Kraftwerksplaner über Energiewende: "Dass es da Verlierer gibt, ist normal"
- Das Kohlekraftwerk Lippendorf hat in der Energieversorgung schon jetzt nur eine Reserverolle.
- Nach dem Kohleausstieg sollen Gaskraftwerke die Reserve bilden – wo diese gebaut werden, ist politisch umstritten.
- Mehr als die Hälfte des Stroms in Deutschland kommt aus erneuerbaren Energiequellen.
Am Eingang des Kraftwerks Lippendorf zeigt eine kleine Ausstellung den Energiehunger der Menschheit. Ein mechanisches Zählwerk zeigt das Bevölkerungswachstum an. Jedes Mal, wenn auf der Welt zehn Menschen dazu kommen, macht es "Klick".
Alle wollen Strom. Und das geht seit Jahren immer nur in eine Richtung. Immer hoch.
Für Kraftwerksplaner Thomas Brandenburg ein Signal: "Alle wollen Strom. Und das geht seit Jahren immer nur in eine Richtung. Immer hoch."
Kraftwerk Lippendorf ist nur noch Plan B für Stromversorgung
Der Strom kommt in Lippendorf bislang aus Kohle. Thomas Brandenburg, der bei der LEAG saubere Energien ausbauen soll, lässt sich das Kraftwerk heute mal zeigen.
Kollege Stefan Wolf führt ins Maschinenhaus. Warme Luft, metallisches Dröhnen. "Die Hintergrundgeräusche, die Sie hören sind rechts und links die beiden Maschinensätze." Den Generator spürt man körperlich.
Die Maschinen im Kraftwerk Lippendorf sind eindrucksvoll.Bildrechte: Ralf GeißlerDoch rund um die Uhr läuft das Kraftwerk Lippendorf nicht mehr. "Das heißt, wenn die regenerative Energieeinspeisung in Form von Sonne und Wind zu hoch wird, dann nehmen wir diese hochkomplexe Anlage weitestgehend vom Netz oder fahren sie in Tiefstlast."
Nach dem Kohleausstieg soll die Reserverolle ein Gaskraftwerk übernehmen. Und Thomas Brandenburg will es bauen. Er läuft zu einer Brache neben dem Kohlemeiler. Alles sei schon da: Hochspannungsanschluss, Kühlwasser: "Wir schauen uns von den großen Gasturbinenherstellern jeweils die größte Maschine an. Wir reden hier über bis zu 870 Megawatt von einem Kraftwerksblock. Das sind so die größten Gaskraftwerke, die man aktuell bauen kann. Das ist auch das, was in Deutschland an vielen Standorten geplant wird."
Kampf um Ansiedlung von Gaskraftwerken
Damit landet er bei der politischen Frage. Viele Regionen wollen ein großes Gaskraftwerk. Doch wo gebaut wird, entscheidet die Bundesnetzagentur. Das Bundeswirtschaftsministerium hat angedeutet, dass es Standorte in Süddeutschland bevorzugt – wegen der dortigen Industrie. In der Energiebranche spricht man vom "Süd-Bonus".
Auch im Osten wird Strom gebraucht.
Für Thomas Brandenburg ein Ärgernis. "Auch im Osten wird Strom gebraucht, auch an solchen Tagen wie heute. Das heißt, wenn wir hier alle großen Kohlekraftwerke im Osten abgeschaltet haben, würde das bedeuten, dass hier im Osten keine großen Kraftwerke mehr stehen."
Die kleineren Gaskraftwerke der Städte und Gemeinden reichten nicht aus, um ganz Ostdeutschland an dunklen und windarmen Tagen zu versorgen, so Brandenburg. Er findet, die Kohlereviere im Osten müssen Energieregionen bleiben.
Mehr als Hälfte des deutschen Stroms aus Erneuerbaren Energien
"Gerade hier stehen die ganzen Windräder. Also der Strom von hier wird sowieso in der ganzen Republik verteilt." Ob das die Politik auch so sieht: offen. Thomas Brandenburg plant weiter: einen Stromspeicher, direkt neben dem Gaskraftwerk. Vollgeladen könne er ganz Leipzig zwölf Stunden lang versorgen.
Dass Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer die Energiewende mehrfach "gescheitert" genannt hat, versteht Brandenburg nicht. "Also das wäre die erste Transformation, die ohne Bauchschmerzen von sich geht. Dass Transformationen immer schwierig sind, dass es da immer auch Verlierer gibt. Dass es da auch immer wieder Rückschläge gibt, das ist vollkommen normal."
Mehr als die Hälfte des deutschen Stroms kommt inzwischen aus Erneuerbaren. Brandenburg findet, es brauche eher mehr als weniger Tempo. Der Zähler am Eingang tickt: Mehr Menschen, mehr Strom.
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