Einen Tag nach Diesel überschreitet die günstigste gängige Benzinsorte die Preisschwelle von 2 Euro. Heizöl wird noch teurer. Ist ein Tankrabatt nötig? Experten sind sich einig.

Die Spritpreise steigen immer weiter: Einen Tag nach Dieselkraftstoff hat auch die günstigste gängige Benzinsorte Super E10 die Marke von zwei Euro pro Liter im bundesweiten Durchschnittspreis überschritten. In der Preisspitze am Morgen kostete sie 2,003 Euro, wie der ADAC mitteilte. Noch am Mittwoch war sie mit 1,995 Euro am Morgen knapp darunter geblieben. 

Auch Diesel verteuert sich weiter: Am Morgen erreichte der Kraftstoff im bundesweiten Durchschnitt 2,086. Am Mittwoch waren es noch 2,054 Euro. Diesel ist normalerweise billiger als E10, weil er deutlich niedriger besteuert wird. Sein Preis ist aber krisenanfälliger, auch in der Anfangsphase des Ukraine-Krieges hatte er stärker reagiert als Benzin. Einer der Gründe ist, dass Diesel auch als Ersatz für Gas verwendet wird und für die Industrie eine größere Rolle spielt.

Diesel lag auch im Tagesschnitt des Mittwochs über 2 Euro

Beide Preise können im Tagesverlauf auch wieder ein gutes Stück weit sinken - das entspräche der Entwicklung in normalen Zeiten. Zuletzt hatte der allgemeine Anstieg dies aber überlagert.

Im bundesweiten Tagesdurchschnitt des Mittwochs kostete ein Liter Diesel 2,005 Euro - 25,9 Cent mehr als am Freitag vor Ausbruch des Krieges. Für E10 waren am Mittwoch im Tagesschnitt 1,935 Euro pro Liter zu bezahlen, 15,7 Cent mehr als am Freitag. Der Tagesdurchschnitt ist für längerfristige Vergleiche aussagekräftiger, weil er die oft starken Schwankungen im Tagesverlauf ausgleicht.

Heizöl legt ebenfalls weiter zu: Das Portal Heizoel24 meldete am Donnerstagmittag einen Preis von rund 133 Euro für 100 Liter. Das waren rund 5 Euro mehr als am Mittwoch. Vor Kriegsbeginn hatte der Preis noch unter 100 Euro gelegen. 

Forderungen nach Spritpreisbremse

Dass E10 oder Diesel im Tagesdurchschnitt mehr als zwei Euro kosteten, war zuletzt 2022 der Fall - Hintergrund war damals der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und die Folgen für die Energieversorgung. Die steigenden Spritpreise sorgen inzwischen auch für eine Diskussion um eine mögliche Spritpreisbremse. Unter anderem fordert der ADAC, dass die Politik eine "vorübergehende Absenkung der Energiesteuer auf Kraftstoffe prüfen" müsse. "Diesel könnte auf den EU-Mindeststeuersatz für Energie abgesenkt und Benzin vergleichbar reduziert werden." Dies würde für rund 15 Cent Entlastung je Liter Kraftstoff sorgen. 

Auch der Verkehrsclub Mobil in Deutschland fordert eine Spritpreisbremse, eine von ihm gestartete Online-Petition an die Bundesregierung habe inzwischen mehr als 14.000 Unterschriften, heißt es. 

2022 hatte der Staat die Steuern auf Diesel und Benzin von Juni bis August deutlich gesenkt, um die Autofahrer angesichts der hohen Preise zu entlasten. Damals war der Anstieg der Spritpreise zu Kriegsbeginn allerdings deutlich höher als dies bisher der Fall ist.

Wirtschaftswissenschaftler sehen Tankrabatt kritisch

Führende Wirtschaftswissenschaftler sehen einen möglichen Tankrabatt allerdings kritisch. Ifo-Chef Clemens Fuest hält einen solchen Eingriff für volkswirtschaftlich schädlich. Wenn Öl knapp und teuer sei, sollten die Verbraucher auch das Signal erhalten, davon etwas weniger zu verbrauchen, argumentiert er. Dies sei eine der großen Stärken der Marktwirtschaft. Zudem sei die Belastung durch die Energiepreise noch nicht so groß, dass daraus Notsituationen entstünden. 

DIW-Chef Marcel Fratzscher ist ebenfalls kritisch: "Ein Tankrabatt, um höhere Spritpreise abzufedern, wäre ein teurer Fehler und die falsche Priorität der Bundesregierung", schreibt er auf dpa-Anfrage. "Die Bundesregierung kann die höheren Preise nicht verhindern, aber sie kann Bürger zielgenau entlasten." 

Priorität sollte für Fratzscher die Entlastung von Menschen mit geringen Einkommen haben. "Dies könnte beispielsweise über eine Senkung der Mehrwertsteuer auf Lebensmittel geschehen." Zudem plädiert er für eine Übergewinnsteuer "um möglichen Missbrauch durch Mineralölkonzerne zu bekämpfen".

Ökologisch und ökonomisch bedenklich

Der Energieexperte des RWI, Manuel Frondel, nennt einen Tankrabatt "sowohl ökologisch als auch ökonomisch bedenklich" und verweist auf die hohen Kosten, die 2022 bei rund einer Milliarde Euro pro Monat lagen. Zudem würde eine solche Maßnahme auch ökologisch ein falsches Signal senden. 

Frondel hat zudem zur Frage geforscht, ob der Steuerrabatt 2022 komplett bei den Verbrauchern ankam. "Im ersten Monat wurde der Tankrabatt noch komplett weitergegeben", beschreibt er seine Erkenntnisse. "Als die Aufmerksamkeit nachließ, sank auch die Weitergabe. Zum Ende des Rabatts war es nach unseren Daten nur noch etwa die Hälfte."

Kartellamt schaut genau hin und dämpft Erwartungen

Das Bundeskartellamt betont, die Preisentwicklung genau im Blick zu haben. "Sollten sich Hinweise auf kartellrechtswidriges Verhalten der Mineralölkonzerne zeigen, würden wir konsequent dagegen vorgehen", sagt der Chef der Behörde, Andreas Mundt. "Ich möchte aber auch deutlich machen, dass es kein Instrumentarium gibt, um geopolitisch getriebene Preissteigerungen quasi auf Knopfdruck zu verhindern", dämpft er die Erwartungen. "Selbst ein ungewöhnlich hoher Abstand zwischen der Entwicklung des Rohölpreises und den Preisen an der Tankstelle, den wir zumindest bei E5/E10 bislang auch gar nicht sehen, würde keinen unmittelbaren Verdacht auf ein illegales Verhalten der Konzerne darstellen." 

Parallel untersuche man die für den Preis wichtige Raffinerie- und Großhandelsebene in einem laufenden Verfahren. "Wenn wir hier Störungen des Wettbewerbs ausmachen, werden wir diese abstellen. Für die aktuellen Verwerfungen, insbesondere steigende Weltmarktpreise, schafft auch das allerdings keine kurzfristige Abhilfe."

Hintergrund der hohen Rohöl-Preise ist der Iran-Krieg und die Sperrung der Straße von Hormus vor der Küste des Landes. Sie spielt für Öl- und Gaslieferungen eine wichtige Rolle. Seit der Eskalation am Samstag sind auch Rohöl und Gas deutlich teurer geworden.

dpa
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