Sie spielte auf den großen Bühnen der Welt und prägte das deutsche Nachkriegskino nachhaltig: Am 15. Januar wäre Maria Schell 100 geworden.

Maria Schell zählte zu den ganz großen Schauspielerinnen des deutschsprachigen Films - und war zugleich international gefragt. Sie arbeitete in Wien ebenso wie in London, Paris oder Hollywood. "Sie war - wenn es denn so etwas gibt - die Seele des deutschen Nachkriegskinos", schrieb der "Deutschlandfunk" zu ihrem Tod im Jahr 2005.

Unsterblich also? Vielleicht. Für jüngere Generationen ist ihr Name jedoch zunehmend mit Abstand verbunden: Ihr letzter TV-Auftritt liegt rund 30 Jahre zurück, ihr letzter großer Kinofilm, "Die Spaziergängerin von Sans-Souci" an der Seite von Romy Schneider, sogar mehr als 40. Am 15. Januar hätte Maria Schell ihren 100. Geburtstag gefeiert.

Eine Familie zwischen Talent, Armut und Flucht

Das Talent hatten ihr Mutter und Vater gleichermaßen in die Wiege gelegt. Die Wiener Mama Margarete Noé von Nordberg hatte ein Engagement bei den Münchner Kammerspielen, als sie 1923 den Schweizer Dramatiker Hermann Ferdinand Schell kennenlernte. Nach der Heirat zog das Paar nach Österreich. Dort wurden auch die vier Kinder geboren: Maria (1926), Carl (1927), Maximilian (1930) und Immy (1935). Nach dem "Anschluss" Österreichs an das Deutsche Reich im Jahr 1938 zog die Familie in die Schweiz.

Man darf sich das Familienleben der Schells nicht als künstlerische Idylle vorstellen. Die mittellosen Eltern gaben Carl und Maximilian in ein Waisenhaus, Immy in ein Kinderheim, Maria nach Colmar in ein Elsässer Kloster, wo sie zumindest ein akzentfreies Französisch lernte. Trotz der verzweifelten familiären Situation blieb offenbar die Mutter ein berufliches Vorbild: Alle vier Kinder wurden Schauspieler, Maria und Maximilian machten sogar eine Weltkarriere. Der 2014 verstorbene Maximilian Schell wurde 1962 für seine Hauptrolle im Hollywoodfilm "Urteil von Nürnberg" mit dem Oscar und Golden Globe als bester Hauptdarsteller ausgezeichnet.

Die junge Maria brach eine kaufmännische Lehre ab, als der Schweizer Regisseur Sigfrit Steiner ihre Begabung entdeckt hatte. 1942 spielte sie unter seiner Regie eine Hauptrolle im Schweizer Film "Gottesmühlen". Erst danach begann ihr Schauspielunterricht. Die nächsten großen Rollen waren in "Der Engel mit der Posaune" und "Maresi" (beide 1948). Schon bald erregte die junge Frau mit ihrer ungewöhnlichen Darstellungskraft internationales Aufsehen.

Ihre Tränen wurden zum Markenzeichen

"Sich verströmen", nannte Maria Schell selbst ihre Schauspieltechnik. Ihr "Lächeln unter Tränen" wurde zu einem Markenzeichen. Schon bald kursierte der Zweizeiler: "Niemand weint so schön und schnell, wie im Film Maria Schell."

Der geniale Schauspieler Oskar Werner gab der Kollegin den Spitznamen "Seelchen". Maria Schell hat ihn zeitlebens gehasst. Sie konnte so viel mehr als nur schön und hinreißend traurig sein. Spätestens nach ihrem Film "Die letzte Brücke", der ihr 1954 bei den Filmfestspielen von Cannes die Auszeichnung als beste Schauspielerin einbrachte, war sie auch international gefragt.

An der Seite von Weltstars

Sie filmte in England, Italien, Frankreich und den USA, drehte in Hollywood mit Yul Brynner "Die Brüder Karamasow" sowie die Western "Der Galgenbaum" (mit Gary Cooper) und "Cimarron" (mit Glenn Ford). Sie spielte mit Marlon Brando, Marcello Mastroianni, Trevor Howard, Curd Jürgens, Laurence Olivier, Max von Sydow und Jean Marais, ihre Regisseure waren unter anderem Helmut Käutner, René Clément, Richard Brooks, Luchino Visconti, John Frankenheimer und Claude Chabrol.

In rund 50 Kinofilmen hat sie mitgewirkt, später in zahlreichen TV-Produktionen wie der Erfolgsserie "Die glückliche Familie", dazwischen spielte sie immer Theater, unter anderem am Broadway oder in Salzburg.

Das private Drama hinter dem Ruhm

Ihr Privatleben verlief weniger erfolgreich. Die erste Ehe mit dem Regisseur Horst Hächler (Sohn OIiver, geb. 1962) wurde nach acht Jahren geschieden. Mit ihrer großen Liebe Veit Relin, Regisseur und Schauspieler, war sie 20 Jahre verheiratet (Tochter Marie Theres, geb. 1966), Scheidung 1986. Zwischendurch hatte sie eine Affäre mit dem 21 Jahre jüngeren David Bowie, mit dem sie 1978 für den Film "Schöner Gigolo, armer Gigolo" vor der Kamera stand.

Die letzten beiden Jahrzehnte ihres Lebens entwickelten sich dramatisch und ohne Happy End. Die Angebote waren nicht mehr so üppig, der Starrummel verblasste. Ihr Bruder Maximilian Schell hat ihr 2002 mit dem Film "Meine Schwester Maria", der eine schwerkranke Frau zeigte, ein Denkmal gesetzt. Sie starb am 26. April 2005, körperlich und geistig geschwächt von 16 Schlaganfällen, auf einem Berghof in Kärnten.

Ihre Tochter Marie Theres Relin hat anlässlich des 100. Geburtstags das Buch "Yes, we Schell!" geschrieben. Sie schildert das Leben einer "Jahrhundertfrau", auch in einem Hörbuch. "Da hatte ich manchmal das Gefühl, meine Mama sitzt neben mir und hat mir ihre Stimme gegeben."

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