Schwere Verletzungen, Comeback, Olympia-Traum: Warum Lindsey Vonn trotz aller Rückschläge und Kreuzbandriss noch einmal angreifen will.

Die Olympischen Winterspiele in Cortina d'Ampezzo und Mailand rücken immer näher. Im Skisport liegt das Augenmerk dieses Jahr besonders auf Lindsey Vonn (41). Bei der Abfahrt in Crans-Montana hat sie sich vor wenigen Tagen bei einem schweren Sturz einen Kreuzbandriss im linken Knie zugezogen, doch ihr Olympia-Traum bleibt ungebrochen.

Am Dienstag erklärte die US-Amerikanerin auf einer Pressekonferenz, dass sie trotz ihres Sturzes bei den Olympischen Winterspielen starten will. Die 41-Jährige möchte dabei ihr "Bestes geben" und schauen, wie weit sie damit kommt: "So lange es eine Chance gibt, werde ich es versuchen."

Sie hat sich bereits langsam wieder im Training herangetastet und sagt zu ihrem Fortschritt: "Ich bin Ski gefahren, das Knie ist nicht geschwollen. Ich fühle mich besser als 2019 bei der WM, und da hatte ich keinen Kreuzbandriss." Die deutsche Eurosportexpertin und ehemalige Skirennläuferin Viktoria Rebensburg (36) setzt hohe Erwartungen an Vonn. "Ich traue ihr das voll zu! Man muss trotzdem abwarten, was in den ersten Trainings passiert und ob das Knie den Belastungen standhält. Wenn ja - dann traue ich ihr voll zu, dass sie am Renntag alles ausblenden und abliefern kann", sagte Rebensburg im Interview mit "Eurosport".

Die Geschichte von Lindsey Vonn ist eine emotionale Achterbahnfahrt. Sie ist geprägt von Leidenschaft, Rückschlägen und Disziplin. Ihre Karriere ist filmreif. Und das große Finale kommt erst noch.

Warum dieses Comeback so außergewöhnlich ist

Nach einer Reihe schwerer Verletzungen und insgesamt neun Knieoperationen, einem Knöchelbruch, mehreren Frakturen im Schienbein und einem Oberarmbruch musste Lindsey Vonn 2019 ihre Karriere zunächst beenden. Ein Schlüsselmoment ihrer Verletzungsgeschichte war der Sturz 2013 bei der Ski-WM in Schladming: "Bei der Landung nach einem Sprung verkantete mein Ski, durch den Druck brach das rechte Knie unter meinem Körper zusammen, ich überschlug mich. Das Gelenk war komplett zerstört", sagt Vonn über ihre erlittenen Verletzungen.

Mit dieser Szene würde sie sogar einen Film über ihr Comeback beginnen, sagt sie im Interview mit der "Süddeutschen Zeitung". Die Schmerzen wurden im Laufe der folgenden Jahre immer schlimmer, bis es nicht mehr ging und Vonn dem geliebten Skisport, zumindest vorübergehend, den Rücken kehren musste.

Teilprothese im Knie brachte den Wendepunkt

Über ihr Karriereende sagt sie: "Das Ende meiner Karriere verlief nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte, aber es war trotzdem verdammt gut, wenn man bedenkt, dass ich kein Außenband im linken Knie hatte, mit zwei Bandagen Ski fuhr und eigentlich kaum noch laufen konnte." Bei ihrem vorerst letzten Rennen, der Ski-WM 2019, holte sie Bronze.

Erst im Frühjahr 2024 ließ sie sich Titanteile ins rechte Knie einsetzen - seither ist sie fast schmerzfrei und kündigte nur ein halbes Jahr später ihr Comeback an. Vonn ist im Übrigen die erste Athletin, die mit einer Teilprothese professionell Ski fährt.

Zunächst scharfe Kritik am Comeback

Die Tatsache, dass Vonn zurückkam, begeisterte nicht alle im Skisport. Ihre Rückkehr wurde teilweise belächelt und man fragte sich, warum sie es nicht einfach gut sein lässt.

