Nachwuchsmangel, Druck durch Arbeitgeber: Werden Betriebsratswahlen schwieriger?
- Viele Betriebe haben Schwierigkeiten, Nachwuchs für den Betriebsrat zu finden. Die Bürokratie schreckt viele ab.
- Betriebsräte sind ein wichtiges Gremium, um Interessen gebündelt zu vertreten.
- Vielen Chefs sind die Betriebsräte eher ein Dorn im Auge. Doch das Verhindern eines Betriebsrats ist in Deutschland strafbar.
Schon ab fünf Mitarbeitenden können in Unternehmen Betriebsräte gegründet werden. Ihre Aufgabe ist es zum Beispiel, darauf zu achten, dass Tarifverträge und Arbeitsgesetze eingehalten werden. Außerdem sind sie Ansprechpartner, wenn es Probleme oder Konflikte im Betrieb gibt.
Betriebsrat: Bürokratie schreckt Nachwuchs ab
Steven Kempe arbeitet bei der Gewerkschaft IG Metall in Dresden und Riesa. Er berät Beschäftigte, die einen Betriebsrat gründen wollen. Sein Eindruck: "Es war nie einfach, Betriebsräte zu wählen in kleineren Unternehmen. Das liegt aber nicht nur an den Arbeitgebern, das liegt auch an dem bürokratierten Prozess, das ist nicht ganz einfach. Viele Menschen haben sich bislang mit solchen Sachen wie Gesetzen oder Fristen überhaupt nicht befasst."
Das baue eine Hürde auf und allein das sei schon ein Punkt, warum der eine oder andere abgeschreckt werde.
Wichtiges Bindeglied zwischen Belegschaft und Arbeitgeber
Hinzu komme, dass sich gerade in inhabergeführten kleinen und mittleren Betrieben die Arbeitgeberseite öfter mal querstelle und nur die negativen Punkte des Betriebsrates herausstelle. Etwa dass man bei dem dem einen oder anderen Thema erst mit dem Betriebsrat reden müsse und nicht einfach durchregieren könne.
Dabei gebe es viele Vorteile, betont Steven Kempe: "Es ist natürlich auch immer ein Bindeglied da zwischen Belegschaft und Arbeitgeber. Und bei einer Belegschaft von 50 Leuten kommt nicht jeder einzelne Kollege oder Kollegin mit dem Problem zum Arbeitgeber, sondern du kannst es als Betriebsrat sammeln und dann geschlossen für die Mannschaft auftreten."
MDR AKTUELL hat dazu die Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft, also die Arbeitgeberseite, angefragt. Dies wurde mit Verweis auf mangelnde Zeit abgelehnt.
Behinderung eines Betriebsrats ist strafbar
Auch Daniela Kolbe, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbunds in Sachsen, hat den Eindruck, dass viele Chefs Betriebsräte vor allem mit zusätzlichem Stress verbinden: "Da wird einfach eingeschüchtert. Da werden Menschen, die sich in den Wahlvorstand wählen wollen, unter Druck gesetzt. Da wird dann so getan, als würde man Vertrauen brechen, weil man sein Recht wahrnimmt, einen Betriebsrat zu gründen. Ich kann da aber nur an die Belegschaften appellieren, sich davon nicht kirre machen zu lassen."
"Und außerdem", fügt sie hinzu: "In Deutschland ist es eine Straftat, einen Betriebsrat oder eine Betriebsratswahl zu behindern."
Gewerkschaften raten Beschäftigten zum ersten Schritt
Nach aktuellen Zahlen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung arbeiten 36 Prozent der ostdeutschen Beschäftigten in einem Betrieb mit Betriebsrat. Daniela Kolbe sieht hier noch deutlich Luft nach oben.
Damit sich daran etwas ändert, sieht Steven Kempe von der IG Metall aber vor allem eine Gruppe in der Verantwortung: die Beschäftigten selbst. Denn nur sie könnten den ersten Schritt machen.
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