Historic First“, steht über einer Mitteilung des US Central Command (CENTCOM), der Zentrale der US-Streitkräfte für militärische Operationen im Nahen Osten, Zentralasien und Teilen Afrikas. Gemeint ist der historisch erstmalige Einsatz von Einweg-Kamikazedrohnen der US-Streitkräfte im Rahmen der Operation „Gewaltiger Zorn“ mit den Angriffen auf den Iran. In einer knappen Mitteilung über die Plattform X ist die Rede von „kostengünstigen Drohnen, die den iranischen Shahed-Drohnen nachempfunden sind“. Diese würden nun für „amerikanische Vergeltungsschläge“ genutzt.

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Nach den Aufnahmen der Drohnen durch die US-Streitkräfte handelt es sich um den Drohnentyp LUCAS (Low-cost Unmanned Combat Attack System). Das absurde: Diese US-Drohne ist vom Design mit ihren Deltaflügeln und dem Propellerheck ein Nachbau der iranischen Drohne Shahed 136. Sie ist der Basistyp einer iranischen Drohnenfamilie und wird seit 2022 ebenfalls von Russland nachgebaut und unter der Bezeichnung Geran-2 massenweise im Angriffskrieg Russlands in der Ukraine eingesetzt. Russland produziert angeblich derzeit etwa 400 bis 500 Shahed-Drohnen pro Tag, mit Plänen zur Verdopplung auf 1.000 Exemplare.

Jetzt nutzen die USA also einen vom Iran entwickelten Drohnentyp, um den Staat selbst damit anzugreifen. Wie viele LUCAS-Drohnen eingesetzt wurden, ist nicht bekannt. Der Stückpreis soll lediglich 40.000 Dollar betragen. Der Einsatz von Kamikazedrohnen durch die US-Streitkräfte zeigt exemplarisch, wie dieser Waffentyp die moderne Kriegsführung grundlegend revolutioniert, weil Drohnen kostengünstige, präzise und risikofreie Einsätze ermöglicht.

Der US-Nachbau der iranischen Drohne ist offensichtlich mit einer Antenne des Starlink-Netzes von Elon Musk ausgestattet. Über Starlink ist eine Echtzeit-Datenübertragung und Fernsteuerung der Drohnen für präzise Angriffe möglich. Dies sind entscheidende Fähigkeiten. Durch die Abschaltung von Starlink-Terminals ging jüngst den russischen Streitkräften ein Großteil der Drohnensteuerung im Ukraine-Krieg verloren.

Die LUCAS-Drohnen werden vom US-Unternehmen SpektreWorks im US-Bundesstaat Arizona entwickelt und gebaut. Die Stückzahlen sind nicht bekannt. Die Drohnen starten per Katapult, mit Antriebsraketen und von mobilen Bodensystemen. Für das Rüstungsunternehmen SpektreWorks ist das LUCAS-Modell eine Weiterentwicklung des Zielmodells FLM136, das für das Drohnenabwehrtraining entwickelt wurde. Die LUCAS-Drohne orientiert sich vom Aufbau weitgehend am iranischen Modell Shahed 136 mit 3,5 Meter Länge, bei einer Spannweite von 2,5 Meter, einem Startgewicht bis zu 220 Kilo und einem Gefechtskopf von 40 bis 60 Klio.

Angetrieben wird die iranische Drohne von einem heckmontierten Zweitakt-Boxermotor 50 PS Mado. Die Motoren basieren auf dem Limbach‑L550E‑Motor aus Deutschland. Ein iranischer Ingenieur soll das Design 2006 aus Deutschland kopiert und damit die heutige Firma Mado begründet haben. Der Antrieb ermöglicht eine Marschgeschwindigkeit von 185 bis 240 km/h. Die Reichweite beträgt offiziell bis 2.000 km, realistisch sind aber 1.000 bis 1.500 km.

Wenn die USA jetzt einen iranischen Drohnentyp kopieren, dann gibt es auch Parallelen bei den äußerlichen Konstruktionsmerkmalen des iranischen Shahed 136 Modells mit einer deutschen Kamikazedrohne: dem Dornier Modell Dornier DAR (Drohne-Anti-Radar) mit einem Zweitakter-Motor im Heck. Das in den 1980er-Jahren gestartete Entwicklungsprojekt wurde aber 1994 nach dem Ende des Kalten Kriegs eingestellt. Die Basiskonstruktion war aber offensichtlich so genial, dass sie bis heute verwendet wird.

Dieser Artikel wurde für das Wirtschaftskompetenzcenter von WELT und „Business Insider Deutschland“ erstellt.

Gerhard Hegmann ist freier Wirtschaftsredakteur und berichtet seit Jahrzehnten insbesondere über die Rüstungs- und Raumfahrtindustrie.

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