Arbeitsmarkt: Jobsuche aus Sicht von jedem zweiten Befragten schwierig
- Jede vierte Person sorgt sich um ihren Arbeitsplatz.
- Für eine überwältigende Mehrheit stehen Arbeitnehmerrechte nicht zur Diskussion.
- Es herrschen geteilte Meinungen zur Rolle der Digitalisierung beim Arbeitskräftemangel.
Etwas mehr als die Hälfte (55 Prozent) der über 20.000 Teilnehmer geben im aktuellen Stimmungsbild von MDRfragt an, die Suche nach einem Arbeitsplatz derzeit schwierig zu finden. Gegenteilig dazu empfindet ein Drittel die Jobsuche als leicht. Jede achte Person konnte dazu keine Angabe machen.
Befragte, die selber nicht erwerbstätig sind, geben dabei häufiger an, dass die Suche nach einem Arbeitsplatz schwierig ist. In dieser Gruppe sind es 7 von 10 Personen (69 Prozent). Das Spektrum an Meinungen zur aktuellen Arbeitsmarktsituation ist in der MDRfragt-Gemeinschaft breit gefächert.
Jede vierte erwerbstätige Person macht sich Sorgen um eigenen Arbeitsplatz
Dabei gibt im aktuellen MDRfragt-Stimmungsbild rund jede vierte befragte Person (27 Prozent) an, selbst Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz zu haben. 7 von 10 der derzeit beschäftigten Personen sind dagegen zuversichtlich, dass ihr Arbeitsplatz auch in Zukunft besteht.
Aus den Kommentaren wird ersichtlich, dass die eigene Sorge auch von der jeweiligen Branche abhängig ist: Befragte, die in Bereichen tätig sind, welche körperliche Arbeit verlangen, sind häufig zuversichtlich. Besonders Arbeitnehmer im medizinischen Bereich und in Pflegeberufen glauben häufig daran, dass ihr Job sicher ist. Allerdings äußern einige Befragte auch Zweifel aufgrund von befristeten Arbeitsverträgen.
Aus Sicht der Befragten könnte vor allem die Automobil- und Zulieferindustrie von Arbeitsplatzverlusten betroffen sein. Fast drei Viertel aller Befragten nennen sie. Damit rangiert sie auf Platz eins, noch deutlich vor der Metall- und Stahlverarbeitung sowie der Chemieindustrie. Etwa jede zweite Person hat Sorge, dass in diesen Branchen zukünftig Jobs wegfallen.
Dagegen ist die Sorge in Bereichen wie der Nahrungsmittelindustrie oder der Mikroelektronik bzw. Halbleitern deutlich weniger verbreitet. Sie liegt unter einem Fünftel.
Arbeitnehmerrechte stehen für Befragte nicht zur Diskussion
Die derzeitige Situation auf dem Arbeitsmarkt ist teilweise schwierig. Immer wieder gibt es Vorstöße von Politikern, die wirtschaftliche Leistung Deutschlands durch verschiedene Maßnahmen anzukurbeln. Darunter auch solche, die Arbeitnehmerrechte beschneiden würden, zum Beispiel gesetzliche Feiertage, Arbeitszeitbegrenzungen oder die telefonische Krankschreibung.
Eine überwältigende Mehrheit der Befragten lehnt Debatten über solche Maßnahmen ab: 80 Prozent der Befragten geben an nicht zugunsten einer höheren Arbeitsleistung auf Rechte verzichten zu wollen. Unter Frauen ist diese Ansicht noch einmal verbreiteter als unter Männern.
Besonders eine Aussage von Friedrich Merz sorgte in letzter Zeit für Aufsehen. Der Bundeskanzler stellte die Frage, ob der seiner Meinung nach hohe Krankenstand in Deutschland verhältnismäßig "richtig" und "notwendig" sei. Bei vielen der Befragten sorgte diese Aussage für Unmut. Andere stimmten dem Kanzler hingegen zu.
Geteilte Meinungen zur Rolle der Digitalisierung
Mit Blick auf die Zukunft ist eine Zwei-Drittel-Mehrheit (66 Prozent) davon überzeugt, dass es durch die zunehmende Digitalisierung zum Verlust von Arbeitsplätzen kommen wird. Etwa jede dritte Person (31 Prozent) sieht das anders.
Allerdings sehen viele Befragte den Wegfall von Arbeitsplätzen nicht zwingend als negativ. Denn die technischen Möglichkeiten würden auch neue Chancen eröffnen und neue Berufsfelder hervorbringen. Doch auch die Sorge ist groß: Immer wieder beschrieben Befragte ihre Angst, dass nicht alle Menschen mitgenommen werden können. Das Thema Digitalisierung sei auch immer mit einer gewissen Unsicherheit verbunden.
Die Unsicherheit zeigt sich letztlich auch in geteilten Meinungen: Die Befragten sind sich uneinig, ob die Digitalisierung die Lösung für den vorherrschenden Fachkräftemangel darstellen kann. Die Hälfte der Befragten stimmt dem zu. Auffällig ist, dass die Zustimmung unter den 16- bis 29-Jährigen und in der Altersgruppe 65 und älter stärker verbreitet ist.
Über diese Befragung
Bei der Befragung „Arbeitsmarkt 2026 – Krise oder Kurswechsel“ vom 23.01.2025 bis zum 26.01.2026 haben 22.611 Menschen aus Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen teilgenommen.
Unser Ziel ist es, die Vielfalt der Argumente sichtbar zu machen. Die Kommentare der Teilnehmenden helfen uns, die Gründe für unterschiedliche Positionen und das gesamte Meinungsspektrum abzubilden.
Wir ziehen keine Stichprobe, sondern laden alle Interessierten ein, ihre Meinung einzubringen. Deshalb sind die Ergebnisse streng genommen nicht repräsentativ. Aber: An den Befragungen beteiligen sich jeweils zehntausende Menschen aus den drei Bundesländern. MDRfragt wird zudem wissenschaftlich begleitet und überprüft. Die Ergebnisse werden nach bewährten Methoden gewichtet – anhand soziodemografischer Merkmale wie Alter, Geschlecht und Bildungsgrad – und so an die tatsächliche Bevölkerungsverteilung in Mitteldeutschland angepasst. Dadurch sind die Ergebnisse aussagekräftig für die Stimmung im Sendegebiet. Durch Rundungen ergeben die Prozentwerte bei einzelnen Fragen nicht immer exakt 100.
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