Deutschlands Bevölkerung schrumpft stärker als gedacht – besonders im Osten
Deutschlands Bevölkerung wird in den kommenden Jahren deutlich stärker schrumpfen als bislang gedacht. Das ist das Ergebnis einer Analyse aktueller Daten des Statistischen Bundesamtes durch das Dresdner ifo-Institut für Wirtschaftsforschung. Demnach leben im Jahr 2070 voraussichtlich zehn Prozent weniger Menschen in Deutschland als heute.
Bisherige Annahmen waren von einem Rückgang um ein Prozent ausgegangen. Den Forschern zufolge gibt es deutliche regionale Unterschiede: Ostdeutsche Flächenländer sind demnach besonders stark von Schrumpfung betroffen. Die ostdeutschen Bundesländer sind bereits heute im Schnitt deutlich älter als der Westen. Stadtstaaten wie Berlin, Bremen oder Hamburg werden den Annahmen zufolge bis 2070 sogar wachsen.
Grund für die Korrektur sind den Angaben nach neue Daten aus dem Zensus 2022. Demnach lebten zu diesem Zeitpunkt hochgerechnet rund 81,9 Millionen Menschen in Deutschland – weniger als bis dahin angenommen. Die niedrigere Ausgangsbasis führe langfristig zu einer „stark sinkenden Bevölkerung“.
„Der verstärkte Rückgang und die Alterung der Bevölkerung müssen schon heute bei politischen Entscheidungen mit Langzeitwirkung, beispielsweise bei Gesundheit und Pflege, berücksichtigt werden“, sagte Institutsleiter Joachim Ragnitz. Weniger Menschen bräuchten weniger Wohnungen, Verkehrsinfrastrukturen und Personal im öffentlichen Dienst, hieß es. Gleichzeitig steige der Bedarf bei Gesundheit und Pflege.
Einer Studie aus dem vergangenen Jahr zufolge wird jeder vierte Einwohner Deutschlands in zehn Jahren 67 Jahre oder älter sein. Grund ist vor allem, dass die geburtenstarke Generation der Babyboomer in den Ruhestand wechselt und deutlich kleinere Jahrgänge nachfolgen. Die Zahl der Menschen im Rentenalter wird demnach bis 2038 um mindestens 3,8 Millionen auf dann mehr als 20,5 Millionen steigen. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung wächst auf 25 bis 27 Prozent. Gegenwärtig beträgt dieser 20 Prozent.
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