Die deutsche Ski-Legende Markus Wasmeier (62) zum Beispiel hat Vonns Rückkehr in den Ski-Zirkus mit 40 Jahren zunächst als reinen PR-Stunt abgetan: "Meiner Meinung nach ist das nur eine Show. Das grenzt an Verarschung", sagte er damals. Inzwischen hat der Olympiasieger seine Meinung jedoch revidiert. Im Gespräch mit "BR24Sport" lobte er Vonns Einsatz: "Sie hat wirklich hart gekämpft und trainiert wie eine Wahnsinnige. Respekt!"

Vonn ist eine der erfolgreichsten Skifahrerinnen aller Zeiten

Lindsey Vonn kommt aus einem Vorort von Minneapolis, ihr Trainingshang war der Buck Hill, ein kleiner Hügel mit nur 93 Metern Gefälle. "Der Buck Hill liegt auf 300 Meter Höhe, nicht gerade hoch, aber für eine kleine Piste reichte es. Was Pulverschnee ist, wusste ich lange gar nicht. Ich weiss nicht, wie viele Zigtausend Mal ich dort runtergefahren bin. 400 Slalomtore an einem Schultag, 1000 am Wochenende", sagt Vonn über ihre Anfänge.

Ihre Eltern förderten ihre Leidenschaft schon früh. Vonns Mutter, die vor drei Jahren starb, fuhr sie zu Trainingslagern und Rennen. Die beiden verband ein enges Verhältnis. Gecoacht wurde sie von Erich Sailer, einem Tiroler Skipionier, der 1954 nach Nordamerika ausgewandert war. "Erich ist vergangenen Sommer mit 99 Jahren verstorben, er war eine Legende und für mich Familie. Er hat es tatsächlich geschafft, mehrere Olympiateilnehmer zu formen, allesamt von diesem kleinen Hügel aus", erinnert sie sich an ihren Mentor. Nach ihrem Sturz in Crans-Montana besuchte Vonn Sailers Grab in Telfs in Tirol, um ihm nah zu sein.

Unter Sailers Anleitung entwickelte sich Vonn zu einer der besten Speed-Fahrerinnen der Welt, gewann viermal den Gesamtweltcup und olympisches Gold. Nach ihrer Rückkehr in den Weltcup feierte sie im Dezember 2025 in St. Moritz ihren 83. Sieg - es war nicht nur ihr erster Erfolg seit sieben Jahren und neun Monaten, Vonn krönte sich damit im Alter von 41 Jahren zur ältesten Weltcup-Siegerin aller Zeiten.

Olympia-Medaille als Krönung des Comebacks?

Wenn Lindsey Vonn am 8. Februar im Starthaus der Damen-Abfahrt bei den Olympischen Spielen 2026 steht, wird sie möglicherweise an ihre Mutter und an Erich Sailer denken, denen sie so viel zu verdanken hat. Trotz ihres Sturzes in Crans-Montana wird sie alles daran setzen, ihre Karriere diesmal eigenverantwortlich zu beenden - so, wie man es von ihr gewohnt ist: mit Leidenschaft und Kampfgeist. Mit einer Medaille könnte sie ihr Comeback endgültig perfekt machen.

SpotOnNews
  • Lindsey Vonn
  • Olympia
  • Verletzung
  • Kreuzbandriss
  • Crans-Montana
  • Olympische Winterspiele
  • Viktoria Rebensburg
  • Comeback
  • Ski-WM
  • Cortina d'ampezzo
  • Mailand
  • Eurosport
  • Skirennläuferin

Haftungsausschluss: Das Urheberrecht dieses Artikels liegt bei seinem ursprünglichen Autor. Der Zweck dieses Artikels besteht in der erneuten Veröffentlichung zu ausschließlich Informationszwecken und stellt keine Anlageberatung dar. Sollten dennoch Verstöße vorliegen, nehmen Sie bitte umgehend Kontakt mit uns auf. Korrektur Oder wir werden Maßnahmen zur Löschung ergreifen. Danke