• In der gesetzlichen Krankenversicherung gilt das Solidarprinzip – unabhängig von Einkommen oder Lebensstil.
  • Die CDU lehnt eine Aufweichung des Solidarprinzips für Teilzeit ab und will stattdessen Arbeit attraktiver machen.

MDR AKTUELL-Hörer Gunter Schmidt rechnet richtig. Nehmen wir zwei Kollegen: Beide sind gleich oft krank. Der eine arbeitet voll – also 40 Wochenstunden. Der andere hat einen 20-Stunden-Job. Die Folge: Der Vollzeit-Kollege zahlt doppelt so viele Beiträge in die gesetzliche Krankenkasse, aber im Krankheitsfall kosten beide die Kasse exakt das Gleiche. Ist das gerecht?

Solidarprinzip der Krankenkasse

Eine Frage, die bei den Kassen Alarm auslöst. Robert Büssow, Landesgeschäftsführer der Barmer in Thüringen sagt, dass die Frage an einem Grundprinzip der gesetzlichen Krankenversicherung – dem Solidarprinzip – rüttele: "In der gesetzlichen Krankenversicherung ist es egal, ob jemand viel oder wenig arbeitet. Oder ob sich jemand vegetarisch ernährt, jeden Tag eine Bratwurst isst, jeden Tag ins Fitnessstudio geht oder auch nicht. Wenn jemand krank ist, dann ist diese Person versichert und bekommt die nötige Behandlung."

Ist es gerecht, wenn Gesunde für Kranke zahlen? Der Single-Topverdiener für die fünfköpfige Familie? Junge für Alte? Und am Ende sogar Männer für Frauen – einfach, weil Frauen durch Teilzeit und den Gender Pay Gap oft weniger einzahlen, statistisch gesehen aber länger leben und die Kasse somit mehr kosten?

Diese Fragen stellen sich im Solidarprinzip nicht, erklärt Büssow. Denn wer heute gesund sei oder viel verdiene, der könne morgen krank und arbeitslos sein: "Das ist eben das Solidarprinzip in der gesetzlichen Krankenversicherung. Starke für Schwache, Gesunde für Kranke."

CDU gegen Aufweichen des Solidarprinzips

Jedoch, und darum geht es ja in der aktuellen Debatte: Was ist, wenn jemand freiwillig Teilzeit arbeitet, also 20 Stunden jobbt und sonst seine Freizeit genießt? Teilzeit für den Lifestyle – wie es der CDU-Wirtschaftsflügel kürzlich nannte. Wir reden – das zeigt die Statistik der Arbeitsagentur – über vier Millionen Menschen, die sich freiwillig für weniger Arbeit entscheiden.

Sollten wir für die das Solidarprinzip aufweichen? Nein, sagt der CDU-Sozialexperte und Dresdner Bundestagsabgeordnete Markus Reichel: "Es wird nicht über Verbote laufen und es geht auch nicht um eine Verteufelung von Teilzeit. Es sollte sich einfach für jeden lohnen, mehr zu arbeiten. Das ist doch der Kern des Problems."

An diesem Punkt sollte die Union ansetzen, findet Markus Reichel. Mehrarbeit sollte sich lohnen, Sozialversicherungsbeiträge sollten nicht weiter steigen, Steuern bei kleineren und mittleren Einkommen sollten sinken: "Wir leben in einem freien Land. Jeder soll sich das einteilen, wie er es für richtig hält." Allerdings lebe der Sozialstaat davon, dass genug gesunde Menschen in Vollzeit arbeiteten, weil das die Krankenversicherung finanziere.

Der Gedanke hinter dem Solidarprinzip

Übrigens: Denken wir die Frage des Hörers mal konsequent weiter. Das Solidarprinzip hört ja nicht bei den Krankenkassen auf. Wer Teilzeit arbeitet, zahlt meist auch weniger Steuern – wird aber genauso von der Polizei geschützt, fährt auf denselben Straßen und schickt seine Kinder in die Schule. Wollten wir auch das ändern?

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