Neuer Notenbank-Chef in Österreich übernimmt - kommt ein Kurswechsel?
Österreichs Zentralbank verfolgte innerhalb der EZB zuletzt einen eher straffen Zinskurs. Nun wechselt die Spitze der Notenbank. Der frühere Arbeits- und Wirtschaftsminister Kocher übernimmt. Noch ist unklar, ob er die Linie seines Vorgängers fortsetzt oder eher zum Lager der "Tauben" zählt.
An der Spitze der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) steht ein Wechsel an: Zum September löst der Universitätsprofessor und frühere Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Kocher den bisherigen Zentralbankchef Robert Holzmann ab. Damit stellt sich die Frage nach dem künftigen geldpolitischen Kurs der OeNB. Als Notenbank-Gouverneur war Holzmann zudem Mitglied im Rat der Europäischen Zentralbank (EZB), wo er als Verfechter einer straffen Linie galt, im Fachjargon als "Falke" bezeichnet.
Der 76-jährige Holzmann, ein ehemaliger Vizepräsident der Weltbank, war von der rechten FPÖ für das Amt nominiert worden. Während seiner sechsjährigen Amtszeit stimmte er wiederholt gegen die Mehrheitsmeinung. Zuletzt eckte er bei der Zinssitzung im Juni an, als er als einziger Währungshüter gegen die Zinssenkung votierte. Offen ist, ob der 51-jährige Kocher, ein Verhaltensökonom, dieser Linie folgt oder sich den als "Tauben" bekannten Vertretern einer lockeren Geldpolitik anschließt.
Der frühere Direktor des Instituts für Höhere Studien (IHS) war im Januar 2021 von der konservativen ÖVP als parteiloser Minister in die Regierung berufen worden. Seit seinem Ausscheiden aus der Politik vor rund einem halben Jahr hat sich der passionierte Läufer und begeisterte Koch zu geldpolitischen Entscheidungen weitgehend bedeckt gehalten. Wegbegleiter beschreiben Kocher als pragmatisch, er könne aber sehr entschieden handeln, wenn er von der Richtigkeit einer Sache überzeugt sei.
Kochers erste Abstimmung über den Leitzins im EZB-Rat steht am 11. September an, zwei Tage vor seinem Geburtstag. Nach einer Serie von sieben Zinssenkungen in Folge hatte die EZB im Juli eine Pause eingelegt und den Einlagesatz bei zwei Prozent belassen.
Der gebürtige Salzburger tritt sein Amt in einer für die österreichische Wirtschaft herausfordernden Zeit an. Das Land steckte zuletzt zwei Jahre lang in einer hartnäckigen Rezession und kämpft mit einem hohen Haushaltsdefizit. Auch im laufenden Jahr dürfte die Alpenrepublik mit einem hauchdünnen Wirtschaftswachstum eines der Schlusslichter in der Europäischen Union (EU) bleiben. Zudem liegt die Teuerung weit über dem EU-Durchschnitt.
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