Frank-Walter Steinmeier wird 70 - ein stiller, besonnener Mensch mit Herz, Humor und westfälischem Boden unter den Füßen.

Beherzt greift er zur Kelle und schenkt aus: Zum Fest der Liebe zeigt der Bundespräsident sein gutes Herz, schließlich soll das Staatsoberhaupt mit gutem Beispiel vorangehen. Also geht Frank-Walter Steinmeier zu den Berliner Obdachlosen und verteilt Kartoffelsuppe mit Würstchen. Er spricht von "sozialer" und "klimatischer Kälte" und von dem "Teil der Gesellschaft", der davon betroffen ist. Das hört sich ein bisschen hölzern an, ist aber durchaus herzlich gemeint.

Mit Obdachlosen kennt sich der Bundespräsident sehr gut aus, jedenfalls besser als die meisten von uns. 1991 hat er für seine Dissertation zum Dr. jur. das Thema gewählt: "Tradition und Perspektiven staatlicher Intervention zur Verhinderung und Beseitigung von Obdachlosigkeit".

Die Menschen kennen Frank-Walter Steinmeier seit vielen Jahren, sie haben sich an seine getragene Körpersprache gewöhnt, an das etwas maskenhafte Lächeln, an seinen typischen monotonen Sprachklang. Nun hat er einen runden Geburtstag zu feiern, das heißt, er kommt nicht umhin, Glückwünsche und Geburtstagständchen entgegenzunehmen, wie immer zu lächeln und staatsmännische Worte des Danks zu sprechen. Am 5. Januar 2026 wird er 70 Jahre alt.

In etwas über einem Jahre geht er in Rente

Die meisten Bundesbürger sind in diesem Alter längst im Ruhestand. Steinmeier hat noch etwas mehr als 14 Monate im protokollarisch höchsten Amt der Bundesrepublik Deutschland vor sich, dann geht auch er - als Altbundespräsident - mit 71 Jahren in Pension, mit allen Pflichten und Rechten eines hochdotierten politischen Rentners.

Obwohl Frank-Walter Steinmeier seit über 25 Jahren zu unserem politischen Alltag gehört, weiß kaum jemand, wie er privat tickt. Er ist, so scheint es, ein Mensch, der die Unauffälligkeit zum Lebensprinzip erhoben hat.

Wie ist Frank-Walter Steinmeier privat?

Er entstammt einer Generation, in der man den Söhnen gern gekoppelte Vornamen gab, was sich heute seltsam anhört, damals jedoch en vogue war. Es war die Zeit von Hans-Jürgen, Ernst-August, Karl-Heinz oder eben Frank-Walter, die Zeit des Wirtschaftswunders und des sprichwörtlichen deutschen Fleißes ohne Widerspruch, was als höchste Tugend galt.

Steinmeier stammt aus Westfalen, genauer aus Ostwestfalen, geboren in Detmold, aufgewachsen im Dorf Brakelsiek, Kreis Lippe. Aus dieser schönen Ecke, die von der Landwirtschaft geprägt ist, kommt auch ein anderer berühmter Deutscher, ein gewisser Hans-Jürgen Dohrenkamp, der sich der Heimat zuliebe Jürgen von der Lippe genannt und ihr mit dem Spottlied "Drei lippische Föhren" ein lustiges Denkmal gesetzt hat.

Steinmeiers Vorfahren waren kleine Bauern und Lippische Ziegler, die als Saisonarbeiter auf Wanderschaft gingen und sich in Ziegeleien in Norddeutschland, Dänemark und den Niederlanden verdingten. So eine Zukunft hatte der junge Steinmeier nicht im Sinn.

Schon als Spieler im Dorfklub TuS 08 Brakelsiek, meist als knüppelharter Verteidiger, laut "SZ" "Prickel" genannt, hatte er eine Devise: Nur nicht unangenehm auffallen. 15 Kilometer weiter wuchs in Mossenberg ein anderes Talent auf, das aber wesentlich auffälliger war: Der Typ wurde "Acker" gerufen, weil er so viel rumackerte und Tore wie am Fließband für TuS Talle schoss, ein gewisser Gerhard Schröder (81), mit dem der "Prickel" später noch viel zu tun haben würde.

