Der Krieg im Nahen Osten verteuert Lebensmittel und Getränke in Deutschland, davor warnt die Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE).

Die Branche sei ein bedeutender Erdgasverbraucher, heißt es in einem Statement, das WELT vorliegt. Rund 38 Terawattstunden (TWh) – das sind umgerechnet 38 Milliarden Kilowattstunden – würden jährlich benötigt für Produktionsprozesse wie Trocknen, Backen oder Pasteurisieren. Und der Gaspreis sei an der niederländischen Referenzbörse TTF binnen kurzer Zeit schon massiv gestiegen. Gleichzeitig würden höhere Ölpreise die Logistik verteuern, warnt die BVE. „Für die Ernährungsindustrie sind diese Entwicklungen und die damit verbundenen Kostenbelastungen fatal. Wenn der Konflikt länger anhält, ist zu befürchten, dass es in einem erheblichen Umfang zur Drosselung der Produktion oder gar zur Aufgabe ganzer Geschäftszweige kommt.“

BVE-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff zieht Parallelen zum Ausbruch des russischen Angriffs auf die Ukraine. Auch damals hatten sich Energie und in der Folge viele Produkte massiv verteuert. „Wer den drohenden Kostentsunami für die Lebensmittelbranche stoppen will, um den Verbraucher nicht zusätzlich zu belasten, muss jetzt konsequent handeln“, sagt Minhoff und fordert Sofortmaßnahmen von der Politik.

„Weg mit der Lkw-Maut und mit Netzentgelten für die Lebensmittelbranche, keine weiteren Belastungen durch Steuern, Abgaben und bürokratische Dokumentationspflichten.“ Zudem müsse die Gaspreisbremse aus dem Jahr 2023 reaktiviert werden. Damals wurde für Haushalte und kleine Unternehmen der Gaspreis auf zwölf Cent pro Kilowattstunde für ein Basis-Kontingent von 80 Prozent des Vorjahresverbrauchs gesenkt.

Die Lebensmittelindustrie benötigt verlässliche und bezahlbare Energiepreise, um auskömmlich und sicher produzieren zu können, mahnt Minhoff. „Die gegenwärtigen staatlichen Maßnahmen zur Senkung der Energiepreise, wie beispielsweise Reduktion der Stromsteuer, Begrenzung der Netzentgelte und Industriestrompreis, werden durch die aktuellen Preisentwicklungen konterkariert“, heißt es im Statement der BVE.

Deutschlands Ernährungsindustrie gehört zu den größten Industriezweigen der Bundesrepublik. Rund 6000 Betriebe mit 644.000 Beschäftigten erwirtschaften einen Jahresumsatz von zuletzt knapp 233 Milliarden Euro. Gut ein Drittel des Geschäfts mit Lebensmitteln und Getränken machen die vorwiegend mittelständischen Unternehmen dabei im Ausland – auch in den vom Krieg betroffenen Ländern im Nahen Osten. Die BVE sieht dort nun Exportumsätze von rund einer Milliarde Euro in Gefahr.

Die Branche erwartet aber auch ganz allgemein Einschränkungen im Außenhandel. „Eine Sperrung wichtiger Transportwege sowie ein erschwerter Zugang zum Roten Meer und zum Suezkanal würden zu höheren Frachtkosten, fehlenden Kapazitäten und Störungen der Lieferketten führen“, heißt es in dem Statement. „Längere, sicherere Transportrouten, das Fehlen von Frachtkapazitäten sowie von Häfen als Umschlagplatz für Waren wird Frachtpläne durcheinanderbringen und zu verstopften Ausweichhäfen und Schifffahrtswegen sowie zu einer Reduzierung der zur Verfügung stehenden Containerkapazitäten führen.“

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzzentrum von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Carsten Dierig ist Wirtschaftsredakteur in Düsseldorf. Er berichtet über Handel und Konsumgüter, Maschinenbau und die Stahlindustrie sowie Mittelstandsunternehmen.

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