Umsatz des Einzelhandels sinkt im Sommer
Die Inflation ist gesunken und die Gehälter sind gestiegen. Trotzdem ist die Kauflaune der Verbraucher in Deutschland verhalten. Vor allem bei Lebensmitteln und Online-Käufen wird gespart.
Der deutsche Einzelhandel ist überraschend schlecht in die zweite Jahreshälfte gestartet. Der Umsatz sank im Juli um 1,0 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt heute mitteilte. Inflationsbereinigt fiel der Rückgang mit real 1,5 Prozent noch größer aus.
Vor allem bei Nahrungsmitteln und bei Online-Käufen hielten sich die Verbraucher zurück: Der Umsatz mit Lebensmitteln fiel real um 1,8 Prozent niedriger aus als im Juni. Der Internet- und Versandhandel verzeichnete sogar einen Rückgang von 3,8 Prozent. Der Branchenverband HDE rechnet für das Gesamtjahr mit einem Umsatzplus von zwei Prozent. Real soll es auf einen Zuwachs von 0,5 Prozent hinauslaufen.
Ökonomen sprechen von "Rückschlag"
Experten hatten mit einem weniger starken Umsatzrückgang gerechnet: Alexander Krüger, Chefvolkswirt bei Hauck Aufhäuser Lampe, bezeichnete den Rückgang als "Rückschlag" und ergänzt: "Bei steigenden Realeinkommen dürfte der Konsum letztlich zunehmen. Zunehmende Sorgen um den eigenen Arbeitsplatz sprechen aber nicht für eine höhere Dynamik. Auch die Stimmung der Einzelhändler zeigt keine Zuversicht."
Cyrus de la Rubia von der Hamburg Commercial Bank stellt fest: "Das sind schlechte Nachrichten nicht nur für den Einzelhandel, sondern auch für die deutsche Konjunktur insgesamt." Während wenig Zweifel daran bestehe, dass die Nachfrage aus dem Ausland durch die US-Zölle unter Druck ist, habe noch eine gewisse Hoffnung bestanden, dass die privaten Verbraucher für einen Nachfragezuwachs sorgen.
"Immerhin steigen die Löhne ja wieder und die Inflation ist niedrig, da sollte eigentlich Ausgabenspielraum da sein", so de la Rubia. "Für Juli wurden diese Hoffnungen jedoch enttäuscht. Der Stimmungsumschwung, den die neue Bundesregierung versprochen hat, lässt weiter auf sich warten."
Mehr bleibt übrig vom Gehalt
Dabei ist die Kaufkraft der Deutschen im zweiten Quartal erneut gestiegen - die Löhne legten real um 1,9 Prozent durchschnittlich zu. wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Das ist bereits der neunte Quartalszuwachs in Folge.
Der Reallohn gibt an, wie viel den Arbeitnehmern nach Abzug der Inflation tatsächlich übrigbleibt. Der Anstieg fällt höher aus als im ersten Quartal (1,2 Prozent), aber geringer als am Jahresende 2024 - damals lag er bei 2,5 Prozent. Nominal legten die Löhne im Frühjahr um rund 4,1 Prozent zu, während die Verbraucherpreise um 2,1 Prozent stiegen.
Große Unterschiede je nach Branche
In den einzelnen Branchen fielen die nominalen Lohnzuwächse sehr unterschiedlich aus. Überdurchschnittliche Steigerungen gab es bei den Finanz- und Versicherungsdienstleistern (+7,6 Prozent), den freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistern (+7,6 Prozent) und den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistern (+5,5 Prozent).
In den Bereichen Handel, Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (+2,7 Prozent) und Kunst, Unterhaltung und Erholung (ebenfalls +2,7 Prozent) sowie Verkehr und Lagerei (+1,7 Prozent) fielen die Zuwächse vergleichsweise gering aus. In der Energieversorgung sanken die Löhne sogar um 0,2 Prozent.
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