Grande Dame des deutschen Films
Fast 70 Jahre ist sie im Geschäft. Weltstar, Charakterdarstellerin auf der Bühne, Mittelpunkt in über 100 Filmen und TV-Serien. Überfliegerin. Zeitlose Schönheit. Grande Dame des deutschen Films. Und so weiter. Die Hymnen auf die beliebteste deutschsprachige Darstellerin wollen kein Ende nehmen. Am 13. Mai wird Senta Berger 85 Jahre alt.
Familienprojekt "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke"
In diesem Frühjahr war Senta Berger in der Tragikomödie "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" in den Kinos zu sehen, ein Film nach dem gleichnamigen autobiografischen Roman des Schauspielers und Schriftstellers Joachim Meyerhoff. Unter der Regie ihres Sohns Simon Verhoeven (53) spielt sie die ehemalige Theater-Diva Inge, die ihren Enkel, der in München zur Schauspielschule geht, bei sich aufgenommen hat. In einer Szene erklärte sie dem jungen Mann: "Die Schauspielerei ist ja ein sehr spezieller Beruf. Nervenaufreibend, demütigend."
Senta Berger hatte lange überlegt, ob sie für diesen Film die richtige Schauspielerin ist, ihr Mann, der Regisseur und Filmproduzent Michael Verhoeven (1938-2024), hatte sie schließlich davon überzeugt. Nun wurde sie für diese Arbeit als beste Hauptdarstellerin für den Deutschen Filmpreis nominiert.
Dreharbeiten nach dem schweren Schicksalsschlag
Als im April vergangenen Jahres die Dreharbeiten begannen, litt Berger noch unter dem schwersten Schicksalsschlag ihres Lebens: Ihr Mann war am 22. April 2024 mit 85 Jahren gestorben. 61 Jahre waren die beiden ein Paar, 58 davon verheiratet.
Der Tod ihres Mannes, mit dem sie die Söhne Simon und Luca Verhoeven (47) hat, traf sie schwer. "Es ist eine Lücke, die nie mehr zu füllen sein wird", sagte sie in einem Interview mit "Frau im Spiegel". Sohn Simon glaubt, dass "der Tod meines Vaters das Schlimmste war, was ihr passiert ist". Damit zurechtzukommen, werde wohl auch das Thema "bis zu ihrem Lebensende bleiben", sagte er der "tz".
Senta Berger und Michael Verhoeven: Polterabend auf der Wiesn
Sie hatte den drei Jahre älteren Medizinstudenten und leidenschaftlichen Cineasten 1963 kennengelernt. Er kam aus einer Schauspielerfamilie, sein Vater war der Regisseur Paul Verhoeven. Der legendäre Theatermann hatte 1975 bei seiner Trauerrede für die tote Kollegin Therese Giehse einen Herzinfarkt erlitten und war auf der Bühne gestorben. Sein letztes Wort war "Menschlichkeit".
Die Beziehung des jungen Verhoeven und Senta Berger begann in Berlin in einem fahrenden Auto. Sie stritten um Fellinis Film "Achteinhalb". "An der Ecke Meinekestraße hatte er genug und wollte aussteigen. Aber die Autotür klemmte. Da ist er tatsächlich durch das Beifahrerfenster gehechtet und war weg", berichtete Senta dem "Tagesspiegel".
1966 haben die beiden geheiratet. "Im Schottenhamelzelt haben wir unseren Polterabend gefeiert", erzählte sie spot on news vor ein paar Jahren in einem Interview. "Es waren unsere Familien da und unsere Freunde. Es war herrlich. Die Musik hatte noch nicht diese unheimlichen Verstärker, wir tanzten auf der Empore, aber man konnte sich auch noch wirklich unterhalten, ohne sich anbrüllen zu müssen. Michael hat mir ein Herz geschossen und eine rote Rose. Die habe ich noch. Und dann sind wir Achterbahn gefahren - als Vorgeschmack aufs spätere Leben."
Verhoeven wurde zunächst Arzt und promovierte mit dem Thema "Psychiatrische Maskierung von Gehirntumoren unter besonderer Berücksichtigung irreführender Befunde", wandte sich dann aber der Filmkunst zu. Dr. Michael Verhoeven wurde mit Filmen wie "Die weiße Rose" und "Das schreckliche Mädchen" (Oscar-Nominierung 1991) einer der besten deutschen Regisseure. Mit seiner Frau drehte er die TV-Serie "Die schnelle Gerdi" (1989).
Hollywood und Kultrollen statt Schauspielschule
Da hatte Senta Berger ihre Hollywood-Karriere bereits abgehakt. Schon mit 16 war sie Schauspielerschülerin am Max Reinhardt Seminar in ihrer Heimatstadt Wien, doch bereits als Vierjährige war sie mit ihrem Vater, der Wiener Lieder komponierte, um die Häuser gezogen. Der Vater saß am Klavier, die Tochter sang.
Die Schauspielschule konnte sie nicht beenden, denn sie flog vorher raus, weil sie ohne Erlaubnis der Direktion eine Rolle im Film "Die Reise" mit Weltstar Yul Brynner (1920-1985) übernommen hatte. Da war sie 18.
1962 hat sie den Sprung nach Hollywood gewagt und mit Superstars wie John Wayne, Charlton Heston, John Huston, Kirk Douglas, Frank Sinatra, Dean Martin, Richard Widmark und Yul Brynner gedreht. Letztendlich wurden sie alle von einem jungen Arzt ausgestochen, denn Senta Berger ging von Hollywood direkt nach Grünwald bei München als Frau Verhoeven. "Das war mein Mann, das war mein Halt, das war mein Geliebter, das war mein Alles! Ich war absolut unantastbar, und das habe ich ausgestrahlt", sagte sie der Illustrierte "Bunte".
Es folgte eine Karriere als Bühnendarstellerin mit Stationen am Schillertheater in Berlin, am Thalia-Theater in Hamburg, am Burgtheater in Wien. Zwischen 1974 und 1982 war sie die Buhlschaft im "Jedermann" bei den Salzburger Festspielen an der Seite von Curd Jürgens und Maximilian Schell. Unvergessen bleibt auch ihr komödiantisches Talent in ihrer Kultrolle als Mona in "Kir Royal" (1985). Und weil eine ihrer großen Stärken das Erzählen von Geschichten ist, hat sie an zahlreichen Hörspielen und Hörbüchern mitgewirkt.
Dramatische Enthüllungen in ihrer Autobiografie
2006 erschien ihre Autobiografie "Ich habe ja gewusst, dass ich fliegen kann: Erinnerungen" (Kiepenheuer & Witsch). Darin erzählt sie auch von den demütigenden Situationen ihres Berufs und schildert unliebsame Begegnungen, etwa mit dem berühmten Kollegen O.W. Fischer, mit dem sie 1961 "Es muss nicht immer Kaviar sein" drehte.
Auszug: "O.W. Fischer stürzte sich auf mich und versuchte, meine Bluse zu öffnen. Ich gab ihm einen Stoß. Dabei fiel ich mit dem Stuhl nach hinten und er auf mich. In der Hand hielt er die gesamte Knopfleiste meiner Bluse. Ich habe nur noch sein Keuchen im Ohr! Als er meine Hose aufreißen wollte, fuhr ich ihm mit einer Hand ins Gesicht. Er gab mir eine entsetzliche... Ohrfeige und flüsterte außer Atem: 'So sei doch nicht so dumm'."
Auch Richard Widmark und Charlton Heston haben sie sexuell belästigt. Ihr schlimmstes Erlebnis hatte sie 1965 in New York. Der mächtige Filmproduzent Darryl F. Zanuck ließ sie auf sein Hotelzimmer kommen. In ihrem Buch schreibt Senta Berger: "Er öffnete seinen seidenen Schlafrock. Er war nackt darunter. Er schrie mich an: 'Dein Volk hat Millionen von meinen Leuten getötet, vergast, erschossen ... Look at me! Ich bin bereit zu verzeihen. Mein ganzer Körper fiebert dir entgegen, du kleines Nazimädel!' ... Es gab ein kurzes absurdes Gerangel zwischen uns." Dann war sie wieder draußen.
Senta Berger erholt sich vom Bühnensturz
Vergangenen Januar ist sie bei einer Lesung in Hamburg von der Bühne gestürzt und hat sich einen Oberschenkel gebrochen. Operation, mehrere Wochen Reha, sie hat sich mit großer Energie wieder berappelt, wie sie in einem Interview bestätigte. Wesentlich schwieriger ist es in dem Haus in Grünwald, in dem keiner mehr auf sie warte.
Eigentlich sollte "Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke" ihr letzter Film sein. Sie könne sich nicht vorstellen, dass sie noch mal "so eine schöne Rolle" bekomme. Dann sagt sie: "Aber man weiß ja nie..." - und lächelt.
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