Ende der Zollausnahme - nach rund 90 Jahren
Bisher waren in die USA Pakete mit geringem Wert zollfrei - seit heute gilt das nur noch für Geschenke unter 100 Dollar. Verbraucherschützer sehen Vorteile in der Neuregelung, andere meinen, es gebe nur Verlierer.
Die Amerikaner sind die wahrscheinlich leidenschaftlichsten Shopper überhaupt. "Wir kaufen einfach viel Zeug", sagt Courtney Griffin von der Verbraucherorganisation "Consumer Federation of America" im Sender NPR - und deshalb betreffe es jetzt jeden, dass Wareneinfuhren mit einem Wert von unter 800 Dollar nicht mehr zollfrei sind.
Künftig gilt für solche Pakete in den USA die gleiche Importsteuer wie für andere Produkte aus dem jeweiligen Herkunftsland. Eine Ausnahme gibt es für "echte" Geschenke im Wert unter 100 Dollar.
Etwa 90 Jahre lang hatte die sogenannte De-minimis-Regel Bestand, ihr Wegfall ist ein schwerer Schlag für den Internet-Kommerz, gerade auch für asiatische Unternehmen wie Temu und Shein. Sehr günstige Produkte direkt bei ausländischen Anbietern zu bestellen - für viele US-Amerikaner dürfte das künftig nicht mehr so attraktiv sein.
Zoll: Drogen in zollfreien Paketen
Griffin war kein Freund der Zollausnahmen: "Sie riefen erhebliche Bedenken hinsichtlich der Produktsicherheit hervor, da niedrigwertige Importe nur minimalen Zollkontrollen unterzogen wurden, und es dadurch leichter möglich war, dass unsichere Produkte auf den US-Markt gelangten - oder Produkte, die nicht den Standards entsprachen."
Laut dem Zoll waren im vergangenen Jahr 98 Prozent der abgefangenen Drogen in zollfreien Paketen verpackt - genauso wie 97 Prozent der gefälschten Waren und 70 Prozent der gesundheitsgefährdenden Produkte. Fast vier Millionen dieser Pakete wurden im vergangenen Jahr in die USA geliefert - jeden Tag, mehr als zehnmal so viele wie im Jahr 2015.
Handelsexpertin: Nur Verlierer
Die Handelsexpertin Deborah Elms von der Stiftung Hinrich Foundation glaubt, dass das Ende der "De-minimis-Regel" nur Verlierer schaffe. Sie beschränke etwa die Chancen vor allem von kleinen Unternehmen im Ausland, Märkte in den USA zu finden, so Elms beim Sender CNBC. "Es beschränkt die Möglichkeiten kleiner, spezialisierter Unternehmen in Amerika, ungewöhnliche Produkte auf dem Weltmarkt zu finden und diese dann ihren Kunden im Inland zu verkaufen", so Elms weiter. "Und es beschränkt den Zugang von amerikanischen Konsumenten zu einer großen Zahl von Produkten aus dem Ausland." Unter dem Strich sei das einfach nur traurig.
Einst war die "De-minimis-Regel" eingeführt worden, weil die Zollabfertigung von Einfuhren mit geringem Wert die Regierung mehr kostete, als sie durch die Verzollung einnehmen konnte. Das Ende dieser Regel trifft nun vor allem die Amerikaner, die nur wenig Geld ausgeben können.
Postdienstleister stoppen Versand
Verbraucherschützerin Griffin von der Consumer Federation rät dazu, dass Konsumenten ihre Gewohnheiten ändern: "Am besten einheimische Produkte kaufen", sagt Griffin. Man erspare sich den Zoll und müsse sich auch nicht mit Lieferproblemen rumschlagen.
Wie die US-Behörden nun den Zoll auf die Billigpakete erheben wollen, ganz praktisch, das ist offenbar überhaupt nicht klar. Postdienstleister aus 25 Ländern haben deshalb den Versand solcher Pakete nach Amerika ausgesetzt, bis auf Weiteres, so der Weltpostverein.
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