Eine Fortsetzung der kleinen Webserie „Boah, Bahn!“ wird es 2026 nicht geben. Das passe nicht in die Zeit, heißt es bei der Deutschen Bahn. Doch der Hintergrund ist offenbar ein anderer – die Serie wurde angesichts der angespannten Sicherheitslage im ÖPNV zum Politikum.

In der Mini-Serie mit 3-4-minütigen Episoden spielt die Entertainerin Anke Engelke die Hauptrolle der Zugchefin Tina, die mit typischen Problemen der Bahn wie Verspätungen oder defekten Kaffeemaschinen im Bordbistro kämpft. Die Botschaft: Das ist alles nur noch mit Humor und Herzlichkeit zu ertragen.

Wie die „Bild am Sonntag“ berichtet, kostete die Kampagne sieben Millionen Euro. Doch die Summe wollten Bahn und das Verkehrsministerium geheim halten. Bundestagsabgeordnete durften sich die Unterlagen nur in der Geheimschutzstelle des Parlaments anschauen und nicht darüber reden. Doch weil die Bahn zuvor die beliebte und günstige Familienreservierung gestrichen hatte (5,50 Euro für die Sitzplätze der gesamten Familie), war der Unmut bei einigen Abgeordneten so groß, dass sie die Summer der „Bild am Sonntag“ mitteilten.

Nun wird die Sieben-Millionen-Euro-Kampagne ein Nachspiel im Innen- und Verkehrsausschuss des Bundestags haben, wie der innenpolitische Sprecher der SPD, Sebastian Fiedler, in der „Bild am Sonntag“ ankündigte. Er nannte es einen Skandal, dass der Bahn-Vorstand „so viele Millionen Euro für lustige Werbeclips“ ausgebe.„Für dieses Geld hätten mindestens 100 zusätzliche Sicherheitskräfte ein Jahr lang bezahlt werden können“, sagte Fiedler.

Die Deutsche Bahn macht offiziell keine Angaben zu den Kosten und verwies auf Anfrage darauf, dass „Informationen zu Werbeausgaben sowie zu Auftrags- bzw. Vertragsdetails unmittelbare Betriebs- und Geschäftsgeheimnisse der Deutsche Bahn AG sind und nicht öffentlich kommuniziert werden“. Das Budget bewege sich im Rahmen vergleichbarer Werbekampagnen in der Branche. Unabhängig davon bestätigte die Bahn, dass es 2026 keine Fortsetzung der Serie „Boah, Bahn!“ geben werde.

Kritik auch von Bahngewerkschaft EVG

Der DB-Vorstand für den Personenfernverkehr, Michael Peterson, hatte die Webserie mit Engelke zum Start im Oktober 2025 seinerzeit als „humorvolle Liebeserklärung an die Mitarbeitenden“ der Bahn gelobt. Der Vorsitzende der Bahngewerkschaft EVG, Martin Burkert, fragt laut „Bild am Sonntag“ nun mit Blick auf die Kosten, „ob nicht die Sanierung aller Pausenräume oder eine flächendeckende Ausstattung mit Bodycams die bessere Liebeserklärung gewesen wäre“.

Hintergrund der Kritik ist die Tötung des Zugbegleiters Serkan C. Er hatte im Regionalverkehr Fahrkarten kontrolliert, wurde von einem Fahrgast ohne Ticket angegriffen und schwer verletzt und verstarb kurz danach.

Zahlreiche Mitarbeiter der bundeseigenen Deutschen Bahn wurden nach Angaben des Bundes bereits Opfer von Straftaten. Es werden daher entsprechende Gegenmaßnahmen debattiert. Die EVG verweist seit Jahren auf mehr Übergriffe gegen das Personal und fordert mehr Schutz der Mitarbeiter.

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