Viele Promis lassen gern Haut durchschimmern. Am Mittwoch tat das auch „Tagesschau“-Sprecherin Romy Hiller, allerdings wohl versehentlich. Also: vielleicht.

Im Fernsehen keine kleinen Karos. Diese Regel kennen auch Nicht-Profis, falls sie in den Siebzigern oder Achtzigern, als kleine Karos sehr populär waren, schon das Flirren auf den Sakkos der Nachrichtensprecher durchs dicke Glas der Röhrenfernseher gesehen haben. 

Auch reines Weiß oder Tiefschwarz können auf dem Bildschirm Probleme machen. Und noch eine Regel gibt es: Besser immer noch einmal prüfen, ob Kleidung im erbarmungslosen Licht der Scheinwerfer eventuell durchsichtiger ist, als man glaubt. Dafür war womöglich am Dienstag aber keine Zeit mehr, bevor „Tagesschau“-Sprecherin Romy Hiller, Nachfolgerin von Constantin Schreiber, an ihr Pult trat.

„Tagesschau“-Sprecherin im Transparent-Top

Das weinrote Shirt, das sie unter ihrem roten Blazer trug, entpuppte sich nämlich vor der Kamera als recht transparent. Nicht weiter schlimm, eigentlich, denn der Blazer verdeckte alles, was verdeckt sein sollte. Nur ist man von „Tagesschau“-Sprecherinnen und -Sprechern ja einen besonders konservativen Look gewohnt. Arme Romy Hiller. Bei einem Spaziergang durch ein Szeneviertel ihrer Wahl hätte ihr für das Outfit mindestens eine junge Frau ein anerkennendes „Slay, Schwester!“ zugerufen.

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Und abseits des „Tagesschau“-Studios ist der Durchsichtig-Look in weitaus drastischeren Formen ja schon seit ein paar Jahren populär. Auf den roten Teppichen dieser Welt lässt sich das an Outfits von Heidi Klum, Dua Lipa, Chappell Roan oder Lena Meyer-Landruth nachverfolgen. Und ja, wir erinnern uns natürlich auch alle noch an Kanye Wests Ehefrau Bianca Censori. Und einige von uns sogar an Micaela Schäfer.

Ob man diese modische Transparenz jetzt aus rein ästhetischer Perspektive schön findet oder nicht (selbst an der optisch makellosen Gwyneth Paltrow sah das bei den 2002er-Oscars irgendwie merkwürdig aus?!) – der Nackt-Look erfüllt eine Funktion, die uns als Gesellschaft weiterbringen könnte: Er entsexualisiert weibliche Nacktheit. Niemand wird glauben, dass jemand, der sich für einen Red-Carpet-Auftritt in ein unbezahlbares Couture-Kleid zwängt, dabei auch nur einen einzigen erotischen Gedanken hat. 

Durchsichtig kann ein Statement sein

Wer dem „male gaze“, dem männlichen Auge, gefallen möchte, macht es wie Schauspielerin Sydney Sweeney und wählt ein eher konservatives Outfit, das dann eben ein eher unkonservativ tiefes Dekolleté aufweist. Echte weibliche Nacktheit, furchtlos präsentiert und nicht zwingend schmeichelhaft, sondern konsequent modisch verpackt, macht Männern tendenziell eher Angst.

Und natürlich gibt es weibliche Promis, die den Transparent-Look allein deshalb wählen, weil er für ein bisschen Aufmerksamkeit sorgt. Das ist dann zum Gähnen langweilig. Und immer sofort spürbar. Wirklich provozieren kann man mit durchscheinenden Brüsten nur, wenn man mindestens B-Promi-Status erreicht hat. Womit wir wieder bei Bianca Censori und Micaela Schäfer wären: Wer quasi nackt irgendwo auftaucht und dafür nur ein Schulterzucken erntet, sollte seine Einstellung zur Mode noch einmal überdenken.

Frauenkörper sollten existieren dürfen

Was Romy Hiller angeht: Hier ist nichts zu sehen, bitte gehen Sie weiter. Viele Menschen haben Brüste, und wenn die bloße Andeutung ihrer Existenz einen solch kollektiven Schluckauf auslöst, haben wir in den vergangenen 60 Jahren wenig geschafft, was das Verhalten von Männern gegenüber Frauen und deren Körpern angeht. Das wäre schade. 

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