Inhalt des Artikels:

  • Mehr als 25.000 Euro im Schnitt für einen Kleinwagen
  • Steigende Preise durch wachsende Anzahl verpflichtender Assistenzsysteme?
  • Wie viele Assistenzsysteme müssen (wirklich) sein?

Mehr als 25.000 Euro im Schnitt für einen Kleinwagen

Die Preise für Kleinwagen mit Verbrennermotoren sind in den letzten zwölf Jahren explodiert, wie eine aktuelle Marktanalyse des ADAC zeigt. Mit Blick auf den durchschnittlichen Preis der Basismodelle sei eine Steigerung von 13.244 Euro im Jahr 2013 zu 15.504 Euro im Jahr 2020 und zu 25.357 Euro im Jahr 2025 zu verzeichnen. Und obwohl auch die Kleinen mit neuen Elektro-Varianten an den Start gehen, sei auch die Anzahl der Modelle geschrumpft: von 89 auf 71. Vom Markt verschwunden sind unter anderem der Ford Fiesta, der Peugeot 108, der Škoda Citigo und die Opel-Modelle Karl und Adam. Die Marktanalyse hat der ADAC im August 2025 veröffentlicht.

"Wenn man sich die letzten Jahre ansieht, dann sieht man klar zwei Effekte auf dem Kleinwagenmarkt: Auf der einen Seite ist die Modellvielfalt deutlich zurückgegangen. Auf der anderen Seite sehen wir immer stärker steigende Preise bei Kleinwagen. Seit 2013 haben sich die Kleinwagenpreise ungefähr um 80 Prozent erhöht", betont auch ADAC-Unternehmenssprecher Fabian Fährmann im MDR-Magazin Umschau vom 10. März 2026.

Durchschnittlicher Preis der Basismodelle von Kleinwagen mit Verbrennermotoren (Quelle: ADAC)
2013 2020 2025
13.244 Euro 15.504 Euro 25.357 Euro

Steigende Preise durch wachsende Anzahl verpflichtender Assistenzsysteme?

Hersteller führen oft als einen Preistreiber die gestiegene Zahl von Assistenzsystemen an, die für mehr Sicherheit beim Fahrenden und damit auch im Straßenverkehr sorgen sollen. Festgelegt ist der verpflichtende Einbau in der EU-Verordnung Nr. 2019/2144. "Einen schönen Gruß nach Brüssel. Es ist so viel zu beachten. Wenn ein neues Auto zum ersten Mal zugelassen wird, dann müssen bestimmte Assistenzsysteme enthalten sein. Das ist in den letzten zehn Jahren so extrem geworden, dass dann eben diese Preise rauskommen", erklärt auch ein Toyota-Verkäufer.

Dabei darf nicht nur die Entwicklung allein betrachtet werden. Dirk Kaminski, Chefingenieur bei Opel/Vauxhall, erklärt dem MDR-Magazin Umschau, dass Kameras, die bei den Assistenzsystemen zum Einsatz kommen, für jedes Fahrzeugmodell neu angepasst werden müssen. "Auch die Anbringung muss so sein, dass eine Entfeuchtung stattfinden kann dahinter, damit da kein Nebel vorkommt".

Dadurch entstünden hohe Mehrkosten, wie Florian Huettl, CEO von Opel/Vauxhall und Managing Director Stellantis Germany, vorrechnet: "Mit allen Steuern, mit allen Kosten, die wir dann auch für Transport und so weiter haben, kommen da schnell 1.500, 2.000 Euro für den Kunden am Ende bei raus." Die Ingenieurleistung komme noch obendrauf. Dabei sei es auch die Vielzahl an Assistenzsystemen, die eingebaut werden müsse, die die Preise "signifikant nach oben treiben" würde. Auch die Inflation führt er als Grund für Preissteigerungen an. Rohstoffe und verarbeitete Produkte seien deutlich teurer geworden. "Und schlussendlich auch Energie und Lohn und Gehaltskosten".

"Assistenzsysteme kosten natürlich Geld. Sie kosten Geld in der Entwicklung und sie kosten Geld im Testing und natürlich auch im Einbau", sagt Fährmann gegenüber dem MDR-Magazin Umschau. "Es ist aber nicht so, dass wir sagen würden: Diese 80 Prozent Aufschlag zwischen 2013 und 2025 sind einzig und allein auf die Assistenzsysteme zurückzuführen", so der ADAC-Unternehmenssprecher weiter.

"Die Hersteller argumentieren oft, dass gestiegene Sicherheitsforderungen und die Inflation der letzten Jahre für die Preissteigerungen verantwortlich seien. Der Sprung, der in den vergangenen Jahren zu beobachten war, ist aus Sicht des ADAC allerdings unverhältnismäßig", erklärte der ADAC auch zur aktuellen Marktanalyse. Der Automobilclub hält die Entwicklung gar für "bedenklich", weil viele Verbraucher sich die aktuellen Preise nicht mehr leisten könnten. Statt höhere Preise mit umfangreicheren Basisausstattungen zu begründen, sollten Hersteller "einfache und kreative Lösungen für bezahlbare, moderne Mobilität anbieten".

Wie viele Assistenzsysteme müssen (wirklich) sein?

Dass Assistenzsysteme für mehr Sicherheit sorgen, ist unstrittig. "Diese Systeme können durchaus den Fahrer in gewissen Situationen unterstützen. Man kann nicht nur auf der Landstraße müde werden. Das kann auch in der Stadt natürlich passieren", sagt Fabian Fährmann vom ADAC dem MDR-Magazin Umschau. "Als diese Maßnahmen von der Kommission verabschiedet wurden, wurden sie von der EU-Automobilindustrie begrüßt, und es gab weder seitens der Industrie Forderungen, diese fortschrittlichen Sicherheitssysteme auf bestimmte Fahrzeugsegmente zu beschränken, noch gab es solche Forderungen seitens der Automobilindustrie", betont die Europäische Kommission.

Doch Florian Huettl, CEO Opel/Vauxhall und Managing Director Stellantis Germany, hält eine Verkehrsschilderungserkennung und einen Spurhalteassistenten für einen Opel Corsa übertrieben. "Ein Corsa braucht auch keine Überwachung des Fahrers und des Innenraums auf volle Aufmerksamkeit. Das können wir dem Fahrer auf solchen Strecken schon zutrauen. Da sind wir zu weit gegangen", sagt er dem MDR-Magazin Umschau. Die Europäische Kommission plant nun die Einführung einer neuen Kleinwagen-Fahrzeugklasse mit geringeren Anforderungen an Assistenzsysteme. Für Florian Huettl ein Schritt in die richtige Richtung. "Eine angepasste Regulierung für die Kleinwagen-Kategorie wird uns erlauben, hier deutlich mehr Bezahlbarkeit herzustellen für moderne, umweltfreundliche Fahrzeuge", sagt er.

Der ADAC erklärte in seiner Kleinwagen-Marktanalyse auch, Hersteller würden sich auf größere Fahrzeuge konzentrieren, "weil die höhere Gewinnmargen aufweisen". Auch sei das ein Grund für die schwindende Anzahl an Modellen. Und die die es noch gäbe, würden so verteuert, "dass die Marge eben doch stimmt". Mal sehen, wie sich die Preise auf dem Kleinwagen-Markt weiter entwickeln werden.

MDR (cbr)

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