Samu Haber blickt kurz vor seinem 50. Geburtstag auf schwierige Phasen zurück und erklärt: "Therapie hat mein Leben verändert."

Samu Haber wird am 2. April 50 Jahre alt. Im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news erzählt der finnische Musiker, wie sein Blick auf das Alter sich verändert hat, wie er seine Probleme in jungen Jahren gemeistert hat und was er sich für das neue Lebensjahr wünscht.

Sie haben in Ihrem Blog geschrieben, dass Sie oft eine Alterskrise hatten. Wie hat sich Ihr Verhältnis zum Älterwerden verändert, jetzt mit Blick auf die 50?

Samu Haber: Es ist gut, sich solchen Themen zu stellen. Alles, was man wegdrückt, kommt irgendwann nur stärker zurück. In den vergangenen vier, fünf Jahren ist viel passiert: die Pandemie, das Ende von Sunrise Avenue, der Start meiner Solokarriere, mein erstes englischsprachiges Soloprojekt. Ich war ständig unterwegs und nach den Shows einfach erschöpft. Letzten Sommer hatte ich den arbeitsreichsten Sommer meines Lebens - 37 Festivals, überall unterwegs. Das war unglaublich. Aber dann sitzt man im Oktober in Helsinki, es wird kälter, es ist stockdunkel, und man sieht in den Kalender: fünf Monate lang nichts. Und das nächste große Ereignis ist der 50. Geburtstag. Da fragt man sich natürlich: Was ist eigentlich passiert? Aber genau dann habe ich angefangen, anders auf mein Leben zu schauen. Habe ich es wertgeschätzt? Habe ich es gefeiert? Würde ich etwas ändern wollen? Würde ich lieber jünger sein? Fehlt mir etwas? Und als ich das wirklich ehrlich durchdacht habe, war ich am Ende ziemlich zufrieden.

Was hat Ihnen dabei geholfen, so zu denken?

Haber: Ich gehe seit etwa acht Jahren immer wieder zur Therapie. Am Anfang sehr intensiv, später phasenweise. Und jetzt bin ich sogar noch einmal zu meinem Therapeuten zurückgegangen, um genau über diese Fragen zu sprechen. Ich bin gesund, ich trainiere viel, fast jeden Tag außer sonntags. Gestern war ich zum Beispiel beim MMA-Training - mit 20-Jährigen. Ich bin in guter Form, habe meine musikalischen Träume erreicht und bin beruflich angekommen. Deshalb versuche ich, das Leben wie einen guten Urlaub zu sehen: Wenn man zwei Wochen auf den Kanaren ist und nur im Hotel bleibt, am Pool liegt, Bier trinkt und abends essen geht, dann fliegt man vielleicht unzufrieden zurück. Wenn man aber die Insel erkundet, mit Einheimischen spricht, neue Dinge ausprobiert, morgens an den Klippen joggt und die Luft einatmet, dann reist man erfüllt nach Hause. Das Leben ist eine begrenzte Reise für uns alle. Also sollte man sie wirklich leben.

Macht Ihnen dieser Gedanke mit 50 noch einmal bewusster, dass Zeit endlich ist?

Haber: Natürlich. Vielleicht habe ich noch zwanzig gesunde Jahre. Wenn ich sehr viel Glück habe, dreißig. Vielleicht aber auch nur zwei Jahre oder einen Monat - niemand weiß das. Deshalb sollte man dem Herzen folgen und die Dinge tun, die einem wirklich etwas bedeuten. Wenn man mit Freunden für ein paar Wochen snowboarden will, dann sollte man das tun. Wenn man gerade an seinen Vater denkt, dann sollte man ihn anrufen, solange er da ist. Mit 30 fand ich das Älterwerden schrecklich. Damals lief in meiner Musikkarriere noch nichts. Mit 40 war ich innerlich ziemlich verloren, auch mit Blick auf das große Ganze im Showgeschäft. Aber mit 50 weiß ich: Ich werde nicht für immer hier sein - und ich versuche auch gar nicht, es zu sein. Es ist nur eine Zahl. Ich kämpfe immer noch mit 20-jährigen Männern, wir haben beide schwarze Gürtel. Natürlich ist es schade, dass das Leben nicht ewig dauert. Aber gerade deshalb ist dieser Moment so wertvoll.

Wie war es für Sie am Anfang, zur Therapie zu gehen?

Haber: Die ersten zehn Sitzungen waren furchtbar. Ich war in einer Lebensphase, in der ich eigentlich nie wieder hätte arbeiten müssen, wenn ich nicht gewollt hätte. Privat wie beruflich hatte ich viele Möglichkeiten, ich musste mir um vieles keine Sorgen machen - und trotzdem war ich völlig am Boden. Ich dachte immer: Wenn ich einmal ein Stadion fülle, wenn ich bestimmte Zahlen erreiche, wenn ich das schnelle deutsche Cabrio habe, 30 Gibson-Gitarren und einen Flügel, dann bin ich glücklich. Aber je weiter ich die Leiter hochgeklettert bin, desto unglücklicher wurde ich. Die Therapie hat mein Leben verändert. Und dann kam eines zum anderen: Man beginnt nachzudenken, man wählt bewusster aus, mit wem man Zeit verbringt, man sucht nach Menschen, die wirklich zu einem passen. Ich habe angefangen zu lesen, Hörbücher zu hören, Seminare zu besuchen. Dann kam der Kampfsport dazu. Ich habe dort Menschen mit großem Wissen kennengelernt. Letztlich musste ich wohl erst ganz unten ankommen, um zu begreifen: Noch tiefer zu tauchen bringt kein Glück. Es geht vielmehr ums Loslassen - um das Loslassen von Kontrolle, um Selbstannahme, um die Akzeptanz des Lebens so, wie es ist. Ich habe noch viel über mich zu lernen und werde nie "fertig" sein. Aber ich schlafe heute viel besser als vor acht Jahren. Und ich mag mich selbst heute viel mehr - mit allen Narben, Fehlern und Schwächen. Ich mag den heutigen Samu deutlich lieber als den mit 30 oder 40.

