Biogasbranche begrüßt geplante Reform des Heizungsgesetzes
- Mit der Reform des Heizungsgesetzes könnten neue Gasheizungen künftig teilweise mit Biogas betrieben werden.
- Für Hersteller von Biomethan eröffnet sich damit ein neuer Absatzmarkt.
- Kritiker bemängeln jedoch, dass fossiles Erdgas weiterhin den Großteil der Heizenergie liefern wird.
Die Leipziger Firma Verbio stellt schon heute her, was künftig in neue Gasheizungen muss: Biomethan. Sie erzeugt das Gas in drei Großanlagen in Schwedt, Zörbig und Pinnow aus Pflanzen und Agrarresten. Bislang liefert Verbio das Biomethan vor allem an Tankstellen – für gasbetriebene Lkw.
Reform soll neuen Markt für Biomethan schaffen
Doch natürlich ließe sich damit auch heizen, sagt Vorstandschef Claus Sauter: "Zunächst muss man mal sagen: Wir produzieren heute ungefähr eine Terrawattstunde. Das ist ein Prozent des deutschen Erdgasverbrauches."
Wir hätten in den vergangenen Jahren schon viel mehr produziert, wenn der Markt da gewesen wäre.
Diesen Markt will Wirtschaftsministerin Katherina Reiche nun mit politischer Unterstützung schaffen. Denn ab 2029 sollen neu installierte Gasheizungen mindestens zehn Prozent grüne Gase verbrennen müssen – auch wenn die recht teuer sind.
Biogasbranche sieht große Potenziale
Joachim Polk freut die Reform. Er verantwortet beim Leipziger Gaskonzern VNG die Biogassparte: "Das finden wir natürlich grundsätzlich positiv, dass es da eine Regelung geben soll, die uns nochmal eine Perspektive bietet, einen zusätzlichen – vielleicht auch verlässlichen – Absatz für unser Biomethan zu finden."
Bislang machen die meisten Hersteller aus ihrem Biogas grünen Strom – in kleinen Kraftwerken unmittelbar am Erzeugungsort. Doch die Förderung dafür läuft aus. Da kommt die Ersatzverwendung als Heizgas gerade recht.
Für den weiten Weg durchs Gasnetz bis zur Heizung muss Biogas allerdings erst noch zu reinerem Biomethan aufbereitet werden, sagt Polk: "Wir sind darauf eingestellt, dass wir mehr und mehr von diesen Biogasanlagen auch auf eine Biomethan-Produktion umstellen können. Das heißt: Vorhandenes Gas und vorhandene Substrate werden dann eben umgewandelt und aufbereitet in Richtung Biomethan und könnten ins Netz eingespeist werden."
Bleibt die Frage, ob die Mengen ausreichen, um deutschlandweit neue Gasheizungen mit zehn Prozent zu versorgen. Sandra Rostek vom Branchenverband Biogas sagt, das schaffe die Branche mit Links. Das Biogas-Potenzial in Deutschland werde bislang nicht ausgeschöpft.
Hoher Preis bleibt größtes Hindernis
Das liegt allerdings auch am Preis. Biomethan ist mehr als doppelt so teuer wie klassisches Erdgas. "Es wird tatsächlich teurer als die Gasheizung – Stand heute. Auch da gibt es natürlich noch einige Unbekannte. Das eine ist natürlich die allgemeine Gaspreisentwicklung. Wir erleben ja immer wieder durch weltpolitische Geschehnisse auch entsprechende Gaspreisanstiege. Dann ist Biomethan im Vergleich auch nicht mehr so viel teurer."
Auch Claus Sauter von Verbio argumentiert, bei zehn Prozent Biogas-Anteil bleibe der Preisanstieg überschaubar. Wenn die Heizung aber irgendwann mit deutlich mehr Biogas laufen muss, sieht das schon anders aus.
Sauter findet: Wenn es zu teuer wird, erlaube das reformierte Heizungsgesetz ja Alternativen: "Wenn die Wärmepumpe so super gut ist und alle die Überzeugung haben, dann wird es sich ja selber durchsetzen, wenn es das Günstigste ist. Ich glaube, das ist der zentrale Punkt einer Marktwirtschaft, dass man diejenigen, die investieren, selber entscheiden lassen sollte, welchen Weg sie gehen."
Fossiles Gas dank Heizungsgesetz weiter dominierend
Die Biogasbranche ist mit Reiches Heizungsgesetz jedenfalls zufrieden. Und da Ostdeutschland große Agrarflächen hat, sitzen hier besonders viele Nutznießer. Der größte Profiteur von Reiches Reform – das gehört zur Wahrheit dazu – ist aber tatsächlich die fossile Gaswirtschaft. Denn sie darf auch bei neuen Heizungen vorerst weiter 90 Prozent des Heizgases liefern.
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