Sie prägten die deutsche Industriegeschichte: Siemens, Mercedes und Thyssenkrupp. Heute handeln sie sehr unterschiedlich. Welche Strategie überlebt den nächsten Abschwung?

Alle drei legten in der vergangenen Woche ihre Quartalsberichte vor: Siemens, Mercedes und Thyssenkrupp. Und unterschiedlicher hätten sie nicht ausfallen können: Gute Zahlen bei Siemens, stark sinkende Profite bei Mercedes und weiter hohe Verluste bei Thyssenkrupp. Die Bewertung der drei Industriekonzerne an der Börse spricht Bände: Siemens kommt mittlerweile auf über 200 Milliarden Euro, Mercedes auf gut 50 Milliarden Euro, Thyssenkrupp auf nicht einmal 8 Milliarden Euro. Alle drei Unternehmen, deren Wurzeln weit in das 19. Jahrhundert zurückreichen, stehen wie kaum andere für die deutsche Geschichte. Wie konnte es kommen, dass sie sich so unterschiedlich entwickelt haben? Und was kann man daraus lernen?

Die Siemens AG hat sich im Laufe ihrer Geschichte immer wieder neu erfunden. Es begann mit Telegrafen in Berlin und führte über Elektromotoren und Telefone zu einem Konzern, der heute vor allem durch die Verbindung der realen Welt mit digitaler Technik glänzt. Nicht alles, was die Münchner Zentrale bis heute steuert, passt unbedingt zur neuen Strategie der „One-Tech-Company“. Der Umbau von Siemens, der eigentlich seit der Gründung des Unternehmens 1847 anhält, geht auf jeden Fall weiter. Aber das ändert nichts daran, dass sich der Konzern gut für die Zukunft aufgestellt hat.

Mercedes macht bis heute im Kern immer noch das, was das Unternehmen schon immer macht: sehr gute Autos bauen. Der Konzern erwies sich in seiner ganzen Geschichte als Musterbeispiel dafür, wie man ein Produkt immer weiter verbessert, eine Marke pflegt und deshalb auch Preise durchsetzen kann, die über denen aller Konkurrenten liegen. Vielleicht gelingt das ein weiteres Mal. Aber vieles spricht dafür, dass Mercedes nie wieder zu seiner alten Ausnahmestellung zurückfinden wird. Auf jeden Fall kämpft der Konzern darum, sich an kürzere Innovationszyklen, sparsamere Entwicklungsbedingungen und vor allem veränderte Kundenpräferenzen in der ganzen Welt anzupassen. Die Zukunft des Konzerns bleibt deshalb unsicher – genau wie die aller anderen Autohersteller auch.

Industrieperle ohne Zukunft

Die Wurzeln von Thyssenkrupp reichen bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts zurück, das Essener Unternehmens ist die älteste Industrieikone Deutschlands. Bis heute dreht sich alles um Stahl, auch wenn es in der Vergangenheit zahlreiche Versuche gab, sich andere starke Standbeine zu verschaffen. Nur zwei davon erwiesen sich am Ende als wirklich erfolgreich: die Entwicklung des Aufzugsbereichs in der Thyssen AG, der nach der Übernahme durch Krupp für viele Jahre die Cashcow des neuen Konzerns war. Ihr Verkauf spülte 2020 sagenhafte 18 Milliarden Euro in die Kasse von Thyssenkrupp. Nach und nach sind sie versickert. Der zweite gute Griff war die Marinesparte, die nach vielen schwierigen Jahren heute unter dem Namen TKMS erfolgreich selbstständig am Markt operiert und auf kurz oder lang auch nicht mehr mehrheitlich im Besitz der Mutter bleiben wird. Thyssenkrupp hat also seine Zukunft bereits hinter sich – selbst wenn die Abtrennung des Stahls gelingen sollte.

Die Entwicklung der drei Industrieikonen zeigt vor allem Eines: Geschäftsmodelle, die über viele Jahrzehnte tragfähig waren, können schleichend ihre Kraft verlieren. Und wenn es erst einmal stark nach unten geht, kann man die Abwärtsbewegung nur schwer aufhalten. Nur wer sich proaktiv neu erfindet, bevor es an die Reserven geht, kann sich die Zukunft sichern. Die Sanierung großer Problemkonzerne gelingt nur selten – meist endet alles mit der Zerschlagung.

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