Berg unerledigter Fälle ist weiter hoch. Hörer Jörg Refert erklärt am Telefon, er warte inzwischen auf über 300 Euro und das seit etwa einem Jahr. Betroffen sind sowohl Neukunden, die mit der Anmeldung ihrer Anlagen nicht durchkommen, als auch Altkunden, deren Abschlagszahlungen in der neuen IT stecken bleiben.
Probleme auch bei anderen Netzbetreibern
Lorenz Bücklein von der Verbraucherzentrale Sachsen kennt das: Mitnetz sei kein Einzelfall. "Das Problem ist ein bundesweites Problem. Es sind viele Netzbetreiber damit beschäftigt. Das trifft auf den Zeitraum ab circa 2023 zu, bis Ende 2024." Auch anderen Verbraucherzentralen sei das Problem bekannt.
In Verbraucherportalen im Netz häufen sich die Beschwerden bundesweit. Gegen einen Netzbetreiber hat die Bundesnetzagentur bereits ein Verfahren eröffnet wegen Verstoßes gegen EEG-Vorgaben.
Betroffene könnten sich an die Verbraucherzentralen wenden, erklärt Bücklein: "Wenn konkret zu Mitnetz ein Problem besteht, müssen wir einen Draht aufbauen. Wir stehen im Dialog mit den Netzbetreibern. Dann kann man sich an uns wenden."
Helfen kann auch die sogenannte "Clearingstelle EEG" – eine gesetzlich eingerichtete Stelle, die vermitteln soll, aber Gebühren kostet. Und man könne natürlich auch vor Gericht ziehen, sagt Lorenz Bücklein.
Einspeisevergütung wird kommen
Rene Seidel von Mitnetz Strom hofft, dass die Kunden das nicht tun und noch etwas Geduld aufbringen: "Jeder der Kunden bekommt sein Geld. Das ist die wichtigste Aussage. Es dauert länger, aber sie bekommen auf jeden Fall ihr Geld."
Dass hinter den Verzögerungen System oder gar böse Absicht stecken könnte, lässt sich nicht belegen. Denn die Netzbetreiber stehen gesetzlich in der Pflicht, die Einspeisevergütung auszuzahlen. Sie scheinen schlicht von der schieren Masse an neuen Anlagen überrollt worden zu sein.
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