Der unvergessliche König der Herzen
"The Hun" - der Hunne. So hat ihn seine Schwiegermutter, die Queen Mum, genannt. "Hunne" ist in England ein ziemlich gehässiges Schimpfwort für Deutsche. Dass die knorrige Königinmutter ihn so titulierte, hat Prinz Philip vermutlich gut gefallen, denn er hatte ein großes Herz für ätzenden Schabernack, selbst wenn er in der vereinfachten Form von der Schwiegermama daherkam.
Prinz Philip, der Duke of Edinburgh und Gemahl der letzten britischen Königin Elizabeth II., war ein geradliniger, kantiger und überaus männlicher Typ, der sich nur ungern von anderen was sagen ließ. Zudem ein treuer, verlässlicher Partner, mehr noch: ein wahrer König der Herzen des britischen Volks.
Am 9. April, seinem fünften Todestag, werden viele Briten seiner gedenken. Für die meisten seiner Landsleute ist es eine schmerzliche Erinnerung - angesichts des traurigen Zustands der britischen Monarchie nach den unappetitlichen Skandalen um seinen zweitältesten Sohn Andrew (66), dem die Prinzenrolle von seinem königlichen Bruder Charles III. entzogen wurde. Wenigstens das ist Prinz Philip erspart geblieben.
Der Held aus der zweiten Reihe
Fast 70 Jahre war der Platz dieses stolzen Mannes die zweite Reihe. Er musste seiner Frau stets zwei Schritte hinterher laufen, denn sie war die Queen. Er tat es mit einer unverwechselbaren Mischung von erzwungener Demut und liebenswürdigem Trotz.
Er wurde zwar mit dem sprichwörtlichen silbernen Löffel im Mund geboren, war aber keineswegs auf Rosen gebettet: Prinz Philippos Andreou von Griechenland und Dänemark kam am 10. Juni 1921 auf Schloss Mon Repos auf der griechischen Insel Korfu zur Welt. Seine Mutter Alice von Battenberg war Deutsche, auch sein Vater entstammte dem deutschen Adelshaus Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg, einer Seitenlinie des Hochadelsgeschlechts Oldenburg, das mit griechischen, dänischen und norwegischen Herrscherdynastien sowie mit der russischen Zarenfamilie Romanow verwandt war.
Philip war der Enkel von König Georg I. von Griechenland sowie der Neffe des hellenischen Herrschers Konstantin I. Nach einem Militärputsch ging die Familie ins Exil, Prinz Philip mit seiner Mutter und vier älteren Schwestern nach Paris, der Vater an die Côte d'Azur.
Es muss eine schwere Zeit gewesen sein, die Mutter wurde psychisch krank und glaubte, sie sei mit Jesus Christus verheiratet. Sie kam in verschiedenen Nervenkliniken unter und konnte sich nicht mehr um die Kinder kümmern. Der Vater wollte den kleinen Philip nicht aufnehmen, das Kind kam zu Verwandten nach Deutschland und besuchte das Internat Schloss Salem in der Nähe des Bodensees. 1933 wurde Philip nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten nach Frankreich, dann nach England geschickt.
Seine vier Schwestern Margarita, Theodora, Cecilia und Sophie blieben in Deutschland und heirateten deutsche Adelige, die sich teilweise bei den Nazis engagierten. Philip trat nach der Schule der britischen Marine bei und kämpfte während des Zweiten Weltkriegs auf dem britischen Schlachtschiff HMS Valiant gegen die Deutschen.
Ein heimatloser Prinz
Auch in England hatte die Familie Verwandte, schließlich war Alice von Battenberg eine Urenkelin der Queen Victoria. Der legendäre britische Generalstabschef und Erster Seelord Louis Mountbatten, 1. Earl Mountbatten of Burma, ein Bruder seiner Mutter, war Philips Onkel. Und der kümmerte sich um den heimatlosen Prinzen.
Vermutlich hat es dieser Mountbatten auch eingefädelt, dass sich der junge Marine-Offizier Philip bei der königlichen Familie vorstellen durfte. Das war 1939. Er hinterließ bei der 13-jährigen Elizabeth, einer Cousine 3. Grades, einen bleibenden Eindruck. Die verliebte Prinzessin soll ein Foto von ihm aufgestellt haben, während ihre Mutter gegen den "Hunnen" Philip wetterte: Kommt aus Griechenland dahergelaufen, kein Geld, keine Eton-Ausbildung, kein Mitglied des britischen Hochadels, und dazu noch deutschstämmig, 1939, in dieser Weltlage!
Dieser Unmut war verständlich, schließlich hatte die Königsfamilie ihren eigenen deutschen Familiennamen Sachsen-Coburg und Gotha erst 1917 während des Ersten Weltkriegs (gegen Deutschland) durch die britische Phantasiemarke "Windsor" ersetzt, wie übrigens auch die britischen Battenbergs ihren Namen anglisiert haben: Mountbatten.
Doch Philips Onkel Louis Mountbatten, genannt "Dickie", arbeitete an der Lösung: Ein griechisch-dänischer Deutscher sei als künftiger Prinz von England nur zu ertragen, wenn er als "Leutnant Philip Mountbatten" in die Ehe geht.