Abitur, Wehrdienst, Studium ... und der Wechsel in die Politik

"Kontrolliert, strategisch, analytisch, im Zweifel unscheinbar", so hat die "Süddeutsche Zeitung" den jungen Steinmeier beschrieben. Selbst in hochprozentiger Stimmung sei er nie aus dem Rahmen gefallen, ein Jugendfreund sagt: "Der Frank konnte sich selbst dann noch zusammenreißen, wenn er mal richtig dicke war."

Nach Abitur und Wehrdienst studierte das SPD-Mitglied zielgerichtet (und mithilfe von Bafög) Rechtswissenschaften, machte planmäßig sein 1. und 2. Staatsexamen und die Doktorarbeit als Assistent am Lehrstuhl für Öffentliches Recht an der Uni Gießen. 1993 holte ihn Gerhard Schröder - der war mittlerweile Ministerpräsident von Niedersachsen - in sein Team. Steinmeier machte rasch Karriere, wurde Staatssekretär und Chef der niedersächsischen Staatskanzlei.

Als Schröder 1998 Bundeskanzler wurde, kam Steinmeier mit. Zuerst nach Bonn, dann nach Berlin. Ihm unterstand zuletzt das Bundeskanzleramt, er koordinierte die deutschen Geheimdienste, war neben dem Kanzler die wichtigste Figur im innersten Machtzirkel.

Schröders Abwahl von 2005 hat Steinmeiers Karriere nicht geschadet, im Gegenteil: In der Großen Koalition unter Kanzlerin Angela Merkel (71, CDU) wurde er Außenminister (2005-2009). Dass Steinmeier 2009 die SPD im Wahlkampf anführte und er Bundeskanzler werden wollte, jedoch krachend verlor, ist heute kaum noch in Erinnerung. Auch nicht seine Zeit als Oppositionsführer (2009-2013). 2013 holte ihn Angela Merkel erneut als Außenminister in ihre zweite Große Regierungskoalition mit der SPD. 2017 trat Steinmeier von seinem Amt zurück - und wurde Bundespräsident. Soweit die Eckpunkte seiner politischen Laufbahn.

Exzellente Kontakte nach Russland

Immerhin wurde er als Präsident von seiner Politik als Außenminister wieder eingeholt - für ihn ein schmerzlicher Moment. Wie Angela Merkel hatte Steinmeier exzellente Kontakte nach Russland, er gilt sogar als Architekt einer engen Zusammenarbeit mit Moskau. Das hat seinerzeit für Verstimmungen mit östlichen Nato-Partnern und den USA gesorgt.

Nach dem Aufflammen des Ukraine-Kriegs musste Steinmeier 2022 als Bundespräsident deswegen einen verletzenden Affront erleben: Kurz vor Antritt eines Besuchs in Kiew teilte man ihm von ukrainischer Seite mit, er sei "momentan nicht willkommen". Auch der Schriftsteller Marko Martin hielt Steinmeier 2024 bei einer Rede im Schloss Bellevue, dem Amtssitz des Bundespräsidenten, "eine verfehlte Russlandpolitik" vor, worauf das Staatsoberhaupt mit einem Wutausbruch reagiert habe. Solche Gefühlswallungen hat Steinmeier sonst nicht gezeigt. Von ihm war nur bekannt, dass er beim Lachen sehr laut werden kann.

Elke Büdenbender gibt Privates preis

Seine Frau, die Verwaltungsrichterin Elke Büdenbender (63), die er während des Studiums in Gießen kennengelernt hatte, hat sich stets geärgert, dass ihr Mann als wenig charismatisch und langweilig beschrieben wurde. Sie gab dem "Stern" deshalb ein Interview - und gewährte dabei einen der seltenen Einblicke ins Private: "Wer um Mitternacht von einer Auslandsreise nach Hause kommt und dann bis zwei Uhr mit der Tochter Ikea-Regale aufbaut, kann doch nur ein toller Typ sein". Tochter Merit (30) hat Islamwissenschaften an der Freien Universität in Berlin studiert. 2010 gab Steinmeier ebenfalls Privates preis: Er spendete seiner Frau eine Niere.

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