Der BASF-Konzern bündelt künftig mehrere Dienstleistungen in einem neuen globalen Knotenpunkt (Hub) in Indien. Auch aus dem Berliner Standort sollen Stellen dorthin verlagert werden. Grund sei unter anderem eine deutliche Steigerung der Kosteneffizienz, teilte das Dax-Unternehmen in Ludwigshafen mit. „Mit diesem Schritt planen wir, den Bereich Global Business Services systematisch weiterzuentwickeln, um unsere Unternehmensstrategie mit möglichst wettbewerbsfähigen Servicestrukturen zu unterstützen“, erklärte Finanzvorstand Dirk Elvermann.

Die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) kritisierte die angekündigte Verlagerung. „Mit diesem beschäftigungspolitischen Schlag führt BASF ein tarifliches Vorzeigeprojekt zu einem Ende, mit dem wir Tausende gute Arbeitsplätze in der Bundeshauptstadt geschaffen haben“, sagte der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis einer Mitteilung zufolge. IGBCE und Chemie-Arbeitgeber hätten 2005 mit einem Tarifvertrag möglich gemacht, dass die BASF ihre konzerninternen Dienstleistungen wie Finanzen, Personal oder IT-Aufgaben in Berlin konzentriere – statt sie in die Slowakei auszulagern.

Kritik von Betriebsrat und Regierendem Bürgermeister

Die Betriebsratsvorsitzende Stephanie Albrecht-Suliak betonte: „Es kann nicht sein, dass der Konzern am Heimatstandort Scheibchen für Scheibchen Arbeitsplätze abschneidet, während in Asien Milliarden investiert werden.“

Auch Berlins Regierender Bürgermeister Kai Wegner (CDU) äußerte sich besorgt über die Ankündigung. „Berlin hat sich über Jahrzehnte hinweg als verlässlicher, innovationsfreundlicher und stabiler Wirtschaftsstandort für die BASF erwiesen“, teilte er mit. Vor diesem Hintergrund erwarte er von den Unternehmen „eine transparente und nachvollziehbare Darstellung der weiteren Planungen für den Standort Berlin“.

Ein sozialverträglicher Umgang mit den betroffenen Beschäftigten und die frühzeitige Einbindung der Betriebsräte seien zwingend. Wegner kündigte an, zeitnah Gespräche mit der Geschäftsführung und den Arbeitnehmervertretern führen zu wollen.

Neuer Verbundstandort in China

Ein BASF-Sprecher sagte der Deutschen Presse-Agentur, die Planungen seien „in einem ganz frühen Stadium“. Die Bündelung soll schrittweise bis Ende 2028 erfolgen. Im Bereich Global Business Services arbeiten demnach etwa 8500 Menschen, davon 2800 in Berlin und 860 in Ludwigshafen. Ob und wie viele Stellen gegebenenfalls verlagert würden, sei derzeit unklar. Auch der genaue Ort des Hubs in Indien sei noch nicht bestimmt.

BASF leidet seit einiger Zeit unter Nachfrageschwäche und gesunkenen Preisen. Im Stammwerk Ludwigshafen hat das Unternehmen Anlagen stillgelegt sowie konzernweit mehrere Sparprogramme inklusive Stellenabbau gestartet. Voraussichtlich Ende März eröffnet BASF einen neuen Verbundstandort im chinesischen Zhanjiang. Mit rund 8,7 Milliarden Euro ist das Werk das bislang größte Einzelinvestitionsprojekt des Unternehmens.

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