Ein denkwürdiger Verzicht
Philip verzichtete auf seinen Titel "Prinz von Griechenland und Dänemark", konvertierte von der griechisch-orthodoxen Kirche zur anglikanischen, nahm den Mädchennamen seiner Mutter (Battenberg = Mountbatten) und die britische Staatsangehörigkeit an und heiratete am 20. November 1947 die britische Kronprinzessin Elizabeth. Kurz vor der Hochzeit wurde ihm der Titel "Duke of Edinburgh" verliehen.
Elizabeth wurde 1952 nach dem Tod ihres Vater George VI. Königin. Erst 1957 verlieh sie ihrem Mann den Prinzentitel. Das Paar hatte vier Kinder: Charles (77), den jetzigen König, Prinzessin Anne (75), Andrew, der kein Prinz mehr sein darf, und Prinz Edward (62), den jetzigen Duke of Edinburgh. Die Ehe des königlichen Paars hielt über 73 Jahre.
Es wurde viel gelacht und gelästert über Philips kauzigen Humor und seine undiplomatischen Bemerkungen. Deshalb nannte man ihn "Duke of Hazard" - Herzog des Risikos. Protokollchefs wären am liebsten im Boden versunken, doch die Engländer liebten ihn dafür. Als ihm etwa der 13-jährige Schüler Andrew Adams erzählte, er wolle Astronaut werden, antwortete Philip: "Davor müsstest du aber abspecken". Den deutschen Regierungschef Helmut Kohl begrüßte er mit "Guten Tag, Herr Reichskanzler", zum Staatspräsidenten von Nigeria, der in bunter Landestracht erschien, sagte er: "Sie sehen aus, als wollten Sie gleich zu Bett gehen." Und in Papua-Neuguinea meint er zu den Gästen eines Empfangs: "Sie haben es also geschafft, nicht verspeist zu werden".
Philip sei von Natur aus viel mehr Alphatier als die Königin gewesen, aber sie war nun mal die Queen, meinte Peter Morgan, der für Netflix die Serie "The Crown" entwickelte hat. So ergab sich folgende Arbeitsteilung: Sie herrschte über das Reich, er über den Familienclan der Windsors - und mitunter auch oft über die Königin, die er in den Privatgemächern, und nur dort, gern "Alte", "Kohlkopf" oder "Würstchen" zu nennen pflegte. Sich selbst bezeichnet er als "Flüchtling", "Amöbe", "Stänkerer" oder "erfahrenster Gedenktafel-Enthüller aller Zeiten".
Royaler Raser
Verbürgt ist auch die Reaktion des leidenschaftlichen Sportwagenfahrers (Aston Martin) auf den Protest seiner Frau, er solle nicht so rasen. Philip soll geantwortet haben, wenn sie noch einmal seinen Fahrstil kritisiere, werde er anhalten - und sie könne zu Fuß nach Hause (zum Buckingham Palast) laufen...
Den anderen Philip, den sensiblen, den gefühlvollen und warmherzigen, haben nur die Familie und engste Freunde kennengelernt. Er bemühte geduldig um den inneren Frieden. Als Charles' Ehe mit Diana gescheitert war, kümmerte er sich um die beiden, zeigte Verständnis für beide Seiten und hatte einem regelmäßigen Briefwechsel mit Diana.
In erster Linie war er kompromisslos der wichtigste und stabilste Unterstützer seiner Frau. Er möge ja keine Komplimente, sagte die Queen am 60. Hochzeitstag: Philip habe ihr "all die Jahre Kraft und Halt" gegeben. "Der Spiegel" schrieb: "Der beste royale Sidekick aller Zeiten." Letztendlich hatte er ihr sein ganzes Leben gewidmet: "Meine wichtigste Aufgabe ist es, die Queen niemals im Stich zu lassen." Das tat er bis zu seinem Tod, zwei Monate vor seinem 100. Geburtstag.
Der königliche Biograf Hugo Vickers schrieb unlängst in seinem neuen Buch "Queen Elizabeth II", dass Philip seit 2013 an inoperablem Bauchspeicheldrüsenkrebs gelitten und acht Jahre mit der tödlichen Krankheit gelebt haben soll, was medizinisch als außergewöhnlich gilt.
Bis zuletzt ein Rebel
In seiner letzten Nacht soll er den Krankenschwestern entkommen und mit seinem Rollator durch die Korridore von Schloss Windsor gefahren sein. Dann habe er sich ein Bier eingeschenkt und es im Salon getrunken. Am nächsten Morgen habe er noch ein Bad genommen und sei dann "still und leise verschwunden".
Die Königin wurde erst verständigt, als Prinz Philip schon gestorben war. Sie war nicht nur verzweifelt, sondern auch verärgert über ihren eigenwilligen Ehemann, der - wie so oft im Leben - gegangen sei, ohne sich zu verabschieden.
SpotOnNews- Prinz Philip
- Tod
- Todestag
- Mutter
- England
- Griechenland
- Alice von Battenberg
- Edinburgh
- Charles III.
- Frau
- Deutschland
- Philips
- Bruder
- Königshaus
- Dänemark
- Ehe
- Kinder
- Louis Mountbatten
- Schwiegermutter
Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke