Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen wollen unabhängiger von Microsoft werden
- Thüringen arbeitet am Umstieg noch in diesem Jahr.
- Sachsen-Anhalt zögert, prüft aber mögliche Wege.
- Für eine Umstellung braucht es Zeit und Geld, auf lange Sicht bringt sie aber Ersparnisse.
Es könnte bald ganz anders aussehen auf den Monitoren der Thüringer Ministerien und Behörden, von der Polizei bis zum Finanzamt. Thüringen will sich von Microsoft lösen, erklärt die Digital-Staatssekretärin des Landes Milen Starke. Das Office-Paket könnte noch in diesem Jahr von allen Rechnern der Landesverwaltung deinstalliert und durch eine Open-Source-Version ersetzt werden: "Wir sind gerade mit der Justizverwaltung in der Erprobung für die nächsten Monate und werden uns natürlich auch anschauen, wie kommt das bei den Mitarbeitenden an. Das heißt, wir wollen wirklich auch damit eine gewisse Effizienzsteigerung haben."
Von Office zu Open Source, von Windows zu Linux
Geplant sei in naher Zukunft auch, vom Betriebssystem Windows auf das kostenlose Linux umzusteigen. Es seien notwendige Schritte auf einem langen Weg zu mehr digitaler Souveränität, sagt Milen Starke: "Die hundertprozentige Unabhängigkeit wird es nicht geben. Und mir ist auch ganz wichtig, das zu differenzieren, weil Microsoft ist nur ein Player am Markt und wir müssen eigentlich die gesamte Lieferkette der IT uns betrachten. Und da reden wir eben auch von Infrastruktur und Datenhaltung."
2019 zeigte eine Studie, dass 96 Prozent aller Bundesbehörden Microsoft nutzen. Doch das birgt Risiken: Zugänge können gesperrt werden, Daten mitgelesen und Lücken versteckt werden. Die Brisanz zeigte sich kürzlich beim Internationalen Strafgerichtshof: Weil der US-Regierung die Ermittlungen gegen Israel missfielen, verhängte sie Sanktionen – und Microsoft sperrte das E-Mail-Konto des Chefanklägers.
Sachsen-Anhalt zögert beim Umstieg
Ein digitaler Super-GAU, der auch in Sachsen-Anhalt viele aufgeschreckt habe, sagt der Digitalbeauftragte des Landes Bernd Schlömer. Doch während Thüringen den radikalen Schnitt wagt, bleibt Sachsen-Anhalt zögerlich. Schlörmer erklärt: "Aktuell fragen wir in allen Landesbehörden in Sachsen-Anhalt nach: 'Wie stark seid ihr abhängig, wie könntet ihr euch den Ausstieg vorstellen?' Diese Analyse läuft derzeit und werden dann auf der Basis dieser Analyse den nächsten Schritt entscheiden."
Der Internationale Strafgerichtshof nutzt inzwischen "OpenDesk" – das ist ein Paket aus Programmen, das Microsoft Office ersetzen soll. Entwickelt wurde es von einem deutschen, bundeseigenen IT-Unternehmen. Die Vorteile: Der Quellcode ist hier für alle einsehbar, niemand kann den digitalen Stecker ziehen.
Umstellung kostet Zeit und Geld
Und übrigens: Open-Source Programme sind meist von Behörde zu Behörde kompatibel. Jedoch ist die Umstellung aufwendig und anfangs auch teuer: Firmen müssen die Software installieren, zehntausende Mitarbeiter geschult werden. Auch Sachsen ist von der Umstellung daher noch recht weit entfernt.
Immerhin, der Freistaat hat 2023 eine Open-Source-Strategie beschlossen, erklärt Daniel Gerber, Vizechef des OSBA, ein Bundesverband für digitale Souveränität: "Man kann schon sehen, dass es in die richtige Richtung geht. Da ist immer noch ganz viel Luft nach oben und die Zeit, das umzusetzen wird auch immer knapper. Mit jedem Wunsch, den der US-Präsident fordert, muss man sich immer mehr beeilen."
Übrigens: Der Abschied von Microsoft kann auch beim Sparen helfen. Allein Thüringen zahlte im vergangenen Jahr rund sieben Millionen Euro an Lizenzgebühren an den US-Konzern – Kosten, die bei einer Open Source Software komplett wegfallen.
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