• "Ölpreis-Anstieg ist noch im Rahmen"
  • Wirtschaftsweise Grimm warnt vor Verwerfungen
  • Reiche sieht noch kein Mengen-Problem
  • Diesel jetzt teurer als Benzin
  • Gas so teuer wie seit Jahren nicht mehr

Der Präsident des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH), Reint Gropp, sieht trotz massiv gestiegener Öl- und Gaspreise infolge des Iran-Kriegs momentan keinen Grund für politisches Handeln. Es sei noch zu früh, um einzugreifen, sagte der Volkswirtschaftsprofessor der Uni Mangdeburg MDR AKTUELL.

"Ölpreis-Anstieg ist noch im Rahmen"

Angesprochen auf die Aussage von Wirtschaftsministerin Katharina Reiche, die Bundesregierung plane keine Unterstützung für Autofahrer, erklärte Gropp: "Im Moment ist das die richtige Entscheidung. Man muss sehen, wie es weitergeht." Der Ölpreis-Anstieg von sieben bis acht Prozent sei noch im Rahmen. Da sollte man "jetzt erstmal abwarten und nicht in Panik verfallen".

Stärker gestiegen sei aber der Erdgaspreis. Wegen der Diversifizierungsstrategie gegenüber Russland entfielen 15 Prozent unseres Gasverbrauchs mittlerweile auf LNG-Gas aus Katar. Dies habe natürlich "Konsequenzen". Man sei aber noch immer sehr weit entfernt von den Gaspreis-Höchstständen, die man 2022 gesehen habe. Damals sei man bei 120 Euro pro Megawattstunde (MWh). Jetzt seien es 40. "Insofern sollte man auch da jetzt nicht in Panik verfallen."

Wirtschaftsweise Grimm warnt vor Verwerfungen

Die "Wirtschaftweise" Veronika Grimm warntBildrechte: IMAGO/IPON

Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm hatte zuvor wegen der gestiegenen Energiepreise einen Notfallplan für Europa gefordert. Man müsse es jetzt vorbereiten, mögliche Marktverwerfungen zu begrenzen und Vertrauen in die Stabilität der Energieversorgung zu sichern.

Im "Handelsblatt" schrieb die Sachverständige der Bundesregierung: "Erfahrungen aus der Corona- und der Energiekrise zeigen, dass koordinierte europäische Beschaffung, strategische Reserven" und zeitweise Instrumente zur Stabilisierung wirken könnten. Das jedoch müsse vorbereitet sein.

Reiche sieht noch "Kein Mengen-Problem"

Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche betonte unterdessen, es gebe in Deutschland keine Knappheiten bei Öl und Gas.

Es gebe zwar Preisausschläge wegen des Krieges in Nahost, aber kein Mengenproblem, sagte die CDU-Politikerin. Die Bundesregierung gehe nicht unvorbereitet in die Situation und habe Instrumente, um einzugreifen, aktuell aber keinen Anlass, sie einzusetzen.

So plant die Bundesregierung derzeit auch keine Entlastung für Autofahrer. Angesprochen auf eine mögliche Spritpreisbremse sagte Reiche am Mittwoch auf der Handwerksmesse in München: "Die steht nicht auf der Agenda."

Tankstelle: Diesel jetzt teurer als Benzin

Seit dem Angriff von Israel und den USA auf den Iran am vergangenen Wochenende sind die Preise für Öl und Gas in die Höhe geschossen. In Deutschland spürt man das bisher vor allem bei den höheren Heizöl-Preisen und bei denen für Diesel und Benzin an den Tankstellen.

Der Dieselpreis überschritt am Mittwoch nun die Marke von zwei Euro und übertraf damit erstmals seit langem auch Benzin. Die Seite "Heizoel24" gab den Preis für 100 Liter Heizöl schon am Dienstag zeitweilig mit mehr als 128 Euro an – ein Preissprung um gut 25 Prozent seit Freitag.

Gas so teuer wie seit Jahren nicht mehr

Auch der Gaspreis steigt. Er hat sich seit Freitag nahezu verdoppelt auf die höchsten Werte seit mehr als drei Jahren. Der europäische Future-Vertrag zur Lieferung in einem Monat stieg über 60 Euro je Megawattstunde. Noch am vergangenen Freitag hat er bei etwa 32 Euro gelegen.

Mit steigenden Öl- und Gaspreisen wächst die Inflationsgefahr. Der Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer erwartet bei längerer Schließung der Straße von Hormus weiter steigende Preise. Und weil das auch andere Energiepreise und den Transport von Rohstoffen und anderer Produkte verteuere, drohe in Deutschland eine Inflationsrate über drei Prozent.

Aktivierung von Notfallplänen gefordert

Mehr Sorgen als die Bundeswirtschaftsministerin macht sich etwa die CDU-Fraktion im Landtag von Sachsen-Anhalt. Deren wirtschaftspolitischer Ulrich Thomas forderte im MDR eine rasche Aktivierung von Notfallplänen.

Thomas sieht insbesondere die deutsche Chemieindustrie gefährdet: "Mit Blick auf den Iran-Konflikt muss schon kurzfristig mit einem weltweiten Ausfall von 20 Prozent der Öl- und Gaslieferungen gerechnet werden, und dies wird negative Konsequenzen für den Chemiestandort Sachsen-Anhalt und die gesamte Wirtschaft des Landes haben."

Bange Blicke auf die Straße von Hormus

Für höhere Ölpreise sorgt die Furcht vor einer Erdölknappheit durch den neuen Krieg im Nahen Osten. So hat der Iran den Schiffsverkehr durch die Straße von Hormus eingeschränkt. Durch die Meerenge am Persischen Golf läuft sonst rund ein Fünftel der globalen Öl-Transporte. Viele Reedereien stellten ihrerseits den Schiffsverkehr durch die nur 50 Kilometer breite Passage ein. Für die steigenden Gaspreise ist unter anderem der aktuelle Lieferstopp für Flüssiggas des Golf-Emirats Katar verantwortlich.

MDR, dpa, Reuters, AFP, (ksc, kos, ans, dni)

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