Trotz Steuersenkung: Kultur-Gastronomie hat weiter zu kämpfen
- Der Kulturbereich ist ein schwieriges Pflaster für Gastronomen.
- Gaststätten in Theatern, Museen und Co. haben oft wenig Laufkundschaft.
- Die Steuersenkung schlägt sich nicht auf die Preise nieder, sagt eine Gastronomin.
Vor dem Theater noch kurz eine Kleinigkeit essen oder nach dem Konzert ein Bier oder Wein trinken – Kulturveranstaltungen verlangen geradezu nach einem geselligen Austausch und das gerne vor Ort in netter Atmosphäre. Doch leider ist dieses Zusammenspiel gar nicht so leicht zu gewährleisten. Denn eine angemessene Gastronomie in Kulturbetrieben anzubieten, ist durchaus eine Herausforderung, sagt Jutta Strehl, die mit ihrem Unternehmen Just Catering unter anderem das Puppentheater Magdeburg beliefert.
Das Café P im Puppentheater in MagdeburgBildrechte: Puppentheater MagdeburgGastronomie im Kulturbereich wenig profitabel
"Wenn eine Gastronomie in einem Kulturobjekt eröffnet wird, ist es sehr schwierig, ein Niveau zu erreichen, auf dem man existieren kann", sagt Jutta Strehl. Denn als Gastronomie, die ein Kulturprogramm begleite, habe man immer wieder Leerlauf: "Da muss man sich ein System überlegen, wie man ein Objekt führen kann, ohne dass es so viele Defizite erarbeitet, dass man es nicht mehr halten kann."
Neben der gemütlichen Einrichtung locken auch moderate Preise Mittagsgäste ins Café P.Bildrechte: Puppentheater MagdeburgJutta Strehl betreibt ihr Unternehmen Just Catering seit 27 Jahren, beliefert mit ihren 15 Mitarbeitenden nicht nur Firmen und Privatpersonen, sondern hat auch einen Vertrag mit dem Puppentheater Magdeburg. Allerdings liefert sie nur noch das Mittagsmenü. Für den Service und die Bar im sogenannten Café P hat das Theater in Eigenregie Oliver Südow eingestellt. So könne man das Angebot verlässlich über den ganzen Tag abdecken.
Publikum dank Mittagsgeschäft
"Dass man vor der Vorstellung nochmal einen Wein trinken kann oder noch einen Aperitif nimmt, dass man nicht gestresst ankommt, sich erstmal kurz hinsetzt und noch einen Kaffee trinkt zum Beispiel", darin sieht Südow die Bedeutung der Gastronomie im Theater. Eine der Herausforderungen: Er habe wenig Laufpublikum.
Allerdings bringe das Mittagsgeschäft nicht nur Mitarbeitende des Theaters, sondern auch Menschen aus dem Umfeld des Hauses in sein Café: "Die Leute, die hier arbeiten, die hier wohnen, nehmen das gerne wahr und freuen sich." Weil das Cafe P, das vom Puppentheater gemütlich dekoriert wurde, auch als eine Art Kantine für die rund 50 Mitarbeitenden dient, halten sich auch die Preise im Rahmen.
Ein besonderer Kulturort: Das Puppentheater MagdeburgBildrechte: MDR/Michael RosebrockIn jenen Häusern, die nur von außen bewirtschaftet werden, ist das häufig anders. So etwa im Kunstmuseum Magdeburg im ehemaligen Kloster, dem Gesellschaftshaus: Die Easy Gastro GmbH hat sich auf die Bewirtschaftung historischer Gebäude spezialisiert. Nur zu spezifischen Zeiten bietet sie Getränke, Snacks, Kaffee und Kuchen. Die Preise sind mit 8 bis 9 Euro für einen Wein recht hoch. Das Argument: Mitarbeiter seien schwer zu finden und müssten anständig bezahlt werden.
Die Mehrwertsteueränderung wird sich beim Kunden nicht niederschlagen.
Schwieriges Publikum und hohe Personalkosten
Für die Betreiber von Kultureinrichtungen ist dies aber fast die einzige Chance, überhaupt etwas Gastronomisches anzubieten, sagt auch Bettina Pesch, die Verwaltungsdirektorin des Theaters Magdeburg: "Das ist ein kurzfristiges Geschäft, was schwer zu kalkulieren ist. Dafür Betreiber zu finden, ist nicht einfach."
Das Kloster Unser Lieben Frauen beherbergt heute das Kunstmuseum Magdeburg.Bildrechte: MDR/Florian LeueDennoch habe man den Vertrag im Schauspielhaus nicht verlängert. Das angrenzende Restaurant ist momentan geschlossen. Es funktioniere nicht, sagt Pesch. Das Publikum sei einfach sehr eigen: "Sie wollen gerne etwas speisen, das muss schnell gehen, darf aber nichts kosten. Sie wollen es vor der Vorstellung, dann muss es dann ganz besonders schnell gehen, darf aber dann nicht schwer im Magen liegen." Ein richtiges Restaurant empfehle sich da nicht. Nach den Vorstellungen sei es dann oft zu spät für größere Mahlzeiten.
Das ist ein kurzfristiges Geschäft, was schwer zu kalkulieren ist.
Jutta Strehl spricht von einem leicht exzentrischen Publikum, "so wie die Künstler" – was sie allerdings durchaus schätzt. Sie bewirtschaftet neben dem Puppentheater auch das Kulturzentrum Moritzhof in der Neustadt. Dort lädt ein Verein zu Lesungen, Kino und Konzerten. Das könne man nur aus Leidenschaft machen und man sei froh, wenn man keine roten Zahlen schreibe.
Momentan ohne Gastronomie: Das Schauspielhaus in MagdeburgBildrechte: picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild/Peter GerckeSteuersenkung kommt nicht beim Kunden an
"Die Mehrwertsteueränderung wird sich beim Kunden nicht niederschlagen", so Strehl. "Aber wenn wir die Leute haben wollen, dann müssen wir das Niveau halten im Preis." Kostendeckend zu arbeiten, sei so nicht möglich. Jutta Strehl kann die Defizite allerdings mit ihrem florierenden Unternehmen mit Großküche abpuffern. Ein Herzensprojekt, das sie betreibt, weil sie "einfach kulturbegeistert" sei.
Wenn die Kultur und Gastronomie eine Symbiose eingehen können, dann ist das für alle eine Bereicherung – für den Kulturort, das Publikum und am Ende eine Aufwertung eines ganzen Stadtteils.
Quelle: MDR KULTUR (Sandra Meyer), Redaktionelle Bearbeitung: tis
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke