Der Bau der neuen deutschen Fregatten F126 verzögert sich seit Jahren. Denn dem niederländischen Unternehmen Damen Naval ist es nicht gelungen, die aufwendige Software für die Konstruktion des Kriegsschiffes in die Produktionen der beteiligten Werften in Deutschland zu übertragen. Damen Naval ist bislang der Generalunternehmer für die F126. Nun konkurrieren Deutschlands wichtigste Marinewerftgruppen TKMS und Naval Vessels Lürssen (NVL) darum, die drohende Lücke zu füllen.

Der Bund fährt zweigleisig, um ein gefährliches Defizit in der deutschen Marinerüstung zu vermeiden. Am Dienstag schloss das zuständige Bundesamt für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr (BAAINBw) einen Vorvertrag mit der Marinewerft TKMS ab. TKMS kann nun mit vorbereitenden Arbeiten für den möglichen Bau der Fregatte Meko F-200 beginnen. Der Vorvertrag ermögliche „den Start zentraler vorbereitender Maßnahmen. Der Start ist für Februar 2026 vorgesehen“, teilte TKMS mit. „Der Vorvertrag ermöglicht bei zeitnahem Abschluss des eigentlichen Bauvertrags die pünktliche Auslieferung bis 2029.“ Die Meko F-200 wurde in verschiedenen Varianten von TKMS bereits exportiert, etwa an die ägyptische Marine.

Wie viele Meko F-200 der Bund für die Deutsche Marine letztlich bestellt, ist offen. Von der Fregatte F126 will der Bund bis zu sechs Schiffe im Gesamtwert von rund zehn Milliarden Euro haben. Die Meko F-200 reicht an die Kampfkraft der komplett neue konstruierten F126 zwar nicht heran – aber das Risiko, das die F126 ohne jeden Ersatz komplett ausfällt, ist dem Bundesverteidigungsministerium wegen der angespannten Sicherheitslage in Europa und des Ukrainekrieges zu groß.

Oliver Juckenhöfel, Executive Vice President Surface Vessels bei TKMS, sagte: „Mit dem Vorvertrag wird die Grundlage für den unmittelbaren Projekthochlauf geschaffen. Der Vertrag ermöglicht uns insbesondere die Materialbeschaffung sowie den Beginn sofortiger Stahlarbeiten auf der Bauwerft.“ Über den Vorvertrag seien zunächst Beschaffungen und Arbeiten mit einem Umfang von bis zu 50 Millionen Euro bis Ende März abgedeckt, teilt TKMS mit: „Soweit erforderlich, besteht darüber hinaus die Möglichkeit, den Vertrag schrittweise zu verlängern.“

Deutschlands zweitgrößte Marinewerftgruppe wiederum, Naval Vessels Lürssen (NVL), hatte erst in der vergangenen Woche bekannt gegeben, dass die Migration der Konstruktionsdaten für die F126 von Damen Naval in die Produktionssysteme von NVL mittlerweile gelungen sei. Dies sei ein „Meilenstein“ bei der erhofften Übernahme des Großprojektes als Generalunternehmer. „NVL arbeitet mit Hochdruck daran, das F126-Projekt in wenigen Wochen als Generalunternehmer zu übernehmen“, teilte NVL mit. „Die Weichen für einen erfolgreichen Abschluss sind gestellt: Unserem Team ist es gelungen, den Gordischen Knoten zu lösen und die Konstruktionsdaten der niederländischen Damen erfolgreich ins eigene System zu übertragen. Damit haben wir die Schnittstelle zwischen Konstruktion und Fertigung geschlossen und gemeinsam mit Damen den Weg freigemacht für einen beschleunigten Hochlauf der Produktion in den Werfthallen.“

NVL ist am Bau der F126 mit zwei Werften beteiligt. Auf der Peene-Werft in Wolgast entstehen die Hinterschiffe, bei Blohm+Voss in Hamburg soll die Endmontage, Werfterprobung und Ablieferung stattfinden. Die Vorschiffe baut das Unternehmen German Naval Yards in Kiel, dort werden Vor- und Hinterschiffe gemäß der ursprünglichen Planung auch zusammengeführt. Die erste F126 sollte schon 2028 an die Deutsche Marine übergeben werden. Nach aktuellem Stand wird sich die Indienststellung eines ersten solchen Schiffes bis mindestens 2031 verzögern.

Für welche Variante sich der Bund entscheidet, Meko F-200 oder F126, ist noch offen. Denkbar wäre bei einer Entscheidung für die Meko F-200, dass die F126 als Fregattengeneration komplett entfällt. Die F126 ist auf die U‑Boot‑Jagd und die dreidimensionale Seekriegsführung – unter Wasser, auf See, in der Luft – spezialisiert. Sie soll die Fregatten F123 der „Brandenburg-Klasse“ bei der Deutschen Marine ablösen.

Das Ringen um die neuen deutschen Kampfschiffe findet während einer tief greifenden Neuordnung der deutschen Marinerüstung statt. ThyssenKrupp brachte seine Marinewerft TKMS im Oktober an die Börse, behielt aber eine Mehrheit von 51 Prozent am Unternehmen. Die Auftragsbücher von TKMS sind derzeit vor allem mit zahlreichen Bestellungen für U-Boote gefüllt. Die Familie Lürssen wiederum will ihr Marinewerftunternehmen NVL im ersten Quartal an den größten deutschen Rüstungskonzern Rheinmetall verkaufen.

TKMS und NVL kooperieren üblicherweise eng bei Großprojekten für Marineschiffe. Die insgesamt zehn Korvetten des Typs K130 bauten beide Unternehmen gemeinsam. Auch die nächste deutsche Fregattengeneration F127 wollen die beiden Hersteller in einer Arbeitsgemeinschaft produzieren. Die Planungen für die F127 haben bereits begonnen.

Olaf Preuß ist Wirtschaftsreporter von WELT und WELT AM SONNTAG für Hamburg und Norddeutschland. Er berichtet seit mehr als drei Jahrzehnten auch über die Marinerüstung.

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