So viele Firmen pleite wie seit 20 Jahren nicht mehr
- In diesem Jahr gab es in Deutschland besonders viele Insolvenzen.
- Ein Grund sind die ausgelaufenen Corona-Subventionen.
- Auch in Mitteldeutschland gingen viele Firmen pleite.
Turpin Rosenthal dreht momentan jeden Cent um. Alles stehe auf dem Prüfstand, weniger erfolgreiche Geschäftsfelder könnten eingestampft werden, sagt der Geschäftsführer des Thüringer Traditionsunternehmens Könitz Porzellan. "Ich kann jetzt nicht behaupten, dass keinerlei Personalabbau passieren wird. Denn wir müssen schon schauen, dass die Lohnkosten nicht schneller steigen als der Umsatz."
Wegen Mindestlohnerhöhung weniger wettbewerbsfähig
Könitz Porzellan ist seit einigen Wochen insolvent. Auslöser war ein Rechtsstreit in Frankreich. Das Unternehmen nutzt die sogenannte Insolvenz in Eigenverwaltung, in der sie selbst am Ruder bleibt. Bis März will Turpin Rosenthal die Firma wieder auf Spur gebracht haben.
Einfach sei das nicht, denn in Deutschland gebe es momentan schwierige Bedingungen. "Unsere Kosten sind massiv gestiegen. Durch die letzte Mindestlohnsteigerung gehen alle Löhne hoch, das macht uns international weniger wettbewerbsfähig."
Besonders viele Firmen pleite gegangen
Könitz Porzellan ist mit den Problemen nicht allein. Deutschland zählte 2025 so viele Pleiten wie seit Langem nicht mehr. Bis Ende des Jahres könnten knapp 24.000 Firmen Insolvenz angemeldet haben, rechnet die Wirtschaftsauskunftei Creditreform vor. Offizielle Zahlen vom Statistischen Bundesamt sind erst im nächsten Frühjahr zu erwarten.
Immerhin, im November gingen die Insolvenzen zurück, sie blieben aber auf hohem Niveau, sagt Steffen Müller, Leiter der Insolvenzforschung im Institut für Wirtschaftsforschung Halle. "Vergleicht man das Ganze mit den Jahren vor diesen Doppelkrisen aus Pandemie und Ukraine-Krieg, dann liegen die Zahlen von heute sogar 50 Prozent höher als damals." Ähnlich hohe Werte habe es vor 20 Jahren gegeben. Damals galt Deutschland mit seiner Konjunkturschwäche als "kranker Mann Europas".
Gründe für Insolvenzen vielschichtig
Heute sind die Gründe für die vielen Insolvenzen vielschichtiger. Sie hätten auch etwas mit Corona zu tun, sagt Steffen Müller. Subventionen, die Unternehmen während und nach der Pandemie am Leben hielten, seien jetzt weg – und lösten eine Pleitewelle aus. "Da haben sich einfach Insolvenzen aufgestaut und dieser Stau wurde in den letzten drei Jahren aufgelöst."
Leere Auftragsbücher, hohe Kosten und viel Bürokratie
Zum anderen ist es das konjunkturelle Umfeld, dass den Betrieben zu schaffen macht. Die Auftragsbücher seien ziemlich leer, hinzu kämen strukturelle Probleme, sagt Marc Evers von der Deutschen Industrie- und Handelskammer: "Die Kosten sind sehr hoch, die Kosten für Energie, die Kosten für Personal, die Kosten für Beschaffung, die in Teilen wirklich enorme Bürokratielast."
Die Unternehmen sähen zudem eine hohe Unsicherheit. "Gerade der größte Handelspartner USA, das ist ja eine sehr erratische Handelspolitik und Zollpolitik, die da betrieben wird. Aber eben auch im Inland. Die Unternehmen wissen nicht so recht, womit sie planen sollen", erklärt Marc Evers.
Auch in Mitteldeutschland viele Insolvenzen
Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen bilden keine Ausnahme, die Zahl der Insolvenzen ist hier ähnlich hoch wie im gesamten Bundesgebiet. Eine Trendwende sieht Marc Evers von der DIHK nicht. In den Umfragen unter den Betrieben zeige sich weiterhin eine trübe Stimmung.
Steffen Müller vom Institut für Wirtschaftsforschung ist optimistischer. Er glaubt, dass 2026 die Talsohle nach Corona durchschritten wird, und hält leicht sinkende Zahlen für möglich.
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