Die landesweiten Proteste gegen das iranische Regime rufen US-Präsident Trump auf den Plan: Handelspartnern Teherans droht er mit Zöllen. Wen würde es treffen – und wie stark?

Sie begannen mit einigen Händlern, die wegen der hohen Preise auf die Straße gingen – und weiteten sich zu einem Flächenbrand aus. Die Demonstrationen im Iran bringen das islamische Regime ins Wanken. Mit Gewalt versucht die Regierung die Lage unter Kontrolle zu bekommen. Laut der in Norwegen ansässigen Menschenrechtsorganisation "Iran Human Rights" wurden bis Montagabend 648 Demonstranten getötet.

Die Aufstände haben auch US-Präsident Donald Trump auf den Plan gebracht. Nach Angaben des Weißen Hauses erwägt er eine mögliche Militärintervention im Iran. Luftangriffe seien "eine der vielen, vielen Optionen", die für Trump auf dem Tisch lägen, sagte seine Sprecherin Karoline Leavitt. Zugleich betonte sie aber auch, dass "die Diplomatie immer die erste Option für den Präsidenten" sei. Nun ist noch eine weitere Option hinzugekommen: Zölle.

"Mit sofortiger Wirkung wird jedes Land, das Geschäfte mit der Islamischen Republik Iran macht, einen Zoll von 25 Prozent auf den gesamten Handel mit den Vereinigten Staaten von Amerika zahlen", schrieb Trump am Montag auf seiner Plattform Truth Social. Sollte der US-Präsident seine Drohung wahrmachen, würden eine ganze Reihe von Ländern empfindlich getroffen. Laut Daten der Weltbank aus dem Jahr 2022 exportierte der Iran an 147 Staaten – darunter Deutschland. 

China an der Spitze, aber auch Deutschland ist ein wichtiger Handelspartner

Die wichtigsten Exportpartner des Iran sind China und weitere ostasiatische Länder, die Vereinigten Arabischen Emirate und der Irak. Beim Import befinden sich Deutschland und Italien unter den Top fünf.  Der weltweit wichtigste Handelspartner des Iran ist China. Laut der Weltbank-Statistik exportierte das Land im Jahr 2022 Produkte im Wert von 22 Milliarden Dollar nach China und importierte Waren im Wert von 15 Milliarden Dollar. Besonders wichtig: Erdöl. Im Jahr 2025 kaufte China Daten der Analysefirma Kpler zufolge mehr als 80 Prozent des verschifften iranischen Öls.

Der bilaterale Handel zwischen Indien und dem Iran belief sich in den ersten zehn Monaten des Jahres 2025 nach Angaben des indischen Handelsministeriums auf 1,34 Milliarden Dollar. Zu den wichtigsten indischen Exporten in den Iran gehören Basmatireis, Obst, Gemüse und pharmazeutische Produkte. Aus der Türkei führte der Iran im Jahr 2022 Waren im Wert von 6,1 Milliarden Dollar ein – und exportierte Waren für 5,8 Milliarden Dollar dorthin.

Auch mit Südkorea und Japan handelt der Iran weiterhin – allerdings in geringem Umfang. Südkoreas Exporte in den Iran betrugen von Januar bis November 2025 Daten der Korea International Trade Association zufolge 129 Millionen Dollar. Die Importe aus dem Iran lagen im selben Zeitraum bei 1,6 Millionen Dollar. Japan importierte den jüngsten Handelsdaten bis November 2025 zufolge geringe Mengen an Obst, Gemüse und Textilien aus dem Iran. Im Gegenzug lieferte Japan einige Maschinen und Fahrzeugmotoren.

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In der EU ist Deutschland der wichtigste Handelspartner des Iran. Die deutschen Exporte in den Iran sind zwar zuletzt um ein Viertel zurückgegangen. Laut Statistischem Bundesamt sanken sie von Januar bis November 2025 auf 871 Millionen Euro. Doch die Importe aus dem Iran stiegen im vergangenen Jahr um 1,7 Prozent auf 217 Millionen Euro. Deutschland exportiert vor allem Maschinen, pharmazeutische und chemische Erzeugnisse in die islamische Republik. Aus dem Iran importiert die Bundesrepublik dagegen vor allem Nahrungsmittel, allen voran Pistazien. Außerdem werden zum Beispiel geknüpfte Teppiche aus Wolle oder feinen Tierhaaren nach Deutschland geliefert. Die Einfuhren aus dem Iran machten 2025 allerdings weniger als 0,02 Prozent der gesamten deutschen Importe aus.

Kritik: Iran "kein normaler Handelspartner"

Am deutschen Iran-Geschäft gab es in der Vergangenheit immer wieder scharfe Kritik aus Israel. "Der Iran ist kein normaler Handelspartner", sagte etwa der israelische Botschafter in Deutschland, Ron Prosor. "Von jedem Euro, der in die Hände der Mullahs fließt, kommen 50 Cent als Terror zurück."

In den vergangenen Jahren hat sich das Handelsvolumen zwischen Deutschland und dem Iran laut Auswärtigem Amt stark verringert. Grund dafür sind Sanktionen, die gegen den Iran verhängt wurden. 2017 belief sich der deutsch-iranische Handel demnach auf 3,4 Milliarden Euro, bis 2019 reduzierte er sich auf die Hälfte. 2024 betrug das Außenhandelsvolumen nach Ministeriumsangaben rund 1,5 Milliarden Euro. Bislang ist unklar, ob die von Trump angedrohten Strafzölle für Deutschland gelten sollen – allerdings ist auch nirgendwo von einer Ausnahme die Rede. 

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ksc/rtr/AFP
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