Sie haben einmal gesagt: "In meinen Teenagerjahren dachten alle, ich schaffe es nicht mal bis 23." Wer waren diese "alle"?

Haber: Eigentlich alle. Wirklich alle.

Warum?

Haber: Weil ich komplett verloren war. Ich wurde in der zweiten Klasse vom Gymnasium geworfen, weil ich morgens nie aufgewacht bin. Ich steckte in sehr dunklen Gedanken fest. Ich war nie selbstzerstörerisch, aber ich habe meiner Mutter schon mit zehn gesagt, dass das Leben für mich wie im Nebel ist. Ich konnte nichts klar sehen. Dabei lief es von außen betrachtet gar nicht schlecht: in der Schule okay, im Eishockey okay, ich habe sogar in Kanada und den USA gespielt. Ich liebte Musik. Und trotzdem lebte ich in diesem seltsamen Nebel. Ich habe die Schule erst mit 26 abgeschlossen. Total verrückt eigentlich. Irgendwann habe ich beschlossen, mich zu wehren. Ich wollte erfolgreich werden, meine Musikträume verwirklichen. Und viele Jahre lang dachte ich, das würde reichen, um mich besser zu fühlen. Für kurze Zeit tat es das auch immer wieder.

Wie sah diese schwierige Phase konkret aus?

Haber: An wichtigen Schultagen kamen Freunde vorbei, klingelten Sturm und brachten mich überhaupt erst zur Schule. Ich hatte wirklich Angst vor dem Leben. Musik war mein einziger sicherer Ort. Wenn man sich die frühen Songs von Sunrise Avenue anhört, hört man das auch: Da singt jemand, der nicht besonders selbstbewusst oder glücklich ist, aber versucht, dagegen anzukämpfen. Dazu kam exzessives Feiern. Ich bin mit Anfang zwanzig nach Spanien gezogen, und das waren nicht einfach nur ein paar Drinks an der Strandbar - das war über Jahre hinweg ziemlich heftig. Aus dieser Zeit habe ich sogar eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Ich war in sehr schlechter Gesellschaft, an sehr dunklen Orten. Im Nachhinein muss ich sagen: Ich hatte großes Glück, dass ich damals nicht im Gefängnis gelandet bin. Aber ich bin trotzdem dankbar für diese Erfahrungen. Wenn man einmal an solchen Orten war, bekommt man später nicht sofort Angst, wenn es wieder schwierig wird. Deshalb bin ich für meine ganze Geschichte dankbar.

Was wünschen Sie sich für Ihr neues Lebensjahr?

Haber: Für mich selbst wünsche ich mir eigentlich nichts. Ich wünsche mir eher, dass das Böse in der Welt ein wenig vom Gas geht. Die Welt war nie ein Ort voller Rosen, aber es ist im Moment schon beängstigend, wie wir miteinander umgehen. Und der Trend geht in die falsche Richtung. Ich wünsche mir, dass unsere politischen Führungskräfte mehr Weisheit und Geduld zeigen, ihre Egos zurückstellen und gute Entscheidungen für uns treffen. Und ich wünsche mir auch, dass wir Menschen nicht immer denen hinterherlaufen, die am lautesten schreien und uns einfache Antworten liefern - nach dem Motto: "Die da sind das Problem, ich löse alles für euch." Das ist gefährlich. Das hat es in der Geschichte schon unzählige Male gegeben, überall auf der Welt. Trotzdem will ich an ein gutes Ende glauben. Ich will glauben, dass wir etwas gelernt haben und dass die Welt heute anders sein kann, weil wir Wissen und Erfahrung aus der Vergangenheit haben.

Und persönlich?

Haber: Ich werde hoffentlich ein gutes Jahr haben - sofern die Welt nicht komplett verrücktspielt. Am 2. April ist meine Geburtstagsshow, im Sommer stehen ein paar Festivals an, im Herbst eine Tour. Ich lasse es etwas ruhiger angehen und mache so viel Musik, wie ich möchte. Und manchmal werde ich Politikern Nachrichten auf Instagram schreiben - allerdings nur, wenn sie gute Arbeit leisten (lacht). Dem finnischen Präsidenten schreibe ich tatsächlich öfter. Er ist ein wirklich guter Mann in einer schwierigen Position, und ich habe großen Respekt vor ihm. Wenn er einen guten Job macht - etwa in schwierigen Gesprächen mit Trump oder anderen mächtigen Politikern -, dann schreibe ich ihm: "Good job, Mr. President." Denn genau das brauchen wir: gute Worte und gute Taten. Es gibt schon genug Hass, genug Geschrei, genug Ablehnung. Jedes gute Wort macht einen Unterschied. Jedes gute Wort verschiebt das Gleichgewicht ein kleines Stück in die richtige Richtung. Das ist mein Wunsch für mein neues Lebensjahr auf diesem Planeten.

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