• Der Gesamtverband Autoteile-Handel befürwortet gebrauchte Ersatzteile zur Kostensenkung, sieht bei Karosserieteilen aber keinen finanziellen Vorteil.
  • Der ZKF warnt vor Risiken beim Einsatz gebrauchter Ersatzteile und kritisiert ungeklärte Fragen zu Garantie, Haftung und Wertverlusten bei Leasingfahrzeugen.
  • Beim Verkehrsgerichtstag in Goslar soll geklärt werden, wie der Einsatz gebrauchter Teile umgesetzt wird.

Dass gebrauchte Ersatzteile in Autos eingebaut werden, ist nicht neu. Recht neu ist dagegen, dass die Versicherung dafür zahlt. Mitte 2024 war die Allianz damit in die Offensive gegangen, viele andere sind nachgezogen.

Steigende Kosten neuer Teile

Beim Gesamtverband Autoteile-Handel hält man das für einen sinnvollen, weil logischen Schritt. Verbandspräsident Thomas Vollmar spricht das Beispiel eines Scheinwerfers an: "Vor 20 Jahren haben die circa 50 bis 100 Euro gekostet. Heute kostet ein Scheinwerfer, wenn sie mit dem einen kleinen Unfall haben, 2.000 Euro im Austausch."

Das treibe auch die Prämien deutlich nach oben, sagt Vollmar. "Insofern ist klar, dass man versucht, Kosten einzusparen. Sei es bei den Karosserieteilen, aber auch bei den nachgelagerten Teilen."

Aber es sei eben auch nicht immer sinnvoll, sagt Vollmar. Sein Verband sei zwar grundsätzlich dafür, Gebrauchtteile zu verbauen, wenn sie von namhaften Teileherstellern qualitativ hochwertig aufbereitet wurden.

Bei den Karosserieteilen sehe sein Verband das jedoch kritisch: "Nicht wegen der Qualität, sondern wegen den Kosten. Wir sind der Meinung – und das zeigt auch die Praxis –, dass, wenn man die ganzen Reparaturprozesse am Schluss aufsummiert, der Kostenvorteil nicht mehr gegeben ist."

Kritik vom ZKF

Deutlich kritischer ist man beim Zentralverband Karosserie- und Fahrzeugtechnik (ZKF) der über 3.000 Reparaturbetriebe vertritt. Schon im vergangenen Jahr hatte der Verband ein 8-Punkte-Papier veröffentlicht, in dem er vor den Risiken warnt.

Auf ein paar Punkte habe man sich mit den Versicherern einigen können, sagt ZKF-Hauptgeschäftsführer Thomas Aukamm. Etwa, dass sicherheitsrelevante Ersatzteile nicht gebraucht sein dürften.

Vieles andere sei aber noch nicht geklärt, sagt Aukamm. Zum Beispiel wer die Garantie übernimmt: "Der Versicherer sagt zwar, er übernimmt die Garantie für ein gebraucht verbautes Ersatzteil, allerdings wird es in der Realität so sein, dass er die Garantie auf die Werkstatt abwälzt." Aukamm wirft die Frage auf, wer der Verwendung von Gebrauchtteilen dann überhaupt zustimmt.

Auch der Umgang mit Leasingfahrzeugen sei unklar, sagt Aukamm. Ein mit gebrauchten Teilen repariertes Leasing-Auto sei weniger wert, als eines, das mit neuen Teilen versehen wurde. "Wer kommt für die Differenz auf?", fragt er.

Kreislaufwirtschaft setzt sich durch

Diese Fragen nimmt Aukamm mit nach Goslar, wo er im zuständigen Arbeitskreis sitzen wird. Dort wird es aber vor allem um das "Wie" gehen, nicht um das "Ob". 

Recycling werde in der Branche nämlich zu einem immer wichtigeren Faktor, sagt Rico Chmelik, Geschäftsführer des Branchennetzwerks Automotive Thüringen. Nicht nur Versicherungen, sondern auch die großen Autobauer Renault, Stellantis und VW setzten verstärkt darauf. "Da sieht man, dass sich die Kreislaufwirtschaft vom Pilotprojekt zum industriellen Standard hin entwickelt. Und genau das ist ein Weckruf und eine Einladung für die Zulieferer zugleich."

Die, so Chmelik, müssten sich mit der Frage auseinandersetzen, unter welchen Bedingungen Kreislaufwirtschaft für ihre eigenen Geschäftsmodelle wirtschaftlich machbar ist.

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