• Rund 800.000 Arbeitsplätze fallen in Deutschland durch KI weg.
  • Fertigungsberufe und Zulieferer im Osten besonders unter Druck
  • IAB-Forscher Theuer: Effekte von KI "noch überbewertet"

In den kommenden Jahren wird es massive Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt geben – auch durch Künstliche Intelligenz. In Mitteldeutschland – also in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen – ist der Druck zu Anpassungen höher. Deshalb könnten auch die Auswirkungen der Digitalisierung stärker ausfallen als in anderen Bundesländern.

Eine aktuelle Studie unter Beteiligung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) geht davon aus, dass in den nächsten 15 Jahren rund 800.000 Arbeitsplätze in Deutschland durch KI wegfallen – gleichzeitig jedoch ähnlich viele neue Jobs entstehen.

KI verändert den Arbeitsmarkt

"Die drei D sind die strukturellen Herausforderungen für den Arbeitsmarkt", erklärt der Sprecher der Regionaldirektion Sachsen der Bundesagentur für Arbeit, Frank Vollgold, auf Anfrage von MDR AKTUELL. So steht der sächsische Arbeitsmarkt – ähnlich wie der in Thüringen und Sachsen-Anhalt – vor den Problemen, die durch die Demografie, die Dekarbonisierung (Strukturwandel) und die Digitalisierung entstehen. KI ist bei letzterer ein Teilaspekt.

Bislang habe der technologische Fortschritt nicht zu einem flächendeckenden Abbau von Jobs geführt, so Vollgold. Es sei sogar das Gegenteil der Fall: "Seit 2013 ist die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung in Sachsen trotz zunehmender Digitalisierung insgesamt gestiegen", schreibt der BA-Pressesprecher. Die Digitalisierung verändere jedoch die Arbeit selbst und so auch die Anforderungen.

Erst am Anfang der Entwicklung durch Künstliche Intelligenz

Nach Berechnungen des IAB könnten bei etwa 37 Prozent der Arbeitsplätze über zwei Drittel der Aufgaben durch Technik ersetzt werden – vor allem Routinetätigkeiten. "KI beschleunigt die Tendenz, die es durch Digitalisierung ohnehin bereits gab – einfache Arbeiten und repetitive Tätigkeiten werden ersetzt", sagt Stefan Theuer. Der Soziologe befasst sich am IAB unter anderem mit den Auswirkungen der Digitalisierung.

KI beschleunigt die Tendenz, die es durch Digitalisierung ohnehin bereits gab – einfache Arbeiten werden ersetzt.

Stefan TheuerIAB-Digitalisierungsexperte

Das betreffe dann nicht nur die Arbeit etwa am Fließband, sondern auch Jobs mit höheren Qualifikationen. Was früher nur Grafikdesigner konnten, kann mit KI inzwischen fast jeder: ein komplettes Bild mit ein paar Befehlen generieren oder Personen auf Fotos entfernen.

"Wir sind erst am Anfang der Auswirkungen durch Digitalisierung und KI", prognostiziert der IAB-Digitalisierungsexperte. Doch: "Es ist zu erwarten, dass in Mitteldeutschland mehr Veränderungen stattfinden als in anderen Bundesländern."

Fertigungsberufe und Zulieferer unter Druck

Die höchste Gefahr für große Veränderungen in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen haben laut Theuer die Fertigungsberufe. Diese Branche bestehe aus vielen Zulieferbetrieben. Auf diese werde der Preisdruck weiter steigen und sie müssten künftig günstiger produzieren. Viele Unternehmen steckten in der Klemme. Zwar könne die Nutzung von KI oder Technik helfen, Kosten zu sparen. Doch dafür seien erst einmal hohe Investitionen nötig – etwa für Software und Technik.

"Auch die Bereiche in Mitteldeutschland, die noch eine recht gute Arbeitsmarktsituation haben, werden mehr Veränderungen erwarten müssen", sagt Theuer. Das betreffe etwa die Dienstleistungsbereiche.

KI im Öffentlichen Dienst: Weniger Personal durch Digitalisierung

Auch der Öffentliche Dienst, der gerade in den großen Städten von Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen für viele Menschen Arbeitgeber ist, wird sich wandeln müssen. Theuer sagt, dass es aus demografischen Gründen für die Behörden große Probleme geben wird, den Personalbedarf überhaupt zu decken. "Mit den Mitteln, die ihnen zur Verfügung stehen, werden sie stark darauf setzen, viele Tätigkeiten durch Digitalisierung und durch KI zu ersetzen."

Das gelte selbst für den Arbeitgeber von Theuer, die Bundesagentur für Arbeit. Dort werde sich etwa die Frage gestellt: An welcher Stelle wird es zukünftig keine menschlichen Ansprechpartner mehr geben, sondern nur noch eine KI? "Bei Beratungen macht es sicherlich keinen Sinn, nie mit Menschen zu reden. Eine individuelle Beratung kann eine KI bislang nicht leisten", sagt Theuer.

IAB-Forscher Theuer: Effekte von KI "noch überbewertet"

Der Digitalisierungsexperte hält es für fraglich, ob die Künstliche Intelligenz dies überhaupt jemals können wird – also der menschlichen Intelligenz wirklich so nah kommt. "Grundsätzlich will ich festhalten: Der Effekt von KI auf die Arbeitswelt wird momentan (noch) überbewertet", sagt Theuer: "Die Erwartungen und Befürchtungen schießen in den Himmel." Es sei ähnlich wie vor fünf bis zehn Jahren, als es um die Auswirkungen von Robotern und Digitalisierung auf die Arbeitswelt ging.

Wer KI versteht, kann nur profitieren.

Stefan TheuerIAB-Digitalisierungsexperte

"Es wird sich in den kommenden Jahren nicht alles unwiederbringlich verändern", ordnet Theuer ein. "Digitalisierung und KI haben insgesamt bislang kaum einen zerstörerischen Einfluss auf die Arbeitswelt, sondern eher einen verstärkten Fahrstuhl-Effekt in Zusammenhang mit anderen Entwicklungen wie Demographie, Dekarbonisierung und die Deglobalisierung."

Die KI werde das persönliche Leben sehr deutlich verändern. Bei der Arbeit werden in vielen Bereichen künftig KI-Kompetenzen erforderlich sein, sagt der IAB-Forscher. "Wer KI versteht, kann nur profitieren".

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