Debattieren Sie mit!

  • Mit stern-Account aktiv an allen Debatten teilnehmen und kommentieren.
Jetzt registrieren

Bereits registriert? Hier anmelden

Junge Leute schauen kein lineares Fernsehen mehr? Dass das nicht ganz stimmt, zeigt der "ZDF Fernsehgarten". Die Sendung besteht seit 40 Jahren erfolgreich neben Streaming und Social Media. Anlässlich des Jubiläums blickt Andrea "Kiwi" Kiewel auf ihre mehr als zwei Jahrzehnte als Moderatorin zurück.

Wer von Mai bis September sonntags gegen Mittag das ZDF einschaltet, dem strahlt seit fast 26 Sommern meistens ein Gesicht entgegen: das von Moderatorin Andrea Kiewel. Die 60-Jährige, die von ihren Fans liebevoll "Kiwi" genannt wird, ist das Aushängeschild der Vormittagsshow "ZDF-Fernsehgarten" (die neue Saison startet am 10. Mai, 12 Uhr). Am 29. Juni 1986 ging das Open-Air-Spektakel erstmals auf Sendung. Anlässlich des 40-Jahre-Jubiläums der nach wie vor bestens nachgefragten Outdoorshow lässt Andrea Kiewel, die seit 2017 in Tel Aviv lebt, ihre Karriere und die Veränderungen in der Branche durch Social Media und Streaming Revue passieren. Kiewel – ganz wie man sie kennt – hat im Interview die eine oder andere witzige Anekdote auf Lager.

teleschau: 40 Jahre "Fernsehgarten"! – Sie selbst sind seit über zwei Jahrzehnten das Gesicht der Sendung. Worauf sind Sie besonders stolz?

Andrea Kiewel: Also mal ehrlich: Das größte Glück und der beste Erfolg ist doch, dass unser "Fernsehgarten" so jung, knackig und frisch daherkommt wie am ersten Tag. Er ist zum beliebten Sonntagsritual vieler Familien geworden, und was die Kinder von vor 40 Jahren mit ihren Eltern und Großeltern sahen, gucken sie jetzt mit ihren eigenen Kindern. Deswegen ist unsere Show das wunderbarste "Wir"-Gefühl im deutschen Fernsehen. Man ist mit seiner Leidenschaft nicht allein, wir sind eine große Familie.

teleschau: Kann ein 40 Jahre altes Konzept in der schnelllebigen Fernsehwelt von heute überhaupt noch zeitgemäß sein?

Kiewel: Gerade diese einmalige Mischung aus Live-Sendung aus Mainz und den Zuschauern zu Hause ist das Geheimnis der Sendung: Sommer, Festival-Stimmung, coole Musik. Immer mehr junge Leute kommen zu uns und feiern das Leben. So etwas gibt es sonst kaum mehr. Unsere Zuschauer wollen unbedingt Teil der Show sein. Sie rufen, tanzen, winken und grüßen die Eltern daheim am Bildschirm – Fernsehen zum Anfassen. Ich feiere uns dafür!

So denkt Andrea Kiewel über Streaming-Anbieter: "Ich empfinde keinerlei Konkurrenz"

teleschau: Dennoch scheint es erstaunlich, dass so etwas im Zeitalter von Streaming noch funktioniert ...

Kiewel: Ich empfinde keinerlei Konkurrenz. Wir unterhalten und wollen glücklich machen, das schließt für mich jeden Wettkampfgedanken per se aus. Der "Fernsehgarten" hat eine sehr solide Fan-Base. Das ist wie mit dem deutschen Schlager: Bei beiden schlägt das Herz am richtigen Fleck. Beides wird mit großer Leidenschaft gemacht. Vielen Menschen aller Altersgruppen gefällt das – und das ist wunderbar so.

teleschau: Welche Sendungen sind Ihnen besonders im Gedächtnis geblieben?

Kiewel: Die beiden Mallorca-Ausgaben des "Fernsehgartens", die im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fielen, waren für mein gesamtes Team besondere Shows. Wir mussten schweren Herzens aus Sicherheitsgründen die Zuschauer nach Hause schicken und dennoch weiter senden, als hätten wir immer automatisch einen Plan B in der Tasche. Gezaubert und improvisiert haben wir ein wenig, das war sehr, sehr cool.

teleschau: Fans erfreuen sich immer wieder an Spezialausgaben der Sendung. War die "Heavy Metal"-Ausgabe Ihre Idee?

Kiewel: Alle "Fernsehgärten" und Themen sind Teamwork. Wir entscheiden gemeinsam. Der "Rock im Garten"-Fernsehgarten startete einst als Versuchsballon und gehört des großen Erfolges wegen mittlerweile zum festen Programm. Ich war zwar noch nie in Wacken. Aber ich kenne Holger Hübner und sein Team – Ehrenmenschen! Und große Vorbilder!

"Ich habe immer großes Lampenfieber, exakt wie am ersten Tag"

teleschau: Wen würden Sie unbedingt noch gerne auf Ihrer Bühne begrüßen wollen?

Kiewel: Peter Maffay wäre sehr, sehr, sehr toll. Er ist einer meiner Lieblingskünstler, seit ich von meinen Eltern Mitte der 80er-Jahre endlich einen Kassettenrecorder bekam. Ich kann alle Peter Maffay-Lieder mitsingen. Alle!

teleschau: Wäre sein Besuch eine aufregende Situation, in der selbst Sie als erfahrene Moderatorin Lampenfieber bekommen würden?

Kiewel: Ich habe immer großes Lampenfieber, exakt wie am ersten Tag. Es wird nicht besser. Aber wenigstens bin ich mittlerweile darauf vorbereitet ...

teleschau: Ist das ein Grund, warum Sie eigentlich nie wirklich länger eine andere Unterhaltungssendung moderiert haben?

Kiewel: Ich habe schon vor Jahren meine ganz eigene "Andrea Kiewel-Bubble" erschaffen. Der "Fernsehgarten" ist mein Traumjob. Und dieser Traumjob ist Teil meines Lebens.

teleschau: Wie stehen Sie zu Stefan Mross, Ihrem "Konkurrenten" von "Immer wieder sonntags"?

Kiewel: Stefan und ich waren und sind keine Konkurrenten. Wir mögen und respektieren uns. Wenn Stefan bei mir auftritt, dann ist es immer ein großes Vergnügen.

"Der zunehmend rauer werdende Ton in Facebook, Instagram und Co. ist erschreckend"

teleschau: Sie stehen seit Jahrzehnten in der Öffentlichkeit. Was hat Ihnen geholfen, sich selbst dabei nicht zu verlieren?

Kiewel: Ich tauche komplett unter, gehe sehr selten auf TV-Veranstaltungen, meide rote Teppiche und soziale Medien und fülle mich stattdessen mit "echten" Dingen: Meer, Museen, Bücher, Kunst, Architektur, gute Gespräche, Gesellschaftsspiele. Ich habe einen kleinen, aber feinen Freundeskreis. Wir sind füreinander da, da ist es unerheblich, wer womit sein Geld verdient.

teleschau: Heute wird jede Sendung sofort online kommentiert. Wie gehen Sie mit dem vielen, was da über Sie geschrieben wird, um?

Kiewel: Der zunehmend rauer werdende Ton in Facebook, Instagram und Co. ist erschreckend. Da arbeiten sich Leute an uns ab, obwohl wir uns noch nie begegnet sind. Ich bin froh, davon so gut wie nichts mitzubekommen. Nicht, weil es nicht existiert, sondern weil ich sehr bewusst entschieden habe, damit nichts zu tun haben zu wollen. Und wenn mich doch mal ein Hasskommentar erwischt, tröstet mich der Liebste. Das hilft sehr gut.

teleschau: Was wünschen Sie sich für die Zukunft des "Fernsehgartens"?

Kiewel: Ich freue mich sehr und bin unendlich dankbar für meine langfristig geplante Zusammenarbeit mit dem ZDF als Fernsehgärtnerin. Meine Kolleginnen und Kollegen sind meine Familie, nun schon seit 26 Sommern. So etwas gibt es im Leben nur einmal. Und nein, wir verlassen uns nicht – da klopfe ich dreimal auf Holz.

TELESCHAU